Österreichisches Rotes Kreuz zur Lehre für Assistenzberufe in der Pflege: Rahmenbedingungen vor Start der Lehre nicht ausreichend geklärt

Ab Herbst 2023 soll die Lehre zu Pflegeassistenzberufen starten und damit jungen Menschen die Möglichkeit geben, bereits nach der Pflichtschule mit der Ausbildung im Pflegebereich zu beginnen. Ebenso soll sie dem Fachkräftemangel im Pflegebereich entgegenwirken. Wie diese Lehre für Assistenzberufe in der Pflege umgesetzt werden soll, berücksichtigt der vorliegende Gesetzesentwurf jedoch nicht im Detail.  
„Wir begrüßen grundsätzlich alle Versuche, die dazu beitragen, den Personalmangel im Pflegebereich zu verringern. Jedoch sehen wir den Start der Lehre zum jetzigen Zeitpunkt kritisch, da die Rahmenbedingungen noch nicht ausreichend geklärt und viele Fragen zur konkreten Umsetzung in der Praxis noch offen sind. Bedauerlicherweise wurde unser Angebot, unsere entsprechende Expertise bei der Entwicklung von Ausbildungswegen in der Pflege zur Verfügung zu stellen, nicht angenommen“, erklärt Michael Opriesnig, Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes. 

OERK ueberreg 1z slogan unten rgbSchwierige Umsetzung in die Praxis 

Eine grundlegende Frage ist die Eignung der Einrichtungen als Lehrbetriebe. 
„Im aktuellen Entwurf fehlen genaue Erläuterungen, welche Kriterien bei der Feststellung der Eignung einer Einrichtung als Lehrbetrieb herangezogen werden oder zu erfüllen sind. Vor allem im Bereich der mobilen Pflege und Betreuung bleibt offen, wie hier eine Umsetzung der vorgegebenen, praktischen Lerninhalte möglich sein kann. Dabei sind die ersten Ausbildungen bereits für Herbst 2023 geplant und die Einrichtungen wissen nicht, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, um sich überhaupt als Lehrbetrieb bewerben zu können“, kritisiert Opriesnig.
Ebenso verweist der Entwurf in Bezug auf Qualitätsanforderungen für Ausbildner:innen und das zahlenmäßige Verhältnis zwischen Lehrlingen und Ausbildner:innen auf noch zu erlassende Verordnungen. Das ÖRK ersucht um genauere Erläuterungen diesbezüglich.

Michael Opriesnig: „Der vorliegende Gesetzesentwurf lässt aus unserer Sicht noch offen, wie die vorgegebenen Lehrpläne für die Pflegeassistenz oder die Pflegefachassistenz konkret in der Praxis umgesetzt werden sollen und lässt die Einrichtungen mit dieser Aufgabe allein. Schließt man die mobile Pflege und Betreuung von der Lehre aus, verliert sie an Attraktivität für Berufseinsteiger:innen und wird gegenüber der stationären Pflege benachteiligt. Dies gilt es tunlichst zu vermeiden und findet sich auch im aktuellen Regierungsprogramm wieder, das der mobilen Pflege ausdrücklich Vorrang vor der stationären Pflege einräumt. Wir wissen, dass immer mehr Menschen in ihren eigenen vier Wänden alt werden wollen.“

Hinzu kommt ein wesentlicher Aspekt: Eine patientennahe und somit praktische Ausbildung ist für die Jugendlichen nämlich erst nach Vollendung des 17. Lebensjahres möglich und wirft die Frage auf, wie unter diesen Rahmenbedingungen eine altersgerechte und attraktive Ausbildung für junge Menschen geschaffen werden kann. 

Kostenfrage ungeklärt

Die Materialien zum Gesetzesentwurf treffen lediglich Aussagen über die geschätzten Kostenfolgen für die öffentliche Hand. Informationen über die geschätzten Kosten für die Ausbildungsstätten und Lehrlinge fehlen. „Wir ersuchen dringend um weitergehende Informationen, mit welchen Kosten die Ausbildungsstätten zu rechnen haben und welche Pläne es für die Finanzierung der Pflegelehre und den damit verbundenen Mehrkosten für Pflegeeinrichtungen und Pflegenden gibt. Wiederholt möchte ich auch darauf aufmerksam machen, dass schon jetzt die Zeit für die praktische Begleitung von Auszubildenden (Praxisanleitung) von der öffentlichen Hand nicht vergütet wird, also die Kosten von den Ausbildungsstellen selbst getragen werden müssen “, so der Rotkreuz-Generalsekretär.

 

Deutscher Pflegerat fordert eigenen Bildungsgipfel für die Pflege- und Gesundheitsfachberufe

Deutscher PflegeratZum Bildungsgipfel 2023 der Bundesregierung weist Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR), hin:

„Bildung ist eines der zentralen Elemente einer guten medizinischen, therapeutischen und pflegerischen Versorgung und deren Sicherung. Der Deutsche Pflegerat fordert daher für die Pflege- und Gesundheitsfachberufe die Einberufung eines eigenen Bildungsgipfels.

Die Bildungsherausforderungen in der Pflege und in der Gesundheitsversorgung sind enorm. In der Langzeitpflege hat Deutschland den niedrigsten Bildungsstandard der Pflegenden in Europa. Die Bildungsstruktur in der Pflege ist trotz eines bundeseinheitlichen Pflegeberufegesetzes für Pflegefachpersonen stark zersplittert. Dies gilt vor allem für die Pflegeassistenzausbildung. Jedes Bundesland hat hier seine eigenen Regelungen. Und dies obwohl der Anteil an Pflegeassistenten in der stationären Langzeitpflege rund 50 Prozent des Pflegepersonals beträgt.

Der Koalitionsvertrag sieht eine Harmonisierung durch ein bundeseinheitliches Berufsgesetz für Pflegeassistenz vor. Dies wird jetzt aber im Referentenentwurf zum Pflegeunterstützungs- und -entlastungsgesetz unterlaufen. Die Sicherstellung der Pflege ist damit gefährdet.

Benötigt werden darüber hinaus verbindliche, bedarfsgerechte Akademisierungsquoten und eine Etablierung von Arbeitsfelddefinitionen und Einsatzgebieten hochschulisch ausgebildeter Pflegefachpersonen.

Eingebunden sein muss dies in ein gestuftes und durchlässiges einheitliches Bildungssystem der gesamten Pflege- und Gesundheitsfachberufe in Deutschland. Bildung kann nur gemeinsam gelingen. Daher benötigen die Pflege- und Gesundheitsfachberufe einen eigenen Bildungsgipfel.“

Ansprechpartnerin:
Christine Vogler
Präsidentin des Deutschen Pflegerats


Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/2023/03/15/deutscher-pflegerat-fordert-eigenen-bildungsgipfel-fuer-die-pflege-und-gesundheitsfachberufe/

 

 

Schweiz: Zunahme der Studienabschlüsse an den Höheren Fachschulen Gesundheit

BGS (Sarnen)(PPS) An den Höheren Fachschulen Gesundheit waren Ende 2022 insgesamt 9 642 Studierende registriert, ein neuer Höchstwert. Zugenommen hat im vergangenen Jahr auch die Zahl der Studienabschlüsse. Die hohen Abschlussquoten sind ein Beleg für die optimale Betreuung der Studierenden. Um dem Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen nachhaltig zu begegnen, ist die Umsetzung der Pflege-Initiative vehement voranzutreiben, betont der Verband Bildungszentren Gesundheit Schweiz.

Der Verband Bildungszentren Schweiz (BGS) erhebt jährlich in der ganzen Schweiz Daten zu Ausbildungen an den Höheren Fachschulen Gesundheit. Die seit Jahren in derselben Form erfassten Kenngrössen Ausbildungsstarts, Anzahl Studierende sowie Abschlüsse bilden gemeinsam einen robusten Indikator zur Beschreibung des aktuellen Zustands des Ausbildungswesens im Bereich der Gesundheitsberufe. Gleichzeitig liefern die Daten indirekt auch wichtige Hinweise betreffend die Entwicklung der Gesundheitsversorgung in der Schweiz.

2022 wurden rund 5 Prozent mehr Studienabschlüsse registriert als im Vorjahr. Im Mittelfristvergleich mit dem Jahr 2019 bedeuten die 3 537 Studienabschlüsse sogar eine Zunahme von knapp 16 Prozent. In Analogie dazu verläuft die Entwicklung bei der Anzahl Studierenden (jeweils per Stichtag 31. Dezember): Ende 2019 waren an den Höheren Fachschulen Gesundheit 9 139 Studierende registriert, Ende 2022 waren es bereits 9 642 Studierende, was einer Zunahme von knapp 6 Prozent entspricht. Bei den Ausbildungsstarts wurde gegenüber der Vorjahresperiode ein geringfügiger Rückgang von 2 Prozent registriert. In der Mittelfristbetrachtung nehmen Ausbildungsstarts hingegen weiterhin kontinuierlich zu: Starteten im Jahr 2019 etwa 3 900 Personen eine Ausbildung an einer Höheren Fachschule Gesundheit, waren es 2022 bereits knapp 4 400 Personen.

Bei zahlreichen Ausbildungen setzen sich die Wachstumstendenzen fort, beispielsweise bei den AIN-Berufen (Anästhesie, Intensiv- und Notfallpflege), bei den dipl. Fachmänner/frauen Operationstechnik HF oder bei den dipl. Dentalhygienikern/innen HF.

Bei den Pflegefachleuten, der grössten Berufsgruppe, wurde der Rekordwert des Vorjahres von 6 066 Studierenden mit 5 935 Studierenden per 31. Dezember 2022 knapp verfehlt. Die Differenz beträgt knapp 2,2 Prozent und liegt damit im erwartbaren Streubereich. Positiv fällt die Bilanz bei den Abschlüssen aus. Diese nehmen weiterhin zu, von 1 964 Abschlüssen im Jahr 2019 zu 2 316 Abschlüssen im Jahr 2022. Im Vorjahresvergleich beträgt die Zunahme gar satte 17 Prozent. Die tiefen Dropout- und die hohen Abschlussquoten sind Belege dafür, dass die Selektionsverfahren wirksam sind und die Betreuung während der Ausbildung ein hohes Niveau aufweist. Gut 95 Prozent der Studierenden, welche die Ausbildung zur dipl. Pflegefachperson HF starten, schliessen sie auch erfolgreich ab.

Die Anzahl Ausbildungsstarts ging 2022 bei den Pflegefachleuten im Vergleich mit dem Vorjahr um rund 9 Prozent zurück. Nach der erfreulichen Zunahme in den vergangenen Jahren ist eine Stagnation festzustellen. «Dank der Annahme der Pflege-Initiative erhalten wir die Möglichkeit, rechtzeitig Gegensteuer geben zu können», führt BGS Präsident Jörg Meyer aus. Im Zuge der Ausbildungsoffensive sollen die Höheren Fachschulen, die Fachhochschulen und die Ausbildungsbetriebe via die Kantone mehr Mittel für die Ausbildung erhalten. «Die Umsetzung der Pflege-Initiative muss rasch vorangetrieben werden», so Jörg Meyer. «Es gilt, den Fokus auf die positiven Aspekte von Ausbildungen im Gesundheitsbereich und auf die hohe Sinnhaftigkeit dieser Berufe zur richten. Wir müssen dafür sorgen, dass die Mittel zielgerecht verwendet werden.»

Die Höheren Fachschulen Gesundheit leisten einen wesentlichen Beitrag zu einer qualitativ hochstehenden Gesundheitsversorgung in der Schweiz. Es braucht weiterhin grosse Investitionen in die Bildung, um dem Fachkräftemangel in den Gesundheitsberufen nachhaltig zu begegnen. Dem Verband Bildungszentren Gesundheit der Schweiz kommt in diesem Prozess eine wichtige Rolle zu. Er setzt sich auf nationaler Ebene für die Interessen seiner 32 Mitglieder auf nationaler Ebene ein und versteht als kompetenter Partner der Kantone insbesondere im Hinblick die Umsetzung der Pflege-Initiative.

Siehe auch

Ausbildungszahlen 2022: https://bgs-ch.ch/de/zahlen

Firmenportrait: 

Der Verband Bildungszentren Gesundheit Schweiz (BGS) vertritt die Interessen seiner 32 Mitglieder auf nationaler Ebene und ist massgeblicher Ansprechpartner und Interessenvertreter für eidgenössische Behörden und Fachgremien in Fragen und Themen der Bildungs- und Gesundheitspolitik und bei Vernehmlassungen. Als Mitglieder willkommen sind alle Bildungsanbieter für Gesundheitsberufe mit einem Diplom der Höheren Fachschule und/oder mit anerkannten Nachdiplomstudiengängen und einem Abschluss der Höheren Berufsbildung.

Kontakt: 

Verband Bildungszentren Gesundheit Schweiz (BGS)
Bahnhofstrasse 2
6060 Sarnen
Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.
041 552 03 21


Zur Pressemitteilung: https://www.presseportal-schweiz.ch/pressemeldungen/zunahme-der-studienabschluesse-den-hoeheren-fachschulen-gesundheit