Die Pflege verzeichnet weiterhin steigendes Interesse: Im Jahr 2025 wurden rund 64.300 neue Ausbildungsverträge zur Pflegefachperson abgeschlossen – ein Plus von acht Prozent bzw. 4.900 Verträgen, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Insgesamt befinden sich damit rund 158.000 Menschen in der Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann. Das sind so viele wie nie zuvor. Zum 31. Dezember 2025 lag zudem die Zahl der Pflegestudierenden bei etwa 1.800, davon rund 800 Neueinsteiger:innen im Jahr 2025. Bezogen auf die Ausbildungszahlen entspricht dies nur etwa 1,2 Prozent eines Jahrgangs.
Mehr Personal, aber steigender Bedarf
Laut Fachkräftemonitoring der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) ist die Zahl der Beschäftigten im Pflegedienst der Krankenhäuser in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen – um rund 90.000 auf knapp 409.000 Vollzeitstellen. Auch im ärztlichen Bereich nahm die Zahl zu, auf über 180.000 (plus 30.000).
Trotz dieser Zuwächse bleibt der Fachkräftemangel groß: Bis 2035 werden allein im Krankenhaus voraussichtlich rund 300.000 Beschäftigte altersbedingt ausscheiden. In der Langzeitpflege wird erwartet, dass bis zu ein Drittel der beruflich Pflegenden in diesem Zeitraum den Beruf verlässt. Hinzu kommt der demografiebedingte Mehrbedarf an pflegerischer Versorgung und der damit verbundene Personalaufbau.
Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, bewertet die steigenden Ausbildungszahlen als wichtigen Fortschritt: „Die Zahlen zeigen, dass die Pflegeausbildung auf dem richtigen Weg ist. Immer mehr Menschen entscheiden sich damit für einen sinnstiftenden Beruf mit vielfältigen Einsatz- und Entwicklungsmöglichkeiten sowie guter Bezahlung. Das ist ein starkes Signal.“
Keine Entwarnung für die Versorgung
Sie betont jedoch: „Das ist keine Entwarnung. Schon heute fehlen Pflegefachpersonen in allen Versorgungsbereichen. Der Personalaufbau im Krankenhaus korrigiert einen lange ignorierten Mangel, während die Langzeitpflege weiter unter hohem Druck steht. Gleichzeitig ist die geringe Zahl der Studierenden in der Pflege besorgniserregend.“
Der Deutsche Pflegerat fordert, die positive Entwicklung gezielt abzusichern. „Die Qualität der Ausbildung, die enge Einbindung in die Praxis und verlässliche berufliche Perspektiven sind entscheidend“, so Vogler. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müssen Ausbildungsplätze weiter ausgebaut, ausreichend Lehrpersonal gewonnen und die Ausbildungsstrukturen an Pflegeschulen und Hochschulen gestärkt werden. Ebenso entscheidend sind gute Arbeitsbedingungen, eine qualifizierte Praxisanleitung und Begleitung der Auszubildenden sowie eine spürbare und praxisnahe Digitalisierung in den Einrichtungen. „Wir dürfen niemanden auf dem Weg verlieren.“
Deutlicher Nachholbedarf bei Pflegestudium
„Dass nur rund 800 Menschen ein Pflegestudium aufnehmen, ist ein klares Warnsignal“, mahnt Vogler. Deutschland bleibt beim Ausbau einer modernen hochschulischen Pflegebildung deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Mit nur rund 1,2 Prozent der neu gestarteten Studierenden des Pflegeausbildungsjahrgangs liegt die Akademisierungsquote weit unter der Empfehlung des Wissenschaftsrats von 10 bis 20 Prozent. Notwendig ist daher ein konsequenter Ausbau der Studienplatzkapazitäten, verlässliche Finanzierungsstrukturen sowie klare Einsatz- und Karriereperspektiven. „Wer die Versorgung von morgen sichern will, muss heute deutlich stärker in die akademische Pflegebildung investieren.“
Personalbemessung weiterentwickeln
Mit Blick auf das Fachkräftemonitoring der DKG weist der Deutsche Pflegerat auf ein zentrales Spannungsfeld hin: Krankenhäuser berichten von bürokratischem Aufwand. „Andererseits kann es nicht sein, ausgerechnet die Instrumente zur Personalbemessung infrage zu stellen. Denn ohne sie wissen wir nicht, wie viel Pflegepersonal benötigt wird.“
Dass viele Kliniken die Instrumente bislang noch nicht als ausreichend wirksam ansehen, verdeutlicht aus Sicht des Deutschen Pflegerats den Weiterentwicklungsbedarf – nicht ihre Entbehrlichkeit. Personalbemessung ist eine wichtige Voraussetzung für Entlastung und Versorgungsqualität, stellt aber keinesfalls ein Hindernis dar. Entscheidend ist, die Instrumente kontinuierlich zu verbessern und zugleich unnötige Bürokratie konsequent abzubauen. „Bürokratieabbau an dieser Stelle wäre Bürokratieabbau an der falschen Stelle.“
Jetzt strukturelle Voraussetzungen schaffen
Der Deutsche Pflegerat sieht in den aktuellen Zahlen eine klare Chance: „Mehr Auszubildende und mehr Pflegepersonal sind ein Fortschritt. Jetzt müssen die strukturellen Voraussetzungen folgen, damit daraus – zusammen mit einer Stärkung des Pflegestudiums – dauerhaft eine stabile Versorgung von Menschen aller Altersgruppen in allen Versorgungsbereichen entsteht.“
Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/mehr-auszubildende-mehr-personal-deutscher-pflegerat-sieht-fortschritt-mahnt-und-fordert-konsequentes-handeln
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Der Ausschuss Fort- und Weiterbildung der Vereinigung der Pflegenden in Bayern (VdPB) setzt sich aus acht engagierten Kolleginnen und Kollegen mit vielfältiger Expertise im Bereich der Pflegefort- und -weiterbildung zusammen. Aktuell ist eine Position im Ausschuss vakant und soll neu besetzt werden.
Mit dem Pflegefachassistenzgesetz (PflFAssG) wird ab dem 1. Januar 2027 erstmals eine bundeseinheitliche, generalistische Ausbildung zur Pflegefachassistenz eingeführt. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) begrüßt ausdrücklich das Ziel, den bisherigen Länder-Flickenteppich zu beenden und die Qualität der Ausbildung zu verbessern. Gleichzeitig warnt der Verband davor, dass der stark verkürzte Qualifizierungsweg von lediglich 320 Stunden faktisch zum Regelpfad werden könnte – mit möglichen Risiken für die Patient:innensicherheit, die Versorgungsqualität und eine zusätzliche Belastung der Pflegefachpersonen.