Die Petition zur Kinderkrankenpflege greift Kernfragen der pflegefachlichen Versorgung auf. Aus Sicht des Deutschen Pflegerats besteht vor allem bei Qualifikationen, organisatorischen Strukturen und den Arbeitsbedingungen ein dringender Handlungsbedarf, um die Versorgung von Kindern nachhaltig und zukunftssicher zu gestalten.
Die Petition „Erhalt des Wahlrechts nach § 59 Pflegeberufegesetz innerhalb der Pflegeausbildung“ wurde von über 40.000 Menschen unterstützt und dem Deutschen Bundestag übergeben. Der Deutsche Pflegerat (DPR) wertet dies als starkes Signal aus der Praxis und teilt das zentrale Ziel, die pflegerische Versorgung von Kindern und Jugendlichen langfristig qualitativ hoch und verlässlich zu gestalten. Nach Ansicht des DPR liegt der Schlüssel für eine zukunftsfähige pädiatrische Versorgung jedoch nicht im Wahlrecht selbst, sondern in der gezielten und vertieften Weiterqualifikation von Pflegefachpersonen – insbesondere durch akademische Bildungsangebote, die speziell auf die Bedürfnisse der Kinder- und Jugendpflege ausgerichtet sind.
„Kinder brauchen Sicherheit in der Versorgung. Diese Sicherheit entsteht durch konsequente politische Umsetzung, klare Qualifikationswege und tragfähige Strukturen“, betont Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats.
Die Petition macht deutlich, dass die pflegerische Versorgung von Kindern besondere Anforderungen stellt und spezifische Fachkompetenzen erfordert. Der DPR bestätigt diese Einschätzung: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Pädiatrische Pflege umfasst nicht nur hochspezialisierte pflegerische Maßnahmen, sondern auch intensive Zusammenarbeit mit Eltern und die Berücksichtigung oft komplexer Familiensysteme. Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, bedarf es neben einer soliden grundständigen Ausbildung auch spezialisierter Fachkompetenz und verlässlicher Rahmenbedingungen.
Der Deutsche Pflegerat warnt davor, die Debatte auf eine pauschale Schuldzuweisung an die generalistische Pflegeausbildung zu verkürzen. „Die Herausforderungen in der Kinderkrankenpflege lassen sich nicht allein durch Ausbildungsfragen erklären. Entscheidend ist, ob wir attraktive, fachlich anspruchsvolle und gut gestaltete Arbeitsfelder schaffen – und ob Pflegefachpersonen dort echte Entwicklungsperspektiven haben“, so Vogler.
Aus Sicht des DPR ist jetzt der Zeitpunkt, die Pflege umfassend zukunftsfest weiterzuentwickeln. Dazu gehören:
- der zügige Aufbau erweiterter Rollen wie Advanced Practice Nurses, School Health Nurses und Community Health Nurses sowie weiterer spezialisierter akademischer Qualifikationen,
- der konsequente Ausbau von Masterstudiengängen und eine bundesweite Bildungsoffensive für die Pflege,
- die Zusammenarbeit der Pflegeprofession mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss an qualitätssichernden Versorgungsstrukturen, auch in der pädiatrischen Versorgung,
- der Erhalt der Leistungsgruppen „Spezielle Kinder- und Jugendmedizin“ und „Spezielle Kinder- und Jugendchirurgie“,
- sowie die fachliche Anerkennung der Pflegefachpersonen, die in der Kinderkrankenpflege tätig sind und dort die Versorgung tragen.
„Wenn Pflegefachpersonen die Kinderkrankenpflege verlassen, dann nicht, weil das Arbeitsfeld weniger wertvoll ist – sondern weil Bedingungen, Rollenbilder und ärztlich geprägte Strukturen häufig nicht mit der hohen fachlichen Verantwortung der Pflege und der notwendigen Weiterentwicklung pflegerischer Kompetenzen Schritt halten“, so Vogler weiter. Gerade in der pädiatrischen Versorgung müsse deshalb kritisch hinterfragt werden, wie die Zusammenarbeit der Gesundheitsfachberufe, Entscheidungsbefugnisse, berufliche Perspektiven und auch die Ausgestaltung der Elternarbeit geregelt sind. „Es geht um ein grundlegendes und neues Verständnis professioneller Handlungskompetenz.“
Der Deutsche Pflegerat sieht in der Petition einen klaren Handlungsauftrag an die Politik: Es gilt jetzt, die Versorgung von Kindern und Jugendlichen nachhaltig zu sichern. Entscheidend sind dabei qualifizierte Pflegefachpersonen, transparente Strukturen und eine pflegerische Praxis, deren fachliche Kompetenz anerkannt, unterstützt und gezielt gestärkt wird.
Zur Pressemitteilung: https://deutscher-pflegerat.de/profession-staerken/pressemitteilungen/kinder-brauchen-sicherheit-in-der-versorgung--pflege-jetzt-zukunftsfest-weiterentwickeln
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Nach der öffentlichen Anhörung im Bildungsausschuss des Deutschen Bundestags am 6. Oktober 2025 zieht der Deutsche Pflegerat (DPR) folgendes Fazit: Die bundeseinheitliche Einführung der Pflegefachassistenzausbildung stelle einen wichtigen Schritt dar, um Qualität, Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit in der Pflegebildung zu gewährleisten. Dabei sei entscheidend, dass das erforderliche Qualifikationsniveau nicht unterschritten wird.
Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest zeigte sich überrascht über die jüngsten Aussagen des niedersächsischen Gesundheitsministers Dr. Andreas Philippi (SPD), wonach die generalistische Pflegeausbildung grundsätzlich „überdacht und angepasst“ werden müsse. Dr. Martin Dichter, Vorsitzender des DBfK Nordwest, machte deutlich: „Die Generalistische Pflegeausbildung ist ein Erfolg. Dies unterstreichen die aktuellen Ausbildungszahlen.“