Bundesministerium für Gesundheit: Reform der Pflegeausbildung – Studierende sollen künftig Vergütung erhalten

pflegestudium soll in deutschland vergütet werdenDas Bundeskabinett hat gestern den Entwurf eines Gesetzes zur Stärkung der hochschulischen Pflegeausbildung und zu Erleichterungen bei der Anerkennung ausländischer Abschlüsse in der Pflege beschlossen. Danach sollen Studierende in der Pflege zukünftig für die gesamte Dauer ihres Studiums eine angemessene Vergütung erhalten. Zudem werden Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegefachkräfte vereinheitlicht und vereinfacht.

„Um mehr junge Menschen wieder für den Pflegeberuf zu begeistern, brauchen diese nicht nur gute Arbeits- sondern auch gute Ausbildungsbedingungen. Die hochschulische Pflegeausbildung spielt eine wichtige Rolle für die Weiterentwicklung und Aufwertung der Pflegeberufe. Studierende sollten aber auch den finanziellen Freiraum haben, um sich ganz auf das Studium konzentrieren zu können und nicht noch nebenbei arbeiten zu müssen. Daher sollen die Studierenden in der Pflege für die gesamte Dauer ihres Studiums eine angemessene Vergütung erhalten.“

Bundesgesundheitsminister Prof. Karl Lauterbach

„An der Hochschule ausgebildetes Pflegefachpersonal stärkt die Qualität in der Pflege. Allerdings nehmen derzeit nur wenige Studierende ein Pflegestudium auf, jeder zweite Studienplatz bleibt unbesetzt. Mit dem Pflegestudiumstärkungsgesetz wollen wir das ändern. Wir machen das Pflegestudium attraktiver, denn die Studierenden sollen zukünftig für die gesamte Dauer des Studiums eine Vergütung erhalten. Zudem profitieren die Ausbildungseinrichtungen: Auch ihre Kosten werden – wie bei der beruflichen Ausbildung – über Ausbildungsfonds zurückerstattet. So fördern wir die Bereitschaft der Einrichtungen, mehr Studierende auszubilden.“

Bundesfamilienministerin Lisa Paus

 

Der Entwurf sieht im Einzelnen folgende Regelungen vor: 

  • Studierende in der Pflege erhalten für die gesamte Dauer ihres Studiums eine angemessene Vergütung. Mit Übergangsvorschriften soll zugleich sichergestellt werden, dass diejenigen, die auf Grundlage der bisherigen Regelungen eine hochschulische Pflegeausbildung begonnen haben, für die verbleibende Studienzeit ebenfalls eine Ausbildungsvergütung erhalten, ohne dass ihr Studium neu organisiert werden muss.
  • Die Finanzierung des praktischen Teils der hochschulischen Pflegeausbildung soll in das bestehende Finanzierungssystem der beruflichen Pflegeausbildung integriert werden. Dabei wird die hochschulische Pflegeausbildung als duales Studium ausgestaltet und künftig auch ein Ausbildungsvertrag vorgesehen.
  • Digitalisierung, gendermedizinische Aspekte und die Möglichkeit von Auslandsaufenthalten sollen in der Pflegeausbildung stärker berücksichtigt werden.
  • Anerkennungsverfahren für ausländische Pflegefachkräfte werden vereinheitlicht und vereinfacht, insbesondere durch bundesrechtliche Regelung des Umfangs und der erforderlichen Form der vorzulegenden Unterlagen. Zudem soll die Möglichkeit geschaffen werden, auf eine umfassende Gleichwertigkeitsprüfung, zugunsten einer Kenntnisprüfung oder eines Anpassungslehrgangs, zu verzichten.
  • Daneben werden die rechtlichen Rahmenbedingungen der beruflichen Pflegeausbildung weiter verbessert und an aktuelle Entwicklungen, z.B. im Bereich der Digitalisierung, angepasst.

Neben den bisherigen Berufsbezeichnungen „Pflegefachfrau“ bzw. „Pflegefachmann“ kann zukünftig eine geschlechtsneutrale Berufsbezeichnung „Pflegefachperson“ gewählt werden. Dies gilt entsprechend für Personen, die bereits über eine Erlaubnis zum Führen der Berufsbezeichnung verfügen.


Zur Pressemitteilung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/reform-der-pflegeausbildung-kabinett.html

Foto: amazing studio – stock.adobe.com

 

 

 

Der Klimawandel wird Thema im Pflegestudium – HSBI unterschreibt Selbstverpflichtung

klimawandel pflegestudiumWas können Pflegende tun, um negative Auswirkungen des Klimawandels auf Patientinnen und Patienten zu minimieren? Wie lässt sich Pflege ressourcenschonend organisieren? Das sind zwei Kernfragen, die im Pflegestudium an der Hochschule Bielefeld (HSBI) künftig thematisiert werden. Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, unter anderem HSBI-Vizepräsidentin für Nachhaltigkeit, hat deswegen ein entsprechendes „Nursing School Commitment“ unterschrieben.

Bielefeld (hsbi). Auch in gemäßigten Breiten werden Anzahl, Dauer und Heftigkeit sommerlicher Hitzewellen in Zukunft deutlich ansteigen. Darin ist sich die Mehrzahl der Expertinnen und Experten weltweit einig. Als Hauptursache wird der vom Menschen verursachte Treibhauseffekt gesehen. „Die Zunahme der Hitzewellen zieht eine ganze Reihe von Problemen nach sich“, erläutert Prof. Dr. Natalie Bartholomäus, Vizepräsidentin für Nachhaltigkeit und Human Resource Management an der Hochschule Bielefeld (HSBI). „Man denkt in diesem Zusammenhang hierzulande vermutlich zunächst an die Landwirtschaft, die unter der Trockenheit leidet. Aber auch im Gesundheitsbereich stehen wir vor neuen Herausforderungen, denen wir als 
eine Hochschule, an der man Pflege studieren kann, aktiv begegnen wollen.“

HSBI erst dritte Hochschule in Deutschland, die die Selbstverpflichtung unterschrieben hat

Tatsächlich steigen die Sterberaten von älteren, chronisch kranken und pflegebedürftigen Menschen an, wenn die Temperaturen über einen längeren Zeitraum auf über 30 Grad Celsius klettern. Es kommt zu einer Zunahme an Herzinfarkten, Nierenversagen oder Atemwegserkrankungen, weil die Hitze den Organismus der geschwächten Menschen extrem strapaziert. Durch gezielte pflegerische Maßnahmen kann diesen Risiken begegnet werden. Das Thema Hitze ist allerdings nur ein Beispiel für Herausforderungen, die eine zukunftsfähiges Pflegestudium in den Blick nehmen muss. Aus diesem Grund hat die HSBI-Vizepräsidentin gemeinsam mit Vertreterinnen des Fachbereichs Gesundheit nun ein „Nursing School Commitment“ unterschrieben mit dem Ziel, die entsprechenden Themen in das Studium zu integrieren. Bartholomäus: „Die Unterzeichnung der Selbstverpflichtung ist eine Konsequenz unserer Nachhaltigkeitsstrategie, die darauf abzielt, in allen Bereichen der HSBI Nachhaltigkeitsziele zu definieren und die dazugehörigen Maßnahmen einzuleiten.“ In Deutschland haben bislang nur die Hochschule Esslingen und die Universität Tübingen das entsprechende „Nursing School Commitment“ unterschrieben. 

Durch die Unterzeichnung verpflichtet sich die HSBI, Inhalte zu Klimawandel, planetarer Gesundheit und Pflege in die Curricula der Pflegestudiengänge einzubinden. Derartige Inhalte werden nun im Projekt „Planetary Health and Nursing“ (PHN) entwickelt. Das Ziel ist die Schaffung von innovativen Lehr- und Lernkonzepten für Pflegestudiengänge auf Bachelor- und Masterebene zum Zusammenhang von Klimawandel, Gesundheit und Pflege. Die Leitung des Projekts haben Prodekanin Prof. Dr. Änne-Dörthe Latteck und Prof. Dr. Christa Büker vom Fachbereich Gesundheit der HSBI übernommen. „Pflegefachpersonen müssen über Wissen und Handlungskompetenzen verfügen, um Patientinnen und Patienten durch geeignete Interventionen vor den Auswirkungen des Klimawandels zu schützen“, erläutert Büker. „Ferner sollten sie in der Lage sein, sich in Krankenhäusern oder Pflegeheimen an der Entwicklung von Klimaschutzzielen auf institutioneller Ebene zu beteiligen, zum Beispiel in Bezug auf Maßnahmen zur Abfallreduzierung, zur klimafreundlichen Ernährung oder bei Fragen zu den baulichen Gegebenheiten. Auf diese Weise kann die professionelle Pflege als Motor der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitsbereich fungieren.“

„Nursing Climate Challenge“: Weltweite Kampagne der Initiative „Health Care without Harm“

Die Unterzeichnung der Selbstverpflichtung findet vor dem Hintergrund der weltweit laufenden Kampagne „Nursing Climate Challenge“ statt, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Auswirkungen des Klimawandels auf die zeitgemäße Gestaltung der Pflegeausbildung länderübergreifend in den Fokus zu rücken. Die Kampagne wurde ins Leben gerufen durch „Health Care without Harm“, eine europaweite Initiative, die sich dafür einsetzt, den ökologischen Fußabdruck im Gesundheitssektor zu verringern. Mit Tibo Uyttersprot aus Belgien war ein Vertreter von „Health Care without Harm“ bei der Unterzeichnung an der HSBI vor Ort. Zuvor hatte Uyttersprot die Gelegenheit genutzt, im Rahmen der International Week der HSBI einen Gastvortrag zu halten über die Inhalte der Kampagne.


Zur Pressemitteilung: https://www.hsbi.de/presse/pressemitteilungen/der-klimawandel-wird-thema-im-pflegestudium-hsbi-unterschreibt-selbstverpflichtung

Foto: Müllvermeidung, Recycling und ressourcenschonende Prozesse sind auch im Gesundheitsbereich ein wichtiges Thema. (c) K. Starodubskij/HSBI

 

 

 

Erste akademische Lehrpflegeeinrichtungen bundesweit

20230403 TCALL2Erstmals bundesweit wird es in Bremen akademische Lehrpflegeeinrichtungen in der Langzeitpflege geben. Zum Auftakt eines Pilotprojektes hat Sozialsenatorin Anja Stahmann am  Montag, den 3. April 2023, in der Oberen Rathaushalle Vertreterinnen und Vertreter von drei beteiligten Altenpflegeeinrichtungen sowie des wissenschaftlichen Projektteams empfangen.

"Das Projekt wird nachhaltig bessere Bedingungen für die Pflege entwickeln", sagte Senatorin Stahmann zum Auftakt. "Das bedeutet: bessere Bedingungen für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen, aber auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter." Gegenstand des Projektes TCALL (Transfercluster akademischer Lehrpflegeeinrichtungen in der Langezeitpflege) seien "technische, digitale sowie strukturelle und prozesssteuernde Innovationen", sagte die Senatorin. Bremen werde damit "zu einem Entwicklungszentrum für die Pflege in der gesamten Bundesrepublik". Trotz der aktuell schwierigen Situation in der Pflege allgemein erweise sich Bremen damit im Bereich der Pflegeforschung und der Umsetzung von Forschung in die Praxis als einer der leistungsstärksten Standorte in Deutschland. Eine Öffnungsklausel im Bremischen Wohn- und Betreuungsrecht ermögliche es, Innovationen aus dem Projekt unmittelbar in der Praxis umzusetzen, sagte Senatorin Stahmann weiter. "In der Praxis können und müssen sich die Neuerungen bewähren, bevor sie bundesweit Verbreitung finden. Dazu ist die enge Zusammenarbeit zwischen Praxis, Forschung, Lehre und Ausbildung von ganz zentraler Bedeutung." 

"Ziel des Bremer Senats ist es, die Gesundheitsversorgung im Land Bremen für alle zu verbessern", sagte Tim Cordßen-Ryglewski, Staatsrat bei der Senatorin für Wissenschaft und Häfen. "Wir haben mit unserer exzellenten Gesundheitsforschung, einer zentralen Säule unseres Wissenschaftsstandorts, eine wesentliche Voraussetzung dafür. Mit einem großen und einmaligen Forschungsprojekt wie 'TCALL' mehr denn je. 'TCALL' hat durch seine Förderdauer von neun Jahren und mit einem Budget von 16 Millionen Euro das Potential, Schritt für Schritt zu einer wirklich hochwertigen Pflegeversorgung beizutragen. Neu dabei ist auch, dass wir in diesem Projekt Forschung, Lehre und Praxis so eng miteinander verknüpfen, dass daraus nachhaltige Transferstrukturen entstehen. Davon profitieren alle Beteiligten, die Pflegebedürftigen genauso wie das Pflegepersonal."

Das Bundesministerium für Forschung und Bildung fördert das Projekt über die gesamte neunjährige Laufzeit mit insgesamt 16 Millionen Euro. Koordiniert wird es von Prof. Dr. Heinz Rothgang, der im SOCIUM an der Universität Bremen die Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung leitet. Ziel des Projektes ist es, neue Entwicklungen in der Pflege zu testen, zu bewerten und deren Einführung bundesweit zu fördern. Operativer Projektstart wird im Sommer sein, derzeit laufen die Vorbereitungen. 

Bei dem Senatsempfang zum Auftakt sind die Projektpartner sowie Akteure aus dem Pflegesektor und der Politik zusammengekommen, darunter auch rund 40 Mitarbeitende aus den drei beteiligten Pflegeeinrichtungen von Caritas und Johannitern. 
Das Projekt vereint die Expertise unterschiedlicher Akteure im Pflegesektor des Landes Bremen. Als wissenschaftliche Projektpartner ist neben dem SOCIUM von der Universität Bremen auch das Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP) sowie das Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) eingebunden. Die Hochschule Bremen ist mit dem Zentrum für Pflegeforschung und Beratung beteiligt. 

Am Projekt TCALL sind beteiligt:  

  • Prof. Dr. Heinz Rothgang (SOCIUM)
  • Prof. Dr. Karin Wolf-Ostermann und Prof. Dr. Ingrid Darmann-Finck aus dem Institut für Public Health und Pflegeforschung (IPP)
  • Prof. Dr. Karsten Wolf aus dem Zentrum für Medien-, Kommunikations- und Informationsforschung (ZeMKI) von der Universität Bremen
  • Prof. Dr. Claudia Stolle, Zentrum für Pflegeforschung und Beratung von der Hochschule Bremen
  • Prof. Dr. Matthias Zündel vom Integrierten Gesundheitscampus Bremen (IGB),
  • das Bremer Zentrum für Pflegebildung
  • als Praxispartner das Johanniterhaus Bremen und zwei Einrichtungen des Caritasverbands Bremen

Zur Pressemitteilung: https://www.senatspressestelle.bremen.de/pressemitteilungen/erste-akademische-lehrpflegeeinrichtungen-bundesweit-421494

Foto: Die Beteiligten des Projektes (von links): Prof. Dr. Matthias Zündel (Koordinator Integrierter Gesundheitscampus Bremen), Staatsrat Tim Cordßen-Ryglewski, Prof. Dr.-Ing. Maren Petersen (Konrektorin für Lehre und Studium Uni Bremen), Dr. Sabina Schoefer (Konrektorin für Digitalisierung, Hochschule Bremen), Prof. Dr. Heinz Rothgang (SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik). Foto: Senatspressestelle