Der Deutsche Bundestag hat am 9. Oktober 2025 das Gesetz zur Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung verabschiedet. Den Entwurf hatten Bundesfamilienministerin Karin Prien und Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ins Kabinett eingebracht. Die einheitliche Pflegefachassistenzausbildung stellt einen wichtigen Baustein zur Modernisierung der Pflege und zur Sicherung des Personalbedarfs in Deutschland dar.

Das Pflegefachassistenzeinführungsgesetz etabliert ein einheitliches, bundesweites Berufsprofil für die Pflegefachassistenz. Dadurch wird es künftig einfacher, mit dieser Qualifikation in ein anderes Bundesland zu wechseln. Die neue Ausbildung löst die bisher getrennten 27 landesrechtlichen Pflegehilfe- und Pflegeassistenzausbildungen ab und vereinheitlicht sie. Auch die Anerkennung von ausländischen Berufsabschlüssen wird durch diese Regelung erleichtert.

„In einer älter werdenden Gesellschaft brauchen wir ein breites Spektrum an beruflichen Qualifikationen und klaren beruflichen Perspektiven, um die Pflege auch in Zukunft zu sichern. Mit dem heute verabschiedeten Gesetz schaffen wir die Grundlage für eine bundeseinheitliche Ausbildung zur Pflegefachassistenz und sorgen bereits in der Ausbildung für eine angemessene Vergütung. Die Ausbildung eröffnet neue Karrierewege in der Pflege. Gemeinsam wollen wir so mehr Menschen für diesen Beruf begeistern.“ , berichtet Bundesgesundheitsministerin Nina Warken.

Bundesfamilienministerin Karin Prien sagt: „Es ist ein wichtiges Zeichen, dass der Bundestag heute in einem sehr zügigen Verfahren über dieses Gesetz entschieden hat und damit dem Wunsch von Ländern und professionell Pflegenden nach einem schnellen Inkrafttreten der bundesgesetzlichen Regelung Rechnung trägt. Die Sicherung guter Pflege ist eine der großen gesellschaftlichen Aufgaben unserer Zeit. Das Pflegefachassistenzgesetz leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Die neue Ausbildung ist modern, vergütet und bietet vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Sie steht dabei auch Menschen ohne Schulabschluss offen. Das schafft Bildungschancen und erschließt neue Ausbildungspotentiale.“

Die wichtigsten Regelungen 

  • Einheitliche Ausbildung: Die neue bundesweite Pflegefachassistenzausbildung ersetzt die bisherigen 27 unterschiedlichen Landesregelungen
  • Einblicke: Die Ausbildung ist generalistisch ausgerichtet und umfasst Pflichteinsätze in den zentralen Versorgungsbereichen stationäre Langzeitpflege, ambulante Langzeitpflege sowie stationäre Akutpflege
  • Start der Ausbildung: Ab 1. Januar 2027
  • Dauer: In der Regel 18 Monate in Vollzeit. Teilzeit und Verkürzungen sind möglich, insbesondere bei einschlägiger Berufserfahrung
  • Zugang: In der Regel mit Hauptschulabschluss, aber auch ohne formalen Abschluss bei positiver Prognose der Pflegeschule möglich
  • Vergütung: Alle Auszubildenden erhalten künftig eine angemessene Ausbildungsvergütung
  • Aufstiegsmöglichkeiten: Anschlussfähigkeit an die Ausbildung zur Pflegefachperson (auch verkürzt möglich) mit anschließender Möglichkeit zum Pflegestudium
  • Anerkennung ausländischer Abschlüsse: Einheitliche Regelung mit Kenntnisprüfung oder Anpassungslehrgang statt umfassender Gleichwertigkeitsprüfung

Für einen Ausbildungsstart 2027 muss das Finanzierungsverfahren 2026 beginnen. Das Gesetz bedarf der Zustimmung durch den Bundesrat.


Zur Pressemitteilung: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/bundestag-verabschiedet-gesetz-zur-einfuehrung-eines-neuen-berufsbildes-pflegefachassistenz-pm-09-10-2025.html

Foto: stock.adobe.com - amorn

Neue Fortbildungsreihe am UK Erlangen stärkt Pflegefachpersonen und MFAs in der Pädiatrie

Um Nachwuchskräfte in der Kinder- und Jugendmedizin gezielt zu fördern und ihnen Sicherheit im Arbeitsalltag zu geben, hat die Kinderklinik des Uniklinikums Erlangen eine neue, praxisnahe Fortbildungsreihe ins Leben gerufen. Das Angebot richtet sich an neue Medizinische Fachangestellte (MFA) sowie Pflegefachpersonen mit Schwerpunkt pädiatrische Versorgung und vermittelt umfassende Einblicke in die Besonderheiten der Kinderkrankenpflege.

„Bisher fehlte mir die Sicherheit, doch nun fühle ich mich bestens vorbereitet – auch für bislang unbekannte Herausforderungen“, berichtet Angelina K., MFA in der Hochschulambulanz der Klinik, über ihre Erfahrungen mit der neuen Fortbildung.

Ein Angebot, das gezielt Lücken schließt

Initiiert wurde die Reihe von Pflegedienstleitung Helga Bieberstein gemeinsam mit Susan Fiedler, stellvertretende Stationsleitung der Neonatologie 2, und Marion Koch, zentrale Praxisanleiterin der Kinderklinik. „Wir mussten leider feststellen, dass in der generalistischen Pflegeausbildung, wie sie seit 2020 besteht, die Kinderkrankenpflege oft viel zu kurz kommt“, erklärt Helga Bieberstein. „Auch wenn die Auszubildenden die obligatorische Stundenzahl in der Pädiatrie erfüllen, fehlen ihnen häufig Praxiserfahrung, wichtige Einblicke und Sicherheit im Umgang mit den speziellen Bedürfnissen von kranken Kindern und Jugendlichen. Diese Lücke wollen wir füllen und unsere Kolleginnen und Kollegen beim Start in ihr Berufsleben noch besser unterstützen.“

Die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer – 19 Pflegefachpersonen und vier MFAs – haben die Fortbildungsreihe bereits erfolgreich abgeschlossen und sind begeistert. Die verpflichtende Teilnahme ermöglicht es neuen Kolleginnen und Kollegen, ihr Wissen gezielt zu vertiefen und praxisnah zu erweitern.

Praxisnahe Schulung in kleinen Gruppen

Die Fortbildung erstreckt sich über sechs Termine innerhalb eines halben Jahres, an denen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Dienst freigestellt sind. Unter Anleitung erfahrener Kolleginnen und Kollegen üben sie unter anderem Liquor- und Lymphdrainage, Inhalationstechniken, unterschiedliche Untersuchungsmethoden sowie Verbandswechsel bei Kindern und Jugendlichen. „Natürlich haben wir das in der Ausbildung schon mal theoretisch gelernt und praktisch das eine oder andere Mal selbst gemacht“, sagt Paula S., seit einem Jahr Pflegefachfrau auf Station 3C der Kinderklinik, „aber Wiederholungen festigen das Wissen.“ Außerdem lerne sie die Kolleginnen und Kollegen, denen sie in der Kinderklinik regelmäßig begegnet und mit denen sie vielleicht einmal zusammenarbeitet, besser kennen. „Wir erhalten wertvolle Einblicke in die Fachbereiche, in Stationen und Teams“, ergänzt Paula S. „Da eröffnen sich auch neue Perspektiven. Wir möchten uns ja noch weiterentwickeln.“

Besonders wichtig war dem Organisationsteam, die Schulung praxisnah zu gestalten und die Zusammenarbeit über Fachbereichsgrenzen hinweg zu fördern. So arbeiten Physiotherapie, Diabetologie, Neuropädiatrie, Wundmanagement und Palliativmedizin eng zusammen, um ihr Wissen in die Fortbildung einzubringen.

Über den Tellerrand hinausblicken

Die Fortbildung bietet den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Gelegenheit, andere Stationen und Teams kennenzulernen und die gesamte Bandbreite pädiatrischer Erkrankungen – auch seltene Krankheitsbilder – zu erleben.  „Dank der Fortbildungsreihe konnte ich über den Tellerrand meines Arbeitsplatzes in der Hochschulambulanz hinausblicken und weiß nun, wie es für meine Patientinnen und Patienten auf den Stationen weitergeht. Dementsprechend kann ich sie und ihre Eltern auch besser darauf vorbereiten.“, hebt MFA Angelina K. hervor.

Auch für die Pflegefachkräfte ist der Gewinn deutlich spürbar: Sie fühlen sich sicherer bei der Entlassungsvorbereitung und in der Nachsorge. „Eines unserer Ziele ist, den vorwiegend jungen Kolleginnen und Kollegen die Angst zu nehmen“, erklärt Praxisanleiterin Marion Koch. Die kleinen Gruppen von 20 bis 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern erlauben eine individuelle Förderung und intensive Betreuung. „Aktuell arbeite ich auf einer allgemein-pädiatrischen Station“, erläutert Pia W. „Auf anderen Stationen werden Patientinnen und Patienten mit ganz anderen Krankheitsbildern behandelt.“ So lernen die Pflegefachpersonen und MFAs unabhängig von ihrem aktuellen Arbeitsort die ganze Bandbreite der pädiatrischen Erkrankungen kennen – auch sehr seltene Erkrankungen oder solche mit besonders hohem Pflegeaufwand.

Die Fortbildungsreihe am Uniklinikum Erlangen ist ein Beispiel dafür, wie gezielte Schulung und enge kollegiale Zusammenarbeit die Qualität der Kinder- und Jugendmedizin langfristig sichern und junge Fachkräfte stärken können.


Zur Pressemitteilung: https://www.uk-erlangen.de/presse/pressemitteilungen/ansicht/detail/kompetenzen-aufbauen-unsicherheiten-abbauen/

Foto: Bei der neuen Fortbildungsreihe werden reale Pflegesituationen nachgestellt. Ohne Zeitdruck und in einem geschützten Rahmen können die neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Pflegetechniken üben und Fragen stellen. Praxisanleiterin Marion Koch (l.) und Pflegedienstleitung Helga Bieberstein (r.) geben ihr Wissen, ihre Tipps und Tricks gerne an die Pflegefachfrauen Pia W. (2. v. l.) und Paula S. weiter. (c) Michael Rabenstein/Uniklinikum Erlangen

Das 2018 in Bayern gestartete Programm „Mentoren für Pflege“ (MfP) hat sich in den vergangenen fünf Jahren zu einer zentralen Unterstützungsmöglichkeit für junge Pflegekräfte entwickelt. Darauf wies Bayerns Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach Mitte September hin. Die Ministerin betonte: „Unser Ziel ist es, mehr Menschen für den Pflegeberuf zu gewinnen und während ihrer Ausbildung mit Rat und Tat zu unterstützen. Die ‚Mentoren für Pflege‘ sind auf großes Interesse gestoßen: Seit dem 20. September 2020 wurden knapp 700 Auszubildende erreicht.“

Gerlach betonte, dass das Angebot einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung im Pflegebereich leiste. Neben der individuellen Beratung durch Mentorinnen und Mentoren stünden auch praxisnahe Workshops auf dem Programm. Dabei gehe es „zum Beispiel um Feedback-Kultur und die Debatte um Gewalt in der Pflege“.

Die Ministerin erläuterte, dass man mit den „Mentoren für die Pflege“ auch das Ziel verfolge, vermeidbare Ausbildungsabbrüche zu verringern. „Denn wir brauchen unsere Fachkräfte in der Pflege – und müssen frühzeitig ansetzen, um zu unterstützen und herauszufinden, wieso über den Abbruch einer Ausbildung nachgedacht wird“, erklärte Gerlach. Sie wies darauf hin, dass nun die Ergebnisse der „ChanGePflege“-Studie (Chancen Generalistik Pflege) des Landesamts für Pflege vorliegen. Daran hätten insgesamt mehr als 1.400 Auszubildende, 1.200 Praxisanleitende sowie 300 Pflegepädagoginnen und Pflegepädagogen teilgenommen.

Gerlach fügte hinzu, dass Ausbildungsabbrüche durch viele Faktoren beeinflusst werden können. Bei der Studie seien die Auszubildenden nach potentiellen Ausbildungsabbrüchen befragt worden. „Für 60 Prozent der befragten Auszubildenden stellt die ‚hohe Arbeitslast‘ eher einen Grund für einen möglichen Ausbildungsabbruch dar. Knapp 50 Prozent bestätigten ‚körperliche Probleme‘ und ‚seelische Probleme‘ sowie mangelnde Wertschätzung in der Praxis.“

Der Präsident des Bayerischen Landesamts für Pflege, Bernhard Scheibl, sagte: „Die individuellen Anfragen, die unsere ‚Mentoren für Pflege‘ erreichen, zeichnen sich durch eine hohe Vielfalt an Unterstützungsbedarfen aus. Sie reichen von Nachfragen zur Teilzeitausbildung bis hin zum Wunsch überfordernde Erlebnisse in der Praxis oder Mobbingfälle zu besprechen. Wir arbeiten zudem daran, die Vernetzung mit anderen Beratungsangeboten stetig auszubauen, um den Auszubildenden bestmögliche und passgenaue Beratungen anbieten zu können und Doppelstrukturen zu vermeiden.“


Zur Pressemitteilung: https://www.lfp.bayern.de/pressemitteilung_5-jahre-mentoren-fuer-pflege_stmgp/

Foto: stock.adobe.com - Valerii Honcharuk