Studierende stehen zunehmend unter psychischer Belastung, zugleich steigt die Zahl von Depressions- und Angsterkrankungen. Mit dem Verbundprojekt „PsychKOMPASS“ werden psychosoziale Beratungsangebote an Hochschulen und Studierendenwerken in Deutschland nun erstmals systematisch erfasst und analysiert. Geleitet wird das auf drei Jahre angelegte Vorhaben an der Universität Duisburg-Essen von Prof. Dr. Jürgen Wasem und Dr. Carina Abels vom Lehrstuhl für Medizinmanagement.

Ausgangspunkt des Projekts ist eine Versorgungslücke auf der Ebene der Daten: Obwohl der Bedarf an psychosozialer Unterstützung wächst, fehlt bislang ein systematischer Überblick über bestehende Beratungsangebote an Hochschulen und Studierendenwerken. Genau hier setzt „PsychKOMPASS“ an. Beteiligt sind neben dem Lehrstuhl für Medizinmanagement die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der LVR-Universitätsklinik Essen an der Universität Duisburg-Essen sowie das CHE Centrum für Hochschulentwicklung. Unterstützt wird das Vorhaben zudem von mehreren bundesweit tätigen Vereinen.

Im Rahmen eines Mixed-Methods-Ansatzes untersucht das Projekt bundesweit die vorhandenen Strukturen, Inhalte und Zugangswege psychosozialer Beratungsangebote. Parallel dazu werden in Fokusgruppen die Bedarfe von Studierenden erhoben, insbesondere auch die von vulnerablen Gruppen, etwa von Studierenden mit Behinderung. Auf dieser Grundlage sollen im nächsten Schritt Hürden identifiziert werden, die einer Inanspruchnahme der Angebote entgegenstehen könnten.

Ziel des Projekts ist es, aus den gewonnenen Erkenntnissen praxisnahe Handlungsempfehlungen abzuleiten, um psychosoziale Beratungsangebote an Hochschulen und Studierendenwerken weiterzuentwickeln und besser an den tatsächlichen Bedarf anzupassen.

Gefördert wird „PsychKOMPASS“ durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Nach Projektabschluss sollen die Ergebnisse Hochschulen, Studierendenwerken, Studierenden sowie politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern in Form einer Open-Access-Publikation zur Verfügung gestellt werden. Das Projekt will damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung der psychosozialen Versorgung von Studierenden in Deutschland leisten.


Zur Pressemitteilung: https://www.uni-due.de/2026-05-11-psychkompass-untersucht-psychische-hilfsangebote-von-hochschulen 

Foto: Gruppenbild der Projektbeteiligten von "PsychKOMPASS" Copyright: UDE/Medizinmanagement

Pflege ist eine tragende Säule des Gesundheitssystems. Wie gut Patientinnen und Patienten versorgt werden, hängt dabei auch vom Qualifikationsmix in den Pflegeteams ab. Die IU Internationale Hochschule verweist zum Internationalen Tag der Pflege am 12. Mai auf Studien, die zeigen: Ein höherer Anteil akademisch qualifizierter Pflegekräfte kann die Sterblichkeit senken. Deutschland liegt bei der Akademisierung der Pflege im europäischen Vergleich jedoch weiterhin zurück.

Im Mittelpunkt steht dabei die europäische Pflegestudie RN4CAST. Die Auswertung von Daten aus 300 Krankenhäusern in neun Ländern kommt zu dem Ergebnis, dass die 30-Tage-Sterblichkeit chirurgischer Patient:innen sinkt, wenn der Anteil von Pflegekräften mit Hochschulabschluss steigt. Laut IU zeigen die Daten, dass bereits eine Erhöhung des Anteils akademisch qualifizierter Pflegekräfte um zehn Prozentpunkte mit einer um sieben Prozent niedrigeren Sterblichkeit verbunden ist. Besonders deutlich werde der Zusammenhang im Vergleich unterschiedlicher Personalschlüssel und Qualifikationsmixe. Auch eine Folgestudie bestätige den Zusammenhang in mehreren Ländern und weise darauf hin, dass die Sterbewahrscheinlichkeit steige, wenn Pflegefachkräfte durch Hilfskräfte ersetzt werden.

„Akademisierung wirkt nicht nur im Management, sondern direkt am Patientenbett – weil sie evidenzbasiertes Entscheiden stärkt, Risiken früher erkennbar macht und Versorgungsprozesse systematisch verbessert“, sagt Prof. Dr. Katharina Rädel-Ablass, Professorin für Pflege an der IU Internationalen Hochschule und Mitglied des Innovationszentrums Pflege und Gerontologie.

Nach Angaben der IU liegt die Akademisierungsquote in der Pflege in Deutschland derzeit bei rund 1,75 Prozent. Damit bleibt Deutschland weit hinter den Empfehlungen des Wissenschaftsrats zurück, der einen Anteil von 10 bis 20 Prozent nennt. Zugleich nimmt der Druck auf das Versorgungssystem weiter zu: Die Zahl pflegebedürftiger Menschen steigt, gleichzeitig fehlen bereits heute zahlreiche Pflegefachpersonen. Hinzu kommen Hinweise darauf, dass ein relevanter Teil der beruflich Pflegenden über einen Ausstieg aus dem Beruf nachdenkt.

Aus Sicht der Hochschule reicht es deshalb nicht aus, allein auf zusätzliche personelle Kapazitäten zu setzen. „Mehr Hände allein lösen das Problem nicht“, so Rädel-Ablass. „Wir brauchen auch mehr Qualifikation – und Strukturen, die Weiterbildung überhaupt möglich machen.“ Hier sieht die IU in flexiblen Studienangeboten einen wichtigen Hebel. Mit Fernstudiengängen in Pflege, Pflegemanagement und Pflegepädagogik will die Hochschule Qualifizierungswege schaffen, die sich mit Schichtarbeit, familiären Verpflichtungen und Care-Arbeit vereinbaren lassen. Nach Angaben der IU studieren derzeit rund 3.000 Menschen eines der pflegespezifischen Programme, ein erheblicher Teil davon über berufliche Qualifikation und damit ohne klassischen schulischen Hochschulzugang.

„Flexible Studienmodelle sind ein konkreter Hebel, um mehr Pflegefachpersonen akademisch zu qualifizieren – und damit Qualität und Fachkräftesicherung zu stärken sowie die Lücke zwischen Ist-Quote und Zielmarke zu schließen“, sagt Prof. Dr. Patrick Fehling, Fachgebietsleiter Gesundheit und Professor für Pflegemanagement an der IU. Wie solche Modelle im Alltag genutzt werden, zeigt nach Angaben der Hochschule das Beispiel einer Studentin im Studiengang Pflegepädagogik. Sie studiert in Teilzeit, arbeitet parallel in der Pflege, ist in der Ausbildungsbegleitung tätig, unterrichtet zusätzlich an einer Pflegeschule und unterstützt privat ihre pflegebedürftige Mutter. „Aufgrund meiner beruflichen und privaten Verpflichtungen bin ich stark auf die Flexibilität eines Fernstudiums angewiesen. Diese erlebe ich an der IU bislang als sehr gut umsetzbar“, sagt Kira Rex. „Auch wenn die Gesamtbelastung hoch ist, lässt sich das Studium für mich aktuell gut mit Beruf und Privatleben vereinbaren.“

Flankiert wird die Lehre an der IU durch das Innovationszentrum Pflege und Gerontologie. Das Forschungsnetzwerk arbeitet seit 2022 an der Schnittstelle von Pflegepraxis, Versorgungsforschung und gesellschaftspolitischer Debatte. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in die Versorgungspraxis zu übertragen.

Aktuell arbeitet das Innovationszentrum unter anderem im Projekt KOMPASS an einem partizipativen Werkstattformat für Langzeitpflegeeinrichtungen. Dabei sollen auch bislang ungenutzte akademische Kompetenzen von Pflegefachpersonen sichtbar gemacht und stärker an praxisnahe Forschungsprozesse angebunden werden. Nach Einschätzung der IU betrifft dies auch internationale Pflegefachkräfte mit im Ausland erworbenen Hochschulabschlüssen, deren Kompetenzen im deutschen System bislang häufig nicht ausreichend genutzt würden.

Die IU verbindet damit eine klare bildungs- und versorgungspolitische Botschaft: Wenn Pflegequalität, Fachkräftesicherung und die Weiterentwicklung des Berufs nachhaltig gestärkt werden sollen, braucht es mehr akademische Qualifizierung – und Studienwege, die sich an der Realität beruflich Pflegender orientieren.


Zur Pressemitteilung: https://www.iu.de/news/mangelnde-akademisierung-in-der-pflege-kostet-nachweislich-menschenleben/

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Wie müssen Präventionsangebote gestaltet sein, damit Studierende sie tatsächlich nutzen? Das von der AOK Bayern geförderte Forschungsprojekt „Gesund studieren – Entspannt studieren in der Metropolregion Nürnberg“ hat dieser Frage in den vergangenen drei Jahren nachgegangen. Die Befragungen von rund 750 Studierenden zeigen deutlich: Studierende sind stark stressbelastet. Die zentrale Herausforderung besteht nicht im Mangel an Unterstützungsangeboten, sondern darin, dass diese leicht zugänglich, verständlich und nahtlos in den Studienalltag integrierbar sein müssen.

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen zudem, dass die Präventionsmaßnahmen zur Stressreduktion an den Hochschulen der Metropolregion Nürnberg viele Studierende bisher nicht erreichen. „Wirksame Gesundheitsförderung beginnt nicht bei neuen Maßnahmen, sondern bei der Frage, wie Studierende Zugang zu Unterstützung finden“, sagt Prof. Dr. Dennis John, Projektleitung und Leiter des Instituts für Praxisforschung und Evaluation an der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN).

Ein entscheidender Ansatzpunkt sind die konkreten Bedürfnisse der Studierenden. Ob ein Angebot wahrgenommen wird, hängt oft von scheinbar kleinen Details ab – etwa vom Zeitpunkt oder Titel einer Veranstaltung. Zugleich ist es eine große Herausforderung, die Informationen so zu vermitteln, dass sie tatsächlich ankommen: In der täglichen Flut von E-Mails und Social-Media-Beiträgen gehen Ankündigungen, etwa zu einem Achtsamkeitskurs, leicht unter. Dr. Karl-Hermann Rechberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Projekt, ergänzt: „Die bloße Existenz von Präventionsangeboten führt nicht automatisch zu ihrer Nutzung – entscheidend ist ihre passgenaue Gestaltung.“

Gemeinsam mit Studierenden wurden bestehende Stresspräventionsangebote optimiert und neue Konzepte erprobt, die Stressbewältigung direkt in den Studienalltag verankern. Ein praxisorientiertes Handbuch bereitet die gewonnenen Erkenntnisse auf und macht sie anderen Hochschulen künftig unmittelbar zugänglich.

Horst Leitner, Direktor der AOK in Mittelfranken, betont die Bedeutung der Ergebnisse für die Gesundheitsförderung im Hochschulkontext: „Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig die Hochschule als Lebenswelt für wirksame Prävention ist: Mit frühzeitigen, niedrigschwelligen Angeboten können wir Studierende gezielt erreichen und ihre Gesundheit nachhaltig stärken.“

Auch aus kommunaler Perspektive sind die Ergebnisse relevant. Britta Walthelm, Referentin für Umwelt und Gesundheit der Stadt Nürnberg, erklärt: „Mit dem Projekt „Gesund studieren – Entspannt studieren“ stärken wir gemeinsam mit den Hochschulen die Gesundheit junger Erwachsener in ihrer Lebenswelt, denn als Stadt Nürnberg gestalten wir durch Prävention, enge Vernetzung sowie durch das engagierte Zusammenwirken vieler Akteurinnen und Akteure aktiv gesundheitsförderliche Lebensverhältnisse für unsere Bevölkerung.“

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Prof. Dr. Dennis John
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Zur Pressemitteilung: https://www.evhn.de/node/2826

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