Petra Anders
Beltz Juventa, Weinheim, 1. Auflage 2025, 359 Seiten, 48 Euro (Buch broschiert), 47,99 Euro (E-Book), ISBN 978-3-7799-9376-6 (print), ISBN 978-3-7799-9377-3 (E-Book)
Als Unterrichtsfeedback wird dasjenige Feedback verstanden, das Lehrpersonen unabhängig von deren Anstellungsverhältnis oder von der Art der Trägerschaft der Berufsschule aufgrund einer Unterrichtsbeobachtung erhalten. Speziell kann es dann einen Beitrag zur Verbesserung des Unterrichts leisten, wenn es den Lehrpersonen tatsächlich gelingt, mit den Schülerinnen und Schülern einen offenen, reflektierenden Dialog über den Unterricht, das Lehren und das Lernen anzuregen und in entsprechender Tiefe zu führen. Bis dato ist relativ wenig darüber bekannt, inwiefern Lehrpersonen das Unterrichtsfeedback praktisch zur Unterrichtsentwicklung einsetzen und schließlich ob und wie Schülerinnen und Schüler diese feedbackbasierten Veränderungen im Handeln ihrer Lehrpersonen wahrnehmen. Diese Dissertationsschrift setzt hier an, greift diese Forschungslücken auf und zeigt am Beispiel von beruflichen Schulen im Gesundheitswesen, explizit Berufsfachschulen für Physiotherapie in Bayern, wie Lehrpersonen Unterrichtsfeedback im Rahmen eines formativen Assessments als Instrument zur eigenen Unterrichtsentwicklung nutzen können.
Die Autorin Dr. phil. Petra Anders, M.A. ist seit dem Jahr 2023 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Medizindidaktik am Lehrstuhl für Medizindidaktik und Ausbildungsforschung der Universität Augsburg. Von 2017 bis 2025 schloss sie am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität Augsburg bei Prof. Dr. Klaus Zierer ihre Promotion zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg mit dem Prädikat „summa cum laude“ ab. Die Physiotherapeutin (Abschluss im Jahr 2001) war unter anderem Lehrkraft und Schulleiterin an unterschiedlichen Berufsfachschulen für Physiotherapie. Darüber hinaus engagiert sich die Autorin als Sprecherin der AG Fakultätsentwicklung im Kompetenznetz Medizinlehre Bayern (KMB), als Mitglied der Gesellschaft für Empirische Bildungsforschung (GEBF), Mitglied der Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA), Mitglied im Hochschulverbund Gesundheitsfachberufe e.V. (HVG), Mitglied in der interdisziplinären Fachgesellschaft für Didaktik Gesundheit e.V. (IFDG), Mitglied im Verein zur Förderung der Wissenschaft in den Gesundheitsberufen (VFWG), Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (DGfE).
Bei der vorliegenden Publikation handelt es sich zugleich um die Dissertation von Petra Anders mit einem dementsprechenden Aufbau. Nach einer deutsch- und englischsprachigen Zusammenfassung folgen die Einleitung, Problemstellung, Methodik und Durchführung, der Ergebnissteil sowie die Diskussion. Die Dissertationsschrift umfasst knapp 150 Abbildungen und Tabellen, ein Abkürzungsverzeichnis sowie auf den Seiten 324 bis 359 das Literaturverzeichnis.
Die Legitimation der Arbeit begründet sich daraus, dass zwar Studienergebnisse zur Wirksamkeit von Feedback-Interventionen im Kontext der Entwicklung und kontinuierlichen Verbesserung von Lehr-Lern-Prozessen existieren. Diese Studien beziehen sich jedoch überwiegend auf studentische Lehrevaluationen. Sowohl das Pendant zur schulischen Unterrichtsevaluation als auch explizit Erkenntnisse, wie Lehrende unmittelbare Feedbackinformationen verarbeiten sowie zur Weiterentwicklung des Unterrichts verwenden, liegen nur fragmentär vor. Dies trifft gleichermaßen auf Wahrnehmungen der Schülerinnen und Schüler von Veränderungen im unterrichtlichen Handeln der Lehrperson(en) nach Unterrichtsfeedback zu. Darüber hinaus ist das Forschungsfeld größtenteils der Lernort Schule und kaum der Lernort Praxis.
Ziel der Dissertation war mit Blick auf die beruflichen Schulen ein praktikables, strukturiertes, mehrperspektivisches Feedbackverfahren im Rahmen eines formativen Assessments, das allen Lehrpersonen zugänglich ist. Lehrpersonen sollen damit unterstützt werden, bewusst über ihren Unterricht nachzudenken und die im Feedback enthaltenen Informationen zur Weiterentwicklung ihres Unterrichts zu nutzen.
Die Arbeit konzentriert sich auf die berufsfachschulische Physiotherapieausbildung in Bayern. Aufgrund der Grenzen und Problematiken sind die Ergebnisse nicht generalisierbar.
Bezogen auf einzelne Module des formativen Assessments zeigt die Arbeit, dass die Umsetzungstreue häufig problematisch ist. Daraus wird ein Ausblick für künftige Forschungsarbeiten generiert. Unterrichtsfeedback kann vor allem dann einen Beitrag zur Verbesserung des Unterrichts leisten, wenn der Prozess gezielte Unterstützungsmaßnahmen, beispielsweise einführende Erklärungen zur allgemeinen Handhabe von Unterrichtsfeedback, kollegiale Fallbesprechungen, individuelle Beratungen im Zuge von Supervisionen oder Coachings, enthält.
Explizit wird gezeigt, dass das Qualitätsmanagement an beruflichen Schulen (QmbS) mit dem Individualfeedback gute Impulse gibt, allerdings ein angepasstes Unterstützungssystem fehlt, das allen Berufsfachschulen für Physiotherapie zur Verfügung steht. Die Erkenntnisse dieser Dissertationsschrift können dementsprechend als Grundlage zur Weiterentwicklung in der Physiotherapie-Ausbildung herangezogen werden.
Somit sind es neben Lehrpersonen, die Management-Ebene sowie pädagogische Qualifikationen, die von dieser Publikation profitieren. Wünschenswert ist die weitere Nutzung der Ergebnisse überregional und träger- und professionsübergreifend, sowie mit Blick auf die im Buch im Problemaufriss angeführte Heterogenität im Rahmen der akademischen Ausbildung.
Eine Rezension von Prof. Dr. Claudia Winkelmann

Liane Kepalies
