Prof. Dr. Clemens Hausmann

facultas, Wien 2026, 122 Seiten, 26,20 € (Softcover), 24,99 € (EPUB), ISBN: 978-3-7089-2603-2

Das Buch „Kommunikation und Beziehungsgestaltung für Pflegeassistenzberufe“ von Clemens Hausmann übersetzt psychologische und kommunikationswissenschaftliche Theorien in einfache, gut les- und lernbare Kapitel für die Zielgruppe Auszubildende der Pflegeassistenz und Pflegefachassistenz in Österreich. Für Pflegeassistenzen ist die Art der Kommunikation entscheidend für Wohlbefinden, Sicherheit und Beziehungsqualität von und zu pflegebedürftigen Menschen (vgl. Gustafsson et al., 2025; Weidner & Towsley, 2023). Dieses Buch schafft wichtige Grundlagen für den erforderlichen Kompetenzaufbau und lässt sich im Themenfeld Beziehungsgestaltung und Kommunikation der entsprechenden Curricula verorten. 

Prof. Dr. Clemens Hausmann, klinischer und Gesundheitspsychologe am Kardinal Schwarzenberg Klinikum Schwarzach i.P., ist seit über drei Jahrzehnten maßgeblich in der Aus-, Fort- und Weiterbildung von Gesundheits- und Krankenpflegenden in Österreich tätig. Als langjähriger Vortragender an Pflegeschulen seit 1991 und Mitautor des österreichischen Curriculums zur Ausbildung in allgemeiner Gesundheits- und Krankenpflege (1998–2003) verfügt er über tiefgreifende fachliche Expertise. Seine vielfältigen Vertiefungen als Notfallpsychologe, Traumatherapeut und Supervisor sowie seine langjährige Praxiserfahrung ermöglichen ihm eine fundierte und praxisnahe Bearbeitung des Themas Kommunikation in der Pflege. Mit mehreren, mehrfach überarbeiteten Fachbüchern wie Psychologie und Kommunikation für Pflegeberufe (4. Auflage 2019), Kommunikation in der Pflege (3. Auflage 2024) und Psychologie, Soziologie und Pädagogik (5. Auflage 2026) hat er sich als Experte für psychologische und kommunikative Kompetenzen in der Pflege etabliert.

Das Buch bietet eine strukturierte Einführung in die zentralen Aspekte der Kommunikation im pflegerischen Alltag. Aufbauend auf acht klar gegliederten Kapiteln vermittelt es fundierte Grundlagen für die Ausbildung und Praxis. Die ersten Kapitel legen den Fokus auf kommunikative Grundprinzipien (Kap. 1), Gesprächsführung (Kap. 2), die Verbindung von Pflegeprozess und Beziehungsgestaltung (Kap. 3) und zielgruppenspezifische Gesprächsführung (Kap. 4). In der zweiten Hälfte werden Krisen (Kap. 5), Konflikte (Kap. 6), Kommunikation im Team (Kap. 7) und Psychohygiene (Kap. 8) behandelt. Von der Aufbaulogik her, hätte eine Anordnung Team – Konflikte – Krisen – Psychohygiene womöglich beim Lesen mehr unterstützt.

Einzelne Unterkapitel sind aus anderen Werken entnommen (3.6 Kultursensible Pflege: Transkulturelle Pflege, Lenthe, 2023; 4.4 Menschen mit Demenz und 4.5 Kommunikation bei Sinneseinschränkungen: Gerontologie, Geriatrie und Gerontopsychiatrie, Steidl und Nigg, 2014; 6.6 Gewaltfreie Kommunikation: Pflegeassistenz, Lehrbuch, Reiter et al., 2024). Diese Integration sticht aus dem übrigen System heraus, sowohl was das Wording, die Satzlänge als auch die graphische Aufbereitung und Darstellung anbelangt. Eine Adaption an die restlichen Kapitel des Buches wäre zu begrüßen, um die Kohärenz und Übersichtlichkeit zu fördern. Beim Kapitel Kultursensible Pflege wäre zu überlegen, ob es sich nicht um ein zu komplexes und spezialisiertes Thema handelt, um überhaupt integriert zu werden.

Inhaltlich sind zentrale Persönlichkeiten der Kommunikation und Psychologie eingebunden: Watzlawick, Schulz von Thun, Rogers, Maslow, Lazarus und Freud werden zitiert, erläutert und anhand von Beispielen und Graphiken verdeutlicht. Damit wird die Grundlage für das Verständnis menschlicher Interaktion geschaffen.
Besonders lobenswert ist der ständige Hinweis zu psychosozialen und -therapeutischen Hilfsangeboten, die deutlich machen, dass Pflegefachpersonen nicht alles allein bewältigen können und auch sollten. Eine wichtige Botschaft, die in der Praxis oft vergessen wird. Dazu passt auch das achte Kapitel „Psychohygiene“, welches diese auf individueller, kollektiver und organisationaler Ebene behandelt.
Das Kapitel zur sozialen Kompetenz, obwohl im deutschen Kontext eher als Selbstkompetenz (gemäß KMK) zu fassen, greift Selbstwert, Selbstverantwortung und Selbstregulation auf und zeigt deren Wichtigkeit in Kommunikationsprozessen auf. Ebenso gelungen ist die Auseinandersetzung mit subjektiven Krankheitstheorien und der Nutzung von Gesundheitsinformationen aus dem Internet – mit konkreten Quellen, die sowohl für Pflegefachpersonen als auch für zu Pflegende nützlich sind und weitergegeben werden können. Die Rolle der Angehörigen wird differenziert dargestellt – nicht nur als Ressource, sondern auch als selbst betroffene Akteur:innen, was sich an folgendem Zitat zeigt: „Das Ziel von Angehörigengesprächen ist es, die innerfamiliäre Unterstützung zu fördern“ (S. 67). Hier ließe sich eine Verbindung zu Friedemanns „Theorie des systemischen Gleichgewichts“ (1996) ziehen.

Schade ist, dass beim Thema Feedback nicht darauf hingewiesen wird, dass dieses auch aktiv (von den Auszubildenden) eingeholt werden sollte und dass das Thema Mobbing unerwähnt bleibt. Dieses ist in den anderen Werken Hausmanns vertreten und für die hiesige Zielgruppe sicherlich wertvoll.
Kinder werden zudem in der Gruppe der Angehörigen beschrieben, aber nicht wirklich als zu Pflegende in den Blick genommen. Obwohl die gleichen kommunikativen und emotionalen Regeln gelten würden. Es muss dazu aber auch festgehalten werden: in der Kürze des Werkes ist es nicht möglich, alle Facetten zu erschöpfen.

Graphisch besticht das Werk durch eine klare, lernfreundliche Gestaltung. Wichtige Inhalte sind farblich und/oder fett markiert, mit Aufzählungen strukturiert und durch türkisblaue Graphiken visuell unterstützt. Diese wiederholen zentrale Textinhalte oder werden im Text entsprechend erläutert. Besondere Punkte sind farblich hinterlegt und mit einem entsprechenden Piktogramm gekennzeichnet, was Orientierung im Text bietet:
Rot und Ausrufezeichen für zentrale und relevante Aussagen wie bspw. „Das Grundprinzip der Gesprächsführung lautet: den Gesprächspartner bei seinen Fragen, Bedürfnissen und Gedanken abholen und ihn zu den Themen hinführen, über die man mit ihm sprechen will.“ (S. 17).
Grün und Sprechblase für konkrete Beispiele.
Violett und Fragezeichen für Fragen zur Wissensüberprüfung. Diese lassen sich den Lernzieltaxonomiestufen „Erinnern/Wissen“ und „Verstehen“ von Bloom (1956) zuordnen.

In der elektronischen Version treten jedoch Formatierungsprobleme auf: Überschriften und Aufzählungen sind gelegentlich auf einer Seite, der Text erst auf der nächsten und die Zeilenabstände wirken ungleichmäßig. Beispiele in Klammern führen zu langen Sätzen, die die Lesbarkeit beeinträchtigen. Außerdem fällt die häufige Verwendung der Abkürzung „etc.“ auf, die obsolet ist.  

Trotzdem ist das Buch in der Lehre sehr gut einsetzbar. Die Kapitel sind für Auszubildende gut lesbar, und die zahlreichen Grundsätze eignen sich hervorragend zum Einüben, etwa in Rollenspielen oder Simulationen. Die Beispiele sind praxisnah und gut nachvollziehbar, was das Lernen ebenfalls erleichtert und die konkreten Anwendungsmöglichkeiten aufzeigt. Clemens Hausmann knüpft damit an seine bisherigen Werke an, indem er die Inhalte nun einer weiteren Zielgruppe zugänglich macht. Auch in der Praxis kann es als schnelles Nachschlagewerk dienen, insbesondere die Kapitel zu Krisen, Konflikten und Teamkommunikation.

 

Eine Rezension von Nadja Körner, 
Pflegewissenschaft M.A., Pflegepädagogik B.A.

 

 

Literatur

Gustafsson, T., Lindberg, E., Söderholm, H., Hedén, L., Van Dulmen, S., & Sundler, A. (2025). Exploring Emotional Communication Between Older Persons and Nursing Assistants in Home Care: A Qualitative Study. International Journal of Older People Nursing, 20https://doi.org/10.1111/opn.70048

Weidner, M., & Towsley, G. (2023). Meaningful connections: An education program to enhance resident-certified nursing assistant relationships. Gerontology & Geriatrics Education, 45, 259 – 275. https://doi.org/10.1080/02701960.2023.2174116

Melitta Horak, Rudolf Janz, Bettina Bachmann-Schrittesser

facultas, Wien 2026, 168 Seiten, 28,10 €, ISBN 978-3708925264

 

Inhalt und thematische Schwerpunkte

Das Fachbuch „Präzise Pflegediagnostik und Edukation im Simulationstraining“ beschäftigt sich mit der Bedeutung simulationsgestützter Lehr- und Lernmethoden in der Pflegeausbildung und deren Verbindung mit präziser Pflegediagnostik sowie professioneller Edukation. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie pflegerische Handlungskompetenzen durch strukturierte Simulationstrainings gefördert und nachhaltig entwickelt werden können.

Die Autor:innen verbinden theoretische Grundlagen der Pflegepädagogik mit praxisnahen Konzepten des Simulationstrainings. Dabei werden sowohl didaktische Modelle als auch konkrete Umsetzungsstrategien vorgestellt. Besonders deutlich wird, dass Simulationstrainings nicht ausschließlich dem Erwerb praktischer Fertigkeiten dienen, sondern auch die Entwicklung klinischer Entscheidungsfähigkeit, reflektierter Kommunikation und professioneller Handlungssicherheit fördern.

Ein Schwerpunkt des Buches liegt auf der Verknüpfung von Pflegediagnostik, Edukation und evidenzbasierter Pflegepraxis. Die Darstellung verdeutlicht, wie wichtig präzise pflegerische Beobachtung, strukturierte Einschätzung und patient:innenorientierte Kommunikation im Rahmen komplexer Versorgungssituationen sind.

Darüber hinaus werden unterschiedliche Aspekte moderner Simulationstrainings behandelt, darunter Szenarioplanung, Debriefing, Evaluation, der Einsatz von Schauspielpatient:innen sowie rechtliche und ethische Rahmenbedingungen. Auch aktuelle Entwicklungen und zukünftige Perspektiven simulationsgestützter Lehre werden berücksichtigt.

Zielsetzung des Buches

Das zentrale Ziel des Buches besteht darin, Lehrenden, Studierenden sowie Fachpersonen im Gesundheitswesen ein fundiertes Verständnis für den Einsatz von Simulationstrainings in der Ausbildung von Gesundheits- und Krankenpflegeberufen zu vermitteln. Gleichzeitig soll aufgezeigt werden, wie präzise Pflegediagnostik und professionelle Edukation systematisch in simulationsbasierte Lernsettings integriert werden können. Das Werk verfolgt dabei einen praxisorientierten und zugleich wissenschaftlich fundierten Ansatz. Es möchte dazu beitragen, pflegerische Kompetenzen gezielt zu fördern und den Theorie-Praxis-Transfer nachhaltig zu verbessern.

Besonders deutlich wird die Bedeutung reflexiver Lernprozesse. Simulationstrainings werden nicht lediglich als Übungsform verstanden, sondern als didaktisches Instrument zur Förderung klinischer Entscheidungsfähigkeit, kritischen Denkens und professioneller Kommunikation. Darüber hinaus sensibilisiert das Buch für die Anforderungen moderner Pflegebildung. Es verdeutlicht, dass qualitativ hochwertige Pflege nicht allein auf technische Fertigkeiten reduziert werden kann, sondern umfassende diagnostische, kommunikative und edukative Kompetenzen voraussetzt.

Aufbau und Struktur

Der Aufbau des Buches ist klar gegliedert und logisch nachvollziehbar. Die einzelnen Kapitel führen schrittweise von theoretischen Grundlagen hin zu konkreten praktischen Anwendungsbereichen.

Zu Beginn werden grundlegende Konzepte des Simulationstrainings vorgestellt, darunter das Skills-Lab-Konzept, Lernphasen im Skills-Training sowie pädagogische Modelle wie das Cognitive Apprenticeship. Anschließend werden historische Entwicklungen, aktuelle Forschungsergebnisse und moderne Einsatzmöglichkeiten simulationsgestützter Lehre erläutert. Im weiteren Verlauf widmet sich das Buch der konkreten Planung und Durchführung von Simulationstrainings. Themen wie Szenarioplanung, Rollenverteilung, Debriefingmethoden sowie Evaluation werden praxisnah dargestellt. Besonders gelungen ist die Verbindung theoretischer Inhalte mit konkreten Beispielen aus der pflegerischen Praxis. Dadurch wird die Übertragbarkeit der Konzepte auf Ausbildung und Berufsfeld erleichtert.

Verständlichkeit und Praxisbezug

Trotz seiner wissenschaftlichen Fundierung überzeugt das Buch durch eine verständliche Sprache und eine übersichtliche Struktur. Fachliche Inhalte werden nachvollziehbar dargestellt und durch praxisnahe Beispiele ergänzt. Der hohe Praxisbezug stellt eine besondere Stärke des Werkes dar. Die beschriebenen Simulationstrainings ermöglichen einen realitätsnahen Zugang zu komplexen Pflegesituationen und fördern die Verknüpfung theoretischen Wissens mit praktischem Handeln.

Besonders hervorzuheben ist die ausführliche Darstellung des Debriefings als zentraler Bestandteil simulationsgestützter Lernprozesse. Die Autor:innen verdeutlichen, dass Reflexion und Feedback entscheidend für nachhaltiges Lernen und die Entwicklung professioneller Handlungskompetenz sind. Auch die Einbindung von Schauspielpatient:innen wird praxisnah erläutert. Dadurch wird deutlich, wie kommunikative Kompetenzen, Edukation und patient:innenzentrierte Interaktion in geschützten Lernsettings trainiert werden können.

Für Lehrende in Pflegeausbildungen bietet das Buch zahlreiche Anregungen zur Gestaltung moderner Lehr-Lern-Settings. Gleichzeitig profitieren auch Studierende und Praxisanleiter:innen von den dargestellten Konzepten und Methoden.

Kritische Anmerkungen

Trotz des insgesamt sehr positiven Gesamteindrucks lassen sich einige kritische Aspekte benennen. Aufgrund der thematischen Vielfalt werden einzelne Inhalte teilweise nur überblicksartig behandelt. Einige Themen – insbesondere die praktische Umsetzung komplexer Pflegediagnostik in unterschiedlichen Versorgungskontexten – hätten stellenweise noch vertiefter dargestellt werden können. Darüber hinaus setzt das Buch in einzelnen Abschnitten ein gewisses Vorwissen im Bereich Pflegepädagogik und Simulation voraus. Leser:innen ohne Vorerfahrungen könnten daher manche theoretischen Ausführungen als anspruchsvoll empfinden. Teilweise wäre zudem eine noch stärkere Einbindung konkreter Fallbeispiele hilfreich gewesen, um die dargestellten Konzepte unmittelbar auf reale Pflegesituationen zu übertragen.

Diese Kritikpunkte schmälern jedoch nicht die fachliche Qualität des Werkes, sondern verdeutlichen vielmehr die Komplexität des Themenfeldes.

Fazit

Zusammenfassend stellt „Präzise Pflegediagnostik und Edukation im Simulationstraining“ ein fachlich fundiertes und zugleich praxisnahes Werk zur modernen Pflegebildung dar. Das Buch überzeugt durch seine klare Struktur, die verständliche Darstellung komplexer Inhalte sowie die gelungene Verbindung von Wissenschaft, Pflegepädagogik und praktischer Anwendung.

Besonders hervorzuheben ist die konsequente Verknüpfung von Pflegediagnostik, Edukation und simulationsgestütztem Lernen. Die Autor:innen verdeutlichen eindrucksvoll, dass professionelle Pflege weit über technische Fertigkeiten hinausgeht und diagnostische, kommunikative sowie reflexive Kompetenzen erfordert.

Das Werk bietet wertvolle Impulse für Lehrende, Studierende sowie Fachpersonen in der Gesundheits- und Krankenpflege. Insbesondere für die pflegepädagogische Ausbildung liefert das Buch praxisrelevante Ansätze zur Gestaltung moderner Lehr- und Lernprozesse.

Insgesamt leistet das Buch einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung evidenzbasierter und kompetenzorientierter Pflegebildung. Es verbindet wissenschaftliche Fundierung mit hoher Praxisrelevanz und eignet sich sowohl für Ausbildungskontexte als auch für die berufliche Weiterbildung im Gesundheitswesen.

Eine Rezension von Anett Friedrich,
Medizinpädagogin M. Ed.

Ursula Walkenhorst & Martin R. Fischer (Hrsg.)

Springer, Berlin 2025, 509 Seiten, 169,99 Euro, ISBN 978-3-662-65430-9

Martin R. Fischer und Ursula Walkenhorst – beide ihres Zeichens hochschullehrend und forschend in Sachen Didaktik der Medizin und Gesundheitsberufe – legen mit dem im ausgehenden Jahr 2025 erschienenen Sammelband Interprofessionelle Bildung für die Gesundheitsversorgung nicht nur eine Reaktion auf die insbesondere in den letzten Jahren steigende Relevanz der Interprofessionalität in Gesundheitswesen und -bildung vor. Der Band ist zugleich als eine Dokumentation und Synthese des von den beiden Forschenden geleiteten und von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten interdisziplinären Graduiertenkollegs ILEGRA (2018-2022) zu verstehen – Es handelt sich dementsprechend neben wissenschaftlichen Expertinnen und Experten bei den Beitragenden zu diesem Buch vor allem um Promovendinnen und Promovenden eben dieses Kollegs. Analog zur interdisziplinären Aufstellung der im Kolleg tätigen Forschenden stellt der Band das Feld der Interprofessionalitätsbildung für die Gesundheitsversorgung und das dieses umgebende Forschungsfeld umfassend dar. In sechs Teilen werden neben theoretischen Grundlagen auch methodische Forschungsansätze, vor allem aber Zukunftsperspektiven und weiterführende Forschungsfragen für die interprofessionelle Bildung mit Blick auf Forschungs-, Versorgungs- und Bildungswesen präsentiert. Hierzu ist direkt festzuhalten: Das Buch stellt sich selbst die Aufgabe, erstmals (vgl. S. V) einen systematischen Überblick über die interprofessionelle Bildung für die Gesundheitsversorgung zu bieten – und erfüllt diesen auch. Die erwähnten Zukunftsperspektiven sind dabei oftmals zentral in die Konzeption der Artikel eingezogen und spiegeln die mehrfach betonte Erkenntnis wider, dass Interprofessionalität eine Notwendigkeit für die hochwertige Gesundheitsversorgung der Zukunft ist.

Vor dem letztgenannten Punkt wäre es laut Rezensent dennoch sinnvoll gewesen, das Werk sogar noch expliziter als ein Handbuch zu konzipieren, offenbart doch die oben dargestellte Gliederung bereits die holistische Herangehensweise an das fokussierte Thema. Dies würde nicht die hohe wissenschaftliche Qualität des Buches in Abrede stellen – die liegt auf der Hand! – sondern sein hohes didaktisches Potenzial noch mehr betonen: Durchaus finden sich neben ausführlich dargestellter Theorie und forschungsmethodischen (quantitativ- und qualitativ-empirischen) Ansätzen zu verschiedenen Aspekten der Interprofessionalität und interprofessionellen Bildung nämlich immer wieder auch konkrete didaktisch-methodische Impulse, die zumeist den Darstellungen von Forschungsvorhaben und Curriculumsentwicklungsprojekten entstammen. Für den drängenden Praxistransfer wäre allerdings wünschenswert gewesen, diese Dimension wäre zuweilen noch konkreter hervorgetreten. Die Herausgebenden drücken nämlich zum Ende ihres Vorworts die Hoffnung aus, es würden Fortsetzungen aus dem mit dem vorliegenden Band gemachten Anfang entstehen (S. VI). Zentral für das Gelingen dieses Vorhabens erscheint dem Rezensenten, dass das Buch neben der Forschung auch tatsächlich Eingang in die interprofessionelle berufliche Praxis des Gesundheitswesens findet.

Als generelle Einführung und für konkrete Perspektiven für die eigene interprofessionell-pädagogische Arbeit empfiehlt sich daher ausdrücklich den Band eröffnenden Überblicksbeitrag von Martin R. Fischer und Ursula Walkenhorst (S. 3-14) sowie den Artikel von Irina Cichon und Lukas Nock (S. 293-300) zum Verständnis der Interprofessionalität als einer sozialen Innovation im Gesundheitswesen zu lesen, außerdem den Beitrag von Wibke Hollweg und Bettina Heinzelmann (S. 313-327), der aus einer Bedarfsanalyse und Praxisimpulsen Konsequenzen für Lehr-Lern-Settings mit dem Ziel der Interprofessionalitätsbildung zieht. Hoffentlich gelangt das Buch in die Hände vieler interprofessionell in der Bildung im Gesundheitswesen tätiger Personen, die die Impulse der Beiträge aufnehmen und so neue, innovative Lehr-Lern-Szenarien gestalten, mit dem Ziel einer verbesserten Gesundheitsversorgung durch verbesserte Interprofessionalität.

Eine Rezension von Christoph Schneider
Ludwig-Maximilians-Universität München
Forschungsstelle Werteerziehung und Lehrer:innenbildung