
Ursula Walkenhorst & Martin R. Fischer (Hrsg.)
Interprofessionelle Bildung für die Gesundheitsversorgung
Springer, Berlin 2025, 509 Seiten, 169,99 Euro, ISBN 978-3-662-65430-9
Martin R. Fischer und Ursula Walkenhorst – beide ihres Zeichens hochschullehrend und forschend in Sachen Didaktik der Medizin und Gesundheitsberufe – legen mit dem im ausgehenden Jahr 2025 erschienenen Sammelband Interprofessionelle Bildung für die Gesundheitsversorgung nicht nur eine Reaktion auf die insbesondere in den letzten Jahren steigende Relevanz der Interprofessionalität in Gesundheitswesen und -bildung vor. Der Band ist zugleich als eine Dokumentation und Synthese des von den beiden Forschenden geleiteten und von der Robert-Bosch-Stiftung geförderten interdisziplinären Graduiertenkollegs ILEGRA (2018-2022) zu verstehen – Es handelt sich dementsprechend neben wissenschaftlichen Expertinnen und Experten bei den Beitragenden zu diesem Buch vor allem um Promovendinnen und Promovenden eben dieses Kollegs. Analog zur interdisziplinären Aufstellung der im Kolleg tätigen Forschenden stellt der Band das Feld der Interprofessionalitätsbildung für die Gesundheitsversorgung und das dieses umgebende Forschungsfeld umfassend dar. In sechs Teilen werden neben theoretischen Grundlagen auch methodische Forschungsansätze, vor allem aber Zukunftsperspektiven und weiterführende Forschungsfragen für die interprofessionelle Bildung mit Blick auf Forschungs-, Versorgungs- und Bildungswesen präsentiert. Hierzu ist direkt festzuhalten: Das Buch stellt sich selbst die Aufgabe, erstmals (vgl. S. V) einen systematischen Überblick über die interprofessionelle Bildung für die Gesundheitsversorgung zu bieten – und erfüllt diesen auch. Die erwähnten Zukunftsperspektiven sind dabei oftmals zentral in die Konzeption der Artikel eingezogen und spiegeln die mehrfach betonte Erkenntnis wider, dass Interprofessionalität eine Notwendigkeit für die hochwertige Gesundheitsversorgung der Zukunft ist.
Vor dem letztgenannten Punkt wäre es laut Rezensent dennoch sinnvoll gewesen, das Werk sogar noch expliziter als ein Handbuch zu konzipieren, offenbart doch die oben dargestellte Gliederung bereits die holistische Herangehensweise an das fokussierte Thema. Dies würde nicht die hohe wissenschaftliche Qualität des Buches in Abrede stellen – die liegt auf der Hand! – sondern sein hohes didaktisches Potenzial noch mehr betonen: Durchaus finden sich neben ausführlich dargestellter Theorie und forschungsmethodischen (quantitativ- und qualitativ-empirischen) Ansätzen zu verschiedenen Aspekten der Interprofessionalität und interprofessionellen Bildung nämlich immer wieder auch konkrete didaktisch-methodische Impulse, die zumeist den Darstellungen von Forschungsvorhaben und Curriculumsentwicklungsprojekten entstammen. Für den drängenden Praxistransfer wäre allerdings wünschenswert gewesen, diese Dimension wäre zuweilen noch konkreter hervorgetreten. Die Herausgebenden drücken nämlich zum Ende ihres Vorworts die Hoffnung aus, es würden Fortsetzungen aus dem mit dem vorliegenden Band gemachten Anfang entstehen (S. VI). Zentral für das Gelingen dieses Vorhabens erscheint dem Rezensenten, dass das Buch neben der Forschung auch tatsächlich Eingang in die interprofessionelle berufliche Praxis des Gesundheitswesens findet.
Als generelle Einführung und für konkrete Perspektiven für die eigene interprofessionell-pädagogische Arbeit empfiehlt sich daher ausdrücklich den Band eröffnenden Überblicksbeitrag von Martin R. Fischer und Ursula Walkenhorst (S. 3-14) sowie den Artikel von Irina Cichon und Lukas Nock (S. 293-300) zum Verständnis der Interprofessionalität als einer sozialen Innovation im Gesundheitswesen zu lesen, außerdem den Beitrag von Wibke Hollweg und Bettina Heinzelmann (S. 313-327), der aus einer Bedarfsanalyse und Praxisimpulsen Konsequenzen für Lehr-Lern-Settings mit dem Ziel der Interprofessionalitätsbildung zieht. Hoffentlich gelangt das Buch in die Hände vieler interprofessionell in der Bildung im Gesundheitswesen tätiger Personen, die die Impulse der Beiträge aufnehmen und so neue, innovative Lehr-Lern-Szenarien gestalten, mit dem Ziel einer verbesserten Gesundheitsversorgung durch verbesserte Interprofessionalität.
Eine Rezension von Christoph Schneider
Ludwig-Maximilians-Universität München
Forschungsstelle Werteerziehung und Lehrer:innenbildung
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