
Karin Kersting
Die Theorie des Coolout und ihre Bedeutung für die Pflegeausbildung
Mabuse-Verlag, Frankfurt a.M., 3. Auflage 2024, 301 Seiten, 42,00 €, ISBN 9783863212858
Das Buch „Die Theorie des Coolout und ihre Bedeutung für die Pflegeausbildung“ beschäftigt sich mit einer Zusammenfassung von Coolout-Studien in der Pflege, die aus der Dissertation „Berufsbildung zwischen Anspruch und Wirklichkeit“ der Autorin Karin Kersting entstanden ist. Mittlerweile in der dritten Auflage finden sich in dieser Monografie theoretische und praxisorientierte Grundlagen, die durch Folgestudien der Hochschule Ludwigshafen am Rhein komplementiert werden. Die Autorin Kersting Karin, selbst Krankenschwester, Diplom- Pädagogin und Professorin für Pflegewissenschaft/Pflegeforschung, forscht seit mehreren Jahrzehnten zu den Erscheinungen des Coolout von Fachpersonal in der Pflege. In mehreren Veröffentlichungen begründet Kersting das Phänomen des Coolout von Pflegefachkräften sowie weiteren Berufsgruppen, die an der Pflegeausbildung beteiligt sind.
Aufbauend auf ihrer Erststudie „Coolout in der Pflege“ untersucht Kersting in diesem Band, wie Pflegepädagoginnen, Praxisanleiterinnen und Auszubildende mit dem Widerspruch zwischen Patientenorientierung und ökonomischen Zwängen umgehen. Sie führt die Metapher der „Bürgerlichen Kälte“ ein, um zu beschreiben, wie Pflegefachkräfte lernen, sich emotional zu distanzieren, um den beruflichen Anforderungen gerecht zu werden. Sie setzt dieses Verhalten einem Selbstschutz gleich, sieht gleichzeitig die Gefahr zur Aufrechterhaltung einer als normativ inakzeptabel empfundenen Partei.
Die Autorin diskutiert die Ergebnisse ihrer Studien im Kontext ausgewählter didaktischer Konzepte und leitet daraus Vorschläge für eine kritische Pflegedidaktik ab. Ziel ist es, die Reflexionskompetenz der Auszubildenden zu fördern und sie auf die moralischen Dilemmata im Pflegealltag vorzubereiten. Mit dieser Auflage präsentiert Kersting neue empirische Studien zur beruflichen Situation von Pflegepädagog/innen und Praxisanleiter/innen. In diesen Studien wird beleuchtet, wie Fachkräfte diesen Widerspruch erleben und bewältigen. Insgesamt bietet die 3. Auflage eine vertiefte Analyse der Herausforderungen in der Pflegeausbildung und liefert praxisnahe Ansätze zur Förderung einer ethisch fundierten Pflegepraxis. Eine Übersichtlichkeit der Studien findet durch das wiederholende Aufgreifen im gesamten Buch statt. Durch passende Grafiken setzt Kersting Akzente und bietet der Leserschaft eine gelungene Abwechslung beim Lesen. Zudem erweitert sie eine einleitende Grafik mit Fortschreiten des Buches. So fällt es den Lesenden leichter, den aufeinander aufbauenden Gedanken und Studien zu folgen und nachzuvollziehen. Trotz des bereits im Jahr 1999 durch Kersting festgelegten Begriffs „Coolout“ besteht eine hohe Aktualität des Themas. Die zunehmende Belastung im Pflegeberuf, eine „neue“ Pflegeausbildung unter Reformdruck, politische Aufmerksamkeit durch die Covid-19 Krise mit gleichzeitiger Beständigkeit struktureller Problematiken, und ethischer Identitätsbildung bei den Auszubildenden, gerade zu Beginn der ersten Praxiserfahrungen, zeigen eine wachsende Kluft zwischen dem Berufsideal und der Berufspraxis. Diese Kluft bedarf einer pädagogischen Bearbeitung durch Pflegepädagog/innen und Praxisanleiter/innen. Sinnhaft wäre es gewesen, die generalistische Pflegeausbildung stärker in den Fokus zu nehmen. In Beispielen schreibt Kersting noch von Gesundheits- und Krankenpfleger (z.B. S. 104). Des Weiteren bezieht sie sich im gesamten Buch auf die Krankenpflege-Ausbildungs- und Prüfungsverordnung (KrPflAPrV) von 2003. Diese wurde am 01. Januar 2020 durch das Pflegeberufegesetz abgelöst. Hier wäre es wünschenswert gewesen, dass die aktuelle Ausbildungsreform als Grundlage in Betracht gezogen wird. Durch die Stärkung der Reflexionsfähigkeit der Auszubildenden in der generalistischen Pflegeausbildung erscheint Kerstings Forderung gegenwärtiger denn je.
Mit ihrem Buch leistet Karin Kersting einen wichtigen Beitrag zur Qualitätssicherung in der Pflegeausbildung.
Eine Rezension von Frau Andrea Sprafke,
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