
Kira Brünger, Fachkraft für Intensiv- und Anästhesiepflege und ALS-Instructor, B.A. Berufspädagogik für Gesundheitsfachberufe, Schwerpunkt Pflege
Laut Buchrücken behandelt das Werk lebensrettende Sofortmaßnahmen, Maßnahmen der Ersten Hilfe sowie besondere Notfälle im Zusammenhang mit verschiedenen Krankheitsbildern. Zusätzlich werden das Krisen- und Katastrophenmanagement sowie die Psychohygiene für Helfende thematisiert. Durch Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Wiederholungsfragen und weiterführende Literatur soll das Buch sowohl Auszubildenden und Lehrenden in Gesundheitsfachberufen als auch Personen, die ihr Wissen auffrischen oder vertiefen möchten, dienen. Dieses Ziel wird auf 185 Inhaltsseiten insgesamt überzeugend erreicht.
Auf den ersten Blick fällt die übersichtliche Gliederung des Lehrbuchs auf. Die Inhalte sind logisch strukturiert und ermöglichen sowohl ein systematisches, aufeinander aufbauendes Lernen als auch gezieltes Nachschlagen einzelner Themen. Die klare Kapitelstruktur erleichtert dabei die Orientierung. Inhaltlich zeichnet sich das Buch durch ein breites Themenspektrum aus. Innerhalb der Grundlagen des allgemeinen Notfallmanagements werden die Konzepte des Basic Life Support und des Advanced Life Support, sowohl bei adulten als auch pädiatrischen Patient:innen dargestellt. Ergänzend dazu werden zahlreiche spezifische Notfallsituationen anhand verschiedener Krankheitsbilder beschrieben. Diese Themen werden dabei strukturell von der Anatomie über die Physiologie bis hin zur Pathophysiologie dargestellt, sodass ein ganzheitliches Verständnis gefördert wird. An dieser Stelle ist positiv hervorzuheben, dass der Fokus nicht ausschließlich auf somatischen Pathologika liegt. Ebenso werden Behandlungen psychiatrischer Notfälle näher erläutert.
Somit wird ein breites Notfallursachenspektrum beleuchtet, das den vielen medizinischen Fachrichtungen gerecht wird. Weiterhin ist positiv anzumerken, dass die Psychohygiene für Helfende in Notfallsituationen in diesem Buch feingliedrig behandelt wird. Dieser Themenbereich wird in vergleichbaren Lehrwerken gar nicht oder nur am Rande erwähnt, obwohl er einen wichtigen Bestandteil der professionellen Gesundheitsversorgung darstellt.
Insbesondere die empfohlenen Maßnahmen zur Stressbewältigung, die den Lesenden direkte Handlungsoptionen bietet, stellen einen Mehrwert dar.
Besonders gelungen ist ebenfalls das Layout dieses Buches. Besonders wichtige Inhalte werden außerhalb des Fließtextes erneut dargestellt und dabei farblich und symbolisch hervorgehoben. Neben klassischen Definitionen setzen die Autor:innen auf Keyfacts, Thinkboxen, Merksätze, Fallbeispiele sowie Fragen zur Überprüfung des eigenen Wissens. Hierdurch wird nicht nur der Sachverhalt erneut prägnant dargestellt, sondern die lesende Person wird gleichermaßen zur Interaktion mit dem Text angeregt. Insbesondere die Fallbeispiele unterstützen die aktive Auseinandersetzung mit dem entsprechenden Kapitelthema. Zudem werden viele Inhalte durch Abbildungen anschaulich visualisiert. Die Grafiken ergänzen den Text sinnvoll und tragen zur Verständlichkeit des Gelesenen bei. Positiv fällt außerdem die konsequente Verwendung geschlechtsneutraler Sprache auf, was angesichts der menschlichen Vielfalt im Gesundheitswesen angemessen ist.
Somit ist festzustellen, dass dieses Buch im Vergleich zu anderen mit ähnlichem Inhalt durch seine gelungene Verbindung zwischen Theorie und Praxis überzeugt. Während vergleichbare Werke häufig entweder sehr theoretisch ausgerichtet sind oder sich nur auf einzelne Fachbereiche konzentrieren, gelingt den Autor:innen hier eine umfassende Darstellung multidisziplinärer Inhalte.
Trotz der zahlreichen Stärken sind aber auch bei diesem Buch einige Kritikpunkte anzumerken. Die Darstellung der Schockformen im Kapitel „Notfallpatient:innen“ erfolgt nicht einheitlich. Unterschiedliche Abschnitte verwenden voneinander abweichende Begrifflichkeiten. Zudem werden tabellarisch kardiogener und obstruktiver Schock nicht klar voneinander abgegrenzt, wodurch es zu fachlich falschen Interpretationen des Gelesenen kommen kann. Eine einheitliche Terminologie über das gesamte Kapitel würde die Nachvollziehbarkeit der dargestellten Inhalte verbessern. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Darstellung des Herzinfarkts im Kapitel „Akutes Koronarsyndrom“. Hierbei werden die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Symptomatik nicht thematisiert. Da insbesondere bei biologisch weiblichen Personen von der klassischen Symptomkonstellation abweichende Beschwerden auftreten, hätte hier eine differenzierte Darstellung zu einer höheren Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Besonderheiten in der Patient:innenversorgung beigetragen.
Letztlich ist zu erwähnen, dass die Kapitel zwar Fragen zur Wissensüberprüfung enthalten, jedoch weder Musterlösungen noch Erwartungshorizonte bereitgestellt werden. Dies schränkt die Möglichkeit einer eigenständigen Lernerfolgskontrolle ein und stellt für Selbstlernende einen Nachteil dar.
Zusammenfassend handelt es sich bei „Erste Hilfe und Notfallmanagement für Gesundheitsfachberufe" um ein fachlich fundiertes, didaktisch durchdachtes und praxisnahes Lehrbuch. Die klare Struktur, die anschaulichen Fallbeispiele, die hilfreichen Grafiken sowie die interaktive Gestaltung machen das Buch zu einer wertvollen Lerngrundlage. Auch die Berücksichtigung der Psychohygiene sowie die konsequente Verwendung geschlechtergerechter Sprache tragen zu einem modernen Gesamteindruck bei. Die genannten Kritikpunkte betreffen überwiegend einzelne Inhalte und schmälern den positiven Gesamteindruck nur geringfügig. Das Buch ist insbesondere für Auszubildende in Gesundheitsfachberufen empfehlenswert, eignet sich aber ebenso für alle Personen, die ihre Kenntnisse in Erster Hilfe und im Notfallmanagement auffrischen oder vertiefen möchten.
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