
Autor/innen:
Katharina Genz, Joost Popall-Zamjatnins, Isabelle Simon, Christiane Micus-Loos & Wolfgang von Gahlen-Hoops (Hrsg.)
Bibliographische Daten:
transcript Verlag, Bielefeld 2026, 354 Seiten, 55,00 € (Printausgabe), ISBN 978-3-8376-8044-7
Anett Friedrich,
1. Inhalt und thematische Schwerpunkte
Der Sammelband Diversity in der Pflege – Vielfalt gestalten in Bildung und Praxis, herausgegeben von Katharina Genz, Joost Popall-Zamjatnins, Isabelle Simon, Christiane Micus-Loos und Wolfgang von Gahlen-Hoops, widmet sich der zunehmenden Bedeutung von Diversität in Pflegebildung und Pflegepraxis. Die Beiträge beleuchten unterschiedliche Dimensionen von Vielfalt und deren Auswirkungen auf professionelles Handeln im Gesundheitswesen.
Thematisch reicht das Spektrum von Diversität und Diskriminierung über Intersektionalität bis hin zu sprachlichen Anforderungen in Ausbildung und Beruf. Darüber hinaus werden kulturelle sowie queere Lebensrealitäten in der Pflege thematisiert und Fragen eines diskriminierungssensiblen Umgangs mit Patient*innen, Angehörigen und Kolleg*innen diskutiert. Einen aktuellen Schwerpunkt bildet die Auseinandersetzung mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz in Bildungsprozessen und deren Potenzial für eine diversitätssensible Pflegeausbildung.
Die Verbindung von theoretischen Grundlagen, wissenschaftlichen Analysen und praxisnahen Beispielen macht deutlich, dass Vielfalt nicht als Randthema, sondern als zentrale Herausforderung und Chance für die Pflege verstanden werden muss.
2. Zielsetzung des Buches
Das Buch verfolgt das Ziel, ein differenziertes Verständnis von Diversität in Pflegebildung und Pflegepraxis zu fördern. Es möchte Fachpersonen, Lehrende, Studierende und weitere Interessierte für die vielfältigen Lebensrealitäten von Menschen im Gesundheitswesen sensibilisieren und Wege zu einer gerechteren und diskriminierungssensibleren Pflege aufzeigen.
Gleichzeitig wird angestrebt, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen und Impulse für die Weiterentwicklung von Bildungs- und Praxisprozessen zu geben. Die Herausgeber*innen machen deutlich, dass Diversität nicht nur als gesellschaftliche Realität wahrgenommen, sondern aktiv gestaltet werden sollte.
3. Aufbau und Struktur
Der Sammelband umfasst 354 Seiten und vereint Beiträge verschiedener Autor*innen aus Wissenschaft und Praxis. Die einzelnen Kapitel behandeln unterschiedliche Aspekte von Diversity und ermöglichen dadurch einen multiperspektivischen Zugang zum Thema.
Die Struktur erscheint logisch aufgebaut: Zunächst werden theoretische und konzeptionelle Grundlagen erläutert, anschließend folgen spezifische Vertiefungen zu einzelnen Diversitätsdimensionen sowie deren Bedeutung für Pflegebildung und Versorgungspraxis. Abschließend werden aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven aufgegriffen, etwa im Zusammenhang mit Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.
Durch die Vielfalt der Autor*innen entsteht ein facettenreiches Gesamtbild, das unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen und praktische Erfahrungsräume miteinander verbindet.
4. Verständlichkeit und Praxisbezug
Trotz der wissenschaftlichen Ausrichtung gelingt es den Beiträgen, komplexe Zusammenhänge nachvollziehbar darzustellen. Fachbegriffe werden in der Regel verständlich eingeführt und in größere Zusammenhänge eingeordnet.
Besonders hervorzuheben ist der Praxisbezug des Bandes. Viele Beiträge beschränken sich nicht auf theoretische Reflexionen, sondern zeigen konkrete Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten für Pflegeeinrichtungen, Bildungseinrichtungen und Lehrende auf. Dadurch wird die Relevanz der behandelten Themen für den Berufsalltag deutlich.
Studierende und Lehrende der Pflegepädagogik sowie Pflegefachpersonen können zahlreiche Anregungen für die eigene Praxis gewinnen. Gleichzeitig bietet das Buch eine fundierte wissenschaftliche Grundlage für vertiefende Diskussionen.
5. Kritische Anmerkungen
Wie bei vielen Sammelbänden führt die Vielfalt der Autor*innen zu unterschiedlichen Schreibstilen und einer teilweise variierenden Tiefe der Beiträge. Einzelne Themen werden sehr ausführlich behandelt, während andere Aspekte der Diversität möglicherweise noch stärker hätten vertieft werden können.
Darüber hinaus besteht die Gefahr gewisser inhaltlicher Überschneidungen zwischen den Kapiteln, da zentrale Begriffe wie Diversität, Diskriminierung oder Intersektionalität mehrfach aufgegriffen werden. Dies kann einerseits zur Vertiefung beitragen, andererseits aber Wiederholungen erzeugen.
Auch der hohe theoretische Anspruch einiger Beiträge könnte Leser*innen ohne Vorkenntnisse zeitweise herausfordern. Für Praktiker*innen, die vor allem konkrete Handlungsempfehlungen suchen, wären zusätzliche Fallbeispiele oder praxisorientierte Zusammenfassungen am Ende einzelner Kapitel hilfreich gewesen.
6. Fazit
Diversity in der Pflege – Vielfalt gestalten in Bildung und Praxis ist ein aktueller und relevanter Sammelband, der die Bedeutung von Diversität für Pflegebildung und Pflegepraxis umfassend beleuchtet. Die Herausgeber*innen und Autor*innen schaffen es, wissenschaftliche Reflexion mit praxisnahen Perspektiven zu verbinden und wichtige Impulse für eine diskriminierungssensible und zukunftsorientierte Pflege zu geben.
Das Werk eignet sich besonders für Studierende, Lehrende, Pflegewissenschaftler*innen und Pflegefachpersonen, die sich vertieft mit Fragen von Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Inklusion auseinandersetzen möchten. Trotz einzelner Wiederholungen und eines teilweise hohen theoretischen Niveaus stellt der Band einen wertvollen Beitrag zur aktuellen pflegewissenschaftlichen Diskussion dar und leistet einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung einer diversitätssensiblen Pflegekultur.
Für alle, die Gesundheitsberufe ausbilden:
Sichern Sie sich mit einem Abo der Zeitschrift Pädagogik der Gesundheitsberufe aktuelle Fachbeiträge zu Lehre, Didaktik, Praxisanleitung und Bildungsentwicklung – inklusive Online-Zugang zum Archiv.