
Autor/innen:
Jessica Pritzkow
Bibliographische Daten:
W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart, 1. Auflage 2026, 222 Seiten, 36,00 Euro, ISBN 978-3-17-044318-1
Janina Sondergeld,
Die Sicherung von Berufsnachwuchs gehört zu den drängendsten Aufgaben im Gesundheitswesen. Dabei entscheidet nicht allein erfolgreiches Recruiting darüber, ob Auszubildende ihren Beruf erlernen, ihre Ausbildung abschließen und anschließend im Unternehmen bleiben. Ebenso wichtig sind verlässliche Begleitstrukturen, attraktive Lernangebote und eine gute Abstimmung der beteiligten Lernorte. Jessica Pritzkow widmet sich deshalb einem Tätigkeitsfeld, das zunehmend an Bedeutung gewinnt, bislang jedoch weder einheitlich bezeichnet noch ausgestaltet ist: der Ausbildungskoordination. Die Autorin nähert sich diesem Feld aus der Praxis. Sie ist Pflegepädagogin, Praxisanleiterin sowie Gesundheits- und Krankenpflegerin und leitet die Ausbildungsabteilung in der Pflegedirektion des Universitätsklinikums Oldenburg. Diese Erfahrung prägt das Buch deutlich. Ausbildungskoordination erscheint nicht als rein administrative Funktion, sondern als pädagogische, organisatorische und entwicklungsorientierte Schnittstelle. Die Koordinatorin bzw -koordinator wird unter anderem als Bindeglied zwischen Theorie und Praxis, Ansprechpartner/in für Lernende und Praxisanleitende, Berater/in, Kooperationspartner/in und Impulsgeber/in beschrieben.
Das Buch führt in acht Kapiteln von der Rollenklärung zur konkreten Gestaltung. Nach Funktion und Zielen der Ausbildungskoordination werden die Gewinnung und Bindung von Berufsnachwuchs, die Verknüpfung der Lernorte, praxisnahe Lernsettings und die Stärkung der Praxisanleitung behandelt. Es folgen Kooperationen, Netzwerke und Interprofessionalität sowie Interviews, die unterschiedliche Ausprägungen des Tätigkeitsfeldes sichtbar machen. Das Fazit erweitert den Blick auf lebenslanges Lernen, Qualifikationsmix, Verantwortungsübernahme und berufliche Entwicklung.
Besonders überzeugend ist die Fülle konkreter Anregungen. Vorgestellt werden unter anderem Pre-Boarding, Ausbildungsbotschafter/innen, Lernstudios und Rotationseinsätze. Die Verbindung von Theorie, Praxis, Skills Labs, virtueller Realität und digitalem Lernen wird ebenso berücksichtigt wie verschiedene Methoden der Praxisentwicklung: „Schattentage“, „Lerninseln“, der „Room of Horror“, die „interprofessionelle Spurensuche“, „Journal Clubs“ und „interprofessionelle Ausbildungsstationen“. Auch Prüfungsbegleitung, dialogisches Arbeiten und Falldokumentationen werden aufgegriffen. Die Beispiele verdeutlichen, dass Ausbildungsqualität auf durchdachten didaktischen Konzepten, wertschätzenden Beziehungen, geeigneten Ressourcen und verlässlicher institutioneller Unterstützung beruht. Abbildungen, Tabellen und kurze Unterkapitel erleichtern die gezielte Nutzung des Buches als Ideensammlung für die Praxis.
Besonders gelungen ist die Verbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse mit dem Erfahrungswissen der Autorin. Zahlreiche Quellen aus den Jahren 2024 und 2025 unterstreichen die Aktualität. Der persönliche und motivierende Schreibstil macht die Inhalte gut zugänglich. Die Interviews zeigen zugleich, dass die Ausbildungskoordination kein standardisiertes Stellenprofil besitzt, sondern entsprechend den Bedingungen der jeweiligen Einrichtung ausgestaltet werden muss. Gerade deshalb ist die Beschreibung möglicher Aufgaben und Gestaltungsspielräume hilfreich. Pritzkow zeigt, wie Ausbildungskoordinator/innen die Zusammenarbeit zwischen Pflegeschule, Praxisanleitung, Einsatzorten und Auszubildenden unterstützen können. Auch rechtliche und organisatorische Aspekte werden an den thematisch passenden Stellen berücksichtigt. Die übersichtliche Gestaltung und die deutlich gegliederten Überschriften unterstützen den Charakter des Buches als Arbeits- und Nachschlagewerk.
Über die konkreten Aufgaben der Ausbildungskoordination hinaus behandelt die Autorin auch Themen wie Pädagogik, Persönlichkeitsbildung und lebenslanges Lernen. Damit erweitert sie den Blick über eine reine Beschreibung des Tätigkeitsfeldes hinaus. Angesichts der Fülle der behandelten Inhalte hätte eine abschließende Übersicht der wichtigsten Aufgaben und Verantwortungsbereiche die schnelle Orientierung zusätzlich erleichtert (siehe S. 192–194).
Zusammenfassend legt Pritzkow eine praxisnahe Darstellung eines hochaktuellen und noch wenig konturierten Handlungsfeldes vor. Das Buch macht nachvollziehbar, dass gute Ausbildung nicht nebenbei entsteht, sondern Zeit, Haltung, pädagogische Kompetenz, Kooperation und institutionellen Rückhalt benötigt. Empfehlenswert ist es insbesondere für Ausbildungs- und Praxiskoordinator/innen, Pflegedirektionen, Praxisanleitende sowie Pflege- und Berufspädagog/innen, die bestehende Strukturen weiterentwickeln oder eine Ausbildungskoordination neu aufbauen möchten.