Unter dem Motto „STAND UP & TEACH – Bildung in Gesundheitsberufen zwischen Haltung & Verantwortung“ fand am 14. und 15. September 2026 der Lernwelten-Kongress an der Technischen Universität Dresden statt. Mehr als 500 Teilnehmende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kamen zusammen, um aktuelle Fragen der Bildung in den Gesundheitsberufen zu diskutieren, neue Impulse zu gewinnen und Anregungen für die eigene Praxis mitzunehmen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Bildung in Gesundheitsberufen mit gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen umgehen kann. Gesundheitsbezogenes und pädagogisches Handeln ist immer auch soziales, politisches und ökologisches Handeln. Der Kongress bot Raum, über professionelle Haltung, Verantwortung, Teilhabe, Diversität und demokratische Lernkulturen zu sprechen – und gemeinsam nach zukunftsfähigen Lösungen zu suchen.
Die Lernwelten verstehen sich als Kongress an der Schnittstelle von Bildungswissenschaft und Bildungspraxis. Entsprechend vielfältig war das Programm: Kurzvorträge, Workshops, Posterpräsentationen, Diskussionsforen und interaktive Beiträge auf dem Markt der Möglichkeiten brachten Wissenschaft, Lehre und Berufspraxis miteinander ins Gespräch. Insgesamt umfasste das Programm rund 100 Beiträge und Formate – online und vor Ort.
Der Kongress wurde schwungvoll von der Band „Die pflegeleichten Vier“ eröffnet, die die Teilnehmenden mit humorvollen Texten auf die beiden Kongresstage einstimmte. In der anschließenden Begrüßungsrede machte der wissenschaftliche Vorstand deutlich, dass das Kongressmotto als klare Aufforderung zu verstehen sei: „Steht auf. Mischt euch ein. Übernehmt Verantwortung.“ Bildung in den Gesundheitsberufen müsse Menschen dazu befähigen, selbstständig zu denken, Widerspruch auszuhalten und Verantwortung zu übernehmen.
Den fachlichen Auftakt bildete die Keynote von Prof. Dr. Heidrun Herzberg „Jenseits der Kompetenzorientierung – warum Gesundheitsberufe eine ‚Metadidaktik‘ brauchen“. Darin richtete sie den Blick auf die Bedingungen, unter denen professionelle Bildung überhaupt möglich wird. Gesundheits- und Pflegeberufe, so Herzbergs zentrale These, lassen sich nicht auf die Anwendung von Wissen und Kompetenzen reduzieren. Professionelle Handlungsfähigkeit entsteht vielmehr in sozialen Beziehungen, durch Erfahrungen, Anerkennung und biographische Entwicklungsprozesse.
Persönliche Begegnungen und gemeinsamer Austausch prägten die Lernwelten über das gesamte Kongressprogramm hinweg. An den beiden Tagen luden moderierte Posterbegehungen und insbesondere der Markt der Möglichkeiten dazu ein, innovative Lehrkonzepte, digitale Lernumgebungen und neue Ansätze politischer Bildung kennenzulernen. Die große Industrie- und Fachausstellung präsentierte zudem aktuelle Produkte, Entwicklungen und Angebote von Institutionen, Unternehmen und Fachpartnern.
Inhaltliche und visuelle Impulse setzten in diesem Jahr zwei begleitende Ausstellungen: IN/VISIBLE CARE machte die sichtbaren und unsichtbaren Dimensionen von Pflegearbeit erfahrbar, während die Installation „Nähte, die Geschichten erzählen“ anhand bestickter Pflegekasacks ethische Dilemmata des Pflegealltags thematisierte und zur Reflexion einlud.
Beim Apéro konnten die Teilnehmenden den ersten Kongresstag in entspannter Atmosphäre ausklingen lassen und den persönlichen Austausch vertiefen. Für die musikalische Unterhaltung sorgten erneut „Die pflegeleichten Vier“, die mit ihrem Auftritt samt ungewöhnlichem Bühnen-Equipment – darunter auch Bettpfannen – für viele heitere Momente sorgten. Anschließend bot eine Stadtführung Gelegenheit, Dresden gemeinsam zu entdecken.
Ein weiteres Programmhighlight führte am zweiten Kongresstag an die Evangelische Hochschule Dresden. Bei der Führung „Zwischen Technik und Haltung – das SimLab der EHS Dresden“ konnten die Teilnehmenden Simulationsräume, Regieräume und technische Infrastruktur erkunden. Darüber hinaus ging es um hybride und immersive Lernumgebungen sowie um die Frage, wie professionelles Erfahrungswissen in der Pflegebildung sichtbar und lehrbar gemacht werden kann.
Die Lernwelten 2026 zeigten damit einmal mehr, was den Kongress auszeichnet: wissenschaftlich fundierte Impulse, praxisnahe Formate, interprofessionelle Vernetzung und Raum für persönliche Begegnungen. Sie machten deutlich, wie wichtig eine verantwortungsbewusste und zukunftsorientierte Pflege- und Gesundheitspädagogik ist.
Termin und Ort der Lernwelten 2027 finden Sie bald unter: www.lernwelten.info
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