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Skills4Dem entwickelt digitale Lernmodule für die Demenzpflege im Krankenhaus

29. September 2026

Foto: stock.adobe.com – StockPhotoPro

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HIn deutschen Krankenhäusern werden täglich fast 50.000 Menschen mit Demenz behandelt. Vier von fünf dieser Patient:innen zeigen nach Angaben des Projekts Skills4Dem ein sogenanntes herausforderndes Verhalten. Dazu zählen unter anderem Unruhe mit Hin- und Weglauftendenzen, häufiges Rufen sowie abwehrendes oder aggressives Verhalten bei Untersuchungen und Behandlungen.

Für Pflegefachpersonen kann der Umgang mit solchen Situationen mit erheblichem zusätzlichem Stress verbunden sein. Eskalationen belasten Betroffene, Angehörige und Beschäftigte und können sich auf Patientensicherheit und Versorgungsqualität auswirken. Das Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) entwickelt deshalb gemeinsam mit der EUROKEY Software GmbH ein digitales Lern- und Unterstützungssystem für die Pflege im Krankenhaus.

Das Projekt Skills4Dem wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert. Ein erster Prototyp wird im Rahmen der Welt-Alzheimerwoche der Fachöffentlichkeit vorgestellt.

Lernmodule für den Einsatz im Krankenhaus

Die digitalen Lernmodule sollen Pflegefachpersonen dabei helfen, die Hintergründe herausfordernden Verhaltens besser zu verstehen und Handlungsmöglichkeiten für den Pflegealltag zu entwickeln. Die Einheiten sind kurz, anschaulich und interaktiv gestaltet. Dabei berücksichtigen sie die besonderen Bedingungen im Krankenhaus.

Die Lerninhalte werden mit der kostenfreien Open-Source-Lernumgebung Moodle entwickelt. Krankenhäuser und andere Einrichtungen sollen die Module in ihre eigenen Lernumgebungen integrieren und erweitern können. Künstliche Intelligenz unterstützt die visuelle und didaktische Aufbereitung der Inhalte sowie die Übersetzung in weitere Sprachen.

Zusätzlich entsteht eine digitale App. Sie soll Pflegefachpersonen in konkreten Belastungssituationen schnell zugängliche und praxisnahe Hilfestellungen bieten. Die für die jeweilige Situation relevanten Inhalte stehen dadurch auch mobil zur Verfügung. Lernmodule und App werden in mehreren Sprachen entwickelt und richten sich damit auch an Beschäftigte mit nichtdeutscher Muttersprache.

Erstes Modul erklärt die Lebenswelt von Menschen mit Demenz

Das erste Lernmodul trägt den Titel „Menschen mit Demenz verstehen“. Es wird am 24. September 2026 beim Internationalen Demenzkongress Saar-Lor-Lux in Saarlouis von Dr. Sabine Kirchen-Peters vom iso-Institut und Ludwig Kuhn von EUROKEY vorgestellt. Am 25. September präsentiert Prof. Dr. Claudia Eckstein vom iso-Institut das Konzept beim Gerontologie- und Geriatrie-Kongress 2026 in Frankfurt.

Die zehn- bis 15-minütige Lerneinheit vermittelt grundlegendes Wissen über das Krankheitsbild. Sie thematisiert zentrale Formen, Ursachen und typische Symptome der Demenz und bezieht biographische sowie psychosoziale Zusammenhänge ein.

Im Krankenhaus können Wahrnehmung, Orientierung und Kommunikationsfähigkeit von Menschen mit Demenz deutlich verändert sein. Dadurch sind ihre Reaktionen für Pflegefachpersonen nicht immer leicht einzuordnen. Dies gilt insbesondere, wenn Betroffene ihre Bedürfnisse und Empfindungen nicht unmittelbar ausdrücken können.

Das Modul vermittelt, dass Vergessen, Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit und herausforderndes Verhalten nicht nur als Störungen betrachtet werden sollten. Sie können auch Ausdruck einer veränderten Wahrnehmung, Interaktion und Kommunikation mit der Umwelt sein. Pflegefachpersonen sollen dadurch mehr Sicherheit gewinnen, um Menschen mit Demenz in Diagnostik, Behandlung und Pflege professionell, geschützt und würdevoll zu begleiten.

Sieben weitere Module in Entwicklung

Neben dem ersten Prototyp entstehen sieben weitere Lernmodule:

  • „Medizinische Grundlagen vertiefen“
  • „Menschen mit Demenz bei Schmerzen unterstützen“
  • „Menschen mit Demenz vor Delir schützen und mit Delir begleiten“
  • „Förderung der Orientierung durch demenzsensible Umgebungsgestaltung“
  • „Multiple Auslöser von Unruhe bei Menschen mit Demenz erkennen und bearbeiten“
  • „Menschen mit Demenz aktivieren und sinnstiftend beschäftigen“
  • „Menschen mit Demenz durch Angehörigenarbeit besser verstehen und zielführend unterstützen“

Das iso-Institut identifiziert die fachlichen Inhalte und bereitet sie didaktisch auf. Mit Unterstützung externer Fachgruppen untersucht es außerdem die wissenschaftliche Qualität und die Praxistauglichkeit der digitalen Anwendungen. In der Transferphase sollen die Auswirkungen des Lern- und Unterstützungssystems auf die Patientensicherheit und die Entlastung der Pflegenden betrachtet werden.

Nach dem Ende des Projekts im Dezember 2027 sollen die Lernmodule und die App den Akutkrankenhäusern im Saarland kostenfrei zur Verfügung stehen.

Wissenschaftliche Ansprechpartnerin:
Dr. Sabine Kirchen-Peters
Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) e.V.
Trillerweg 6866117 Saarbrücken
Telefon: +49 681 9 54 24-25
Telefax: +49 681 9 54 24-27
E-Mail: kirchen-peters@iso-institut.de


Zur Pressemitteilung: https://idw-online.de/de/news877804

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