Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) Nordwest kritisiert die kurzfristige Kürzung von Fördermitteln für das Pflegestudium in Hamburg. Betroffen ist der einzige Studiengang der Stadt, der Pflegefachpersonen nach den Vorgaben des Pflegeberufegesetzes für eine Lehrtätigkeit an Pflegeschulen qualifiziert. Nach Einschätzung des Verbands drohen dadurch erhebliche Folgen für die Ausbildung und die regionale Versorgung.
„Das ist ein gefährlicher bildungspolitischer Rückschritt“, sagt Lili Mallée, Vorstandsmitglied des DBfK Nordwest. Hamburg spare ausgerechnet bei der Qualifizierung dringend benötigter Lehrpersonen und gefährde damit die Zukunft der Pflegeausbildung.
Konkret geht es um den Masterstudiengang „Pflege- und Therapiewissenschaften“ der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW Hamburg) und der Universität Hamburg. Zum kommenden Wintersemester sollten dort Pflegefachpersonen für die Ausbildung von Pflegefachpersonen an beruflichen Schulen qualifiziert werden. 32 Bewerber:innen erhielten jedoch wenige Wochen vor Studienbeginn eine Absage.
Einen vergleichbaren Qualifizierungsweg gibt es in Hamburg nach Angaben des DBfK Nordwest nicht. „Das sind 32 potenzielle Lehrpersonen, die Hamburg verloren gehen. Und das wird sich an den Pflegeschulen bemerkbar machen“, warnt Mallée.
Übergangsregelungen laufen Ende 2029 aus
Bereits heute fehlt es in Hamburg an Pflegepädagog:innen mit einem einschlägigen Masterabschluss. Deshalb beschäftigen viele Pflegeschulen Lehrpersonen, die entweder auf Bachelorniveau oder in einem verwandten Masterstudiengang ausgebildet wurden. Formal erfüllen sie damit nicht die regulären Voraussetzungen für eine Lehrtätigkeit in der Pflegeausbildung.
Möglich ist ihr Einsatz derzeit aufgrund einer Übergangsfrist und entsprechender Ausnahmeregelungen im Pflegeberufegesetz. Diese Regelungen laufen Ende 2029 aus. Bis 2030 müssen sich die betroffenen Lehrpersonen mit einem pflegepädagogischen Masterabschluss nachqualifizieren, wenn sie ihre Tätigkeit weiter ausüben wollen.
Entfällt nun der einzige Studiengang, der diese Qualifizierung in Hamburg ermöglicht, könnte sich der Lehrkräftemangel an den Pflegeschulen weiter verschärfen. Im schlimmsten Fall drohe bereits in wenigen Jahren ein Zusammenbruch der Ausbildungskapazitäten.
Auch Bachelorstudiengang von Kürzungen betroffen
Der DBfK Nordwest fordert den Hamburger Senat auf, den Masterstudiengang „Pflege- und Therapiewissenschaften“ dauerhaft finanziell abzusichern und die akademische Ausbildung in der Pflege insgesamt zu stärken.
Parallel wurden nach Angaben des Verbands auch Mittel für den Hamburger Bachelorstudiengang Pflege gekürzt. Die Hochschulen müssten das Angebot nun aus eigenen Ressourcen weiterführen.
„Wer heute an der Qualifizierung von Lehrpersonen spart, zahlt morgen einen sehr viel höheren Preis: weniger Ausbildungsplätze, weniger Pflegefachpersonen und eine schlechtere regionale Gesundheitsversorgung“, betont Mallée. Eine solche Entwicklung könne nicht im Interesse des Hamburger Senats liegen.
Der DBfK Nordwest sieht die Finanzierung der Studiengänge als zentrale Voraussetzung dafür, dass ausreichend qualifizierte Lehrpersonen zur Verfügung stehen und die Pflegeausbildung langfristig gesichert werden kann.
Zur Pressemitteilung: https://www.dbfk.de/de/newsroom/pressemitteilungen/meldungen/2026/2026-08-27-kuerzungen-beim-pflegestudium-an-hamburgs-pflegeschulen-droht-ein-kollaps.php