Gesundheitsberufe im Wandel: Komplexe Herausforderungen, Chancen und Trends

institutionlogo29089Gesundheitsberufe im Wandel: Komplexe Herausforderungen, Chancen und Trends

Zunehmende Digitalisierung und medizinischer Fortschritt auf der einen, Fachkräftemangel und demographischer Wandel auf der anderen Seite: Das Gesundheitswesen steht vor einem Umbruch und sieht sich mit tiefgreifenden Veränderungen konfrontiert. „Die Akademisierung der Branche muss dringend vorangetrieben werden – nur so lassen sich die komplexen Herausforderungen der Zukunft meistern“, sagt Prof. Dr. David Matusiewicz, Dekan und wissenschaftlicher Direktor des ifgs Instituts für Gesundheit & Soziales an der FOM Hochschule. Im Interview spricht der Experte für Medizinmanagement über die aktuellen Entwicklungen, gefragte Kompetenzen und die vielseitigen Karrierechancen im Gesundheitssektor.

Herr Professor Matusiewicz, wie wird sich das Gesundheitswesen in den nächsten Jahren entwickeln? 

Prof. Dr. David Matusiewicz: Die Gesundheitsbranche zeichnet sich bislang vor allem dadurch aus, dass verschiedene Bereiche nebeneinander koexistieren – die ambulante Versorgung, die stationäre Versorgung, die Rehabilitation und die Pflege. In Zukunft wird sich das Gesundheitswesen dahingehend wandeln, dass es zu einer Verzahnung der Bereiche mit stärkerer interprofessioneller Zusammenarbeit und vernetzten Teams kommt – und das unterstützt durch digitale Tools und Prozesse. Es wird hier nicht nur zunehmend interprofessionelle Berufe, sondern auch völlig neue Berufe und Berufsfelder geben. Für die Gesundheitsbranche ist dieser Wandel eine große Herausforderung, da sie in einem Spannungsfeld steht: Zum einen wären da der hohe Kostendruck und knappe wirtschaftliche Ressourcen, zum anderen die Notwendigkeit, Innovationen in die Gesundheitsversorgung zu bringen, dabei jedoch das klassische Kerngeschäft nicht aus den Augen zu verlieren. Hinzu kommt, dass beim Gesundheitspersonal neue Kompetenzen gefragt sind, die es aufzubauen gilt. Führungskräfte müssen außerdem lernen, exponentiell statt linear zu denken – sprich mit einem zukunftsorientierten, vorausschauenden Verständnis für neue Technologien und Entwicklungen. 

Welche Kompetenzen sind zukünftig – oder auch schon heute – im Gesundheitswesen besonders wichtig? 

Prof. Matusiewicz: Im Zuge des beschriebenen Wandels sind verschiedene Future Skills entscheidend. So zählt neben umfassenden Digitalkenntnissen vor allem die Fähigkeit des agilen und kollaborativen Arbeitens zu einer wichtigen Kompetenz. Gleichzeitig kommt es zunehmend darauf an, ein breites Wissen aufzubauen, immer auf dem neuesten fachlichen Stand zu sein und über den Tellerrand zu schauen. Denn die Aufgaben und Tätigkeitsprofile in der Gesundheitsbranche entwickeln sich in einer enormen Geschwindigkeit weiter und werden dabei immer vielseitiger und komplexer. Nehmen wir zum Beispiel den Pflegesektor: Durch den Einsatz neuer Technologien wird sich der Pflegeberuf in den nächsten Jahren stark verändern. Die FOM Hochschule hat daher in Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Essen im bundesweit einmaligen Bachelor-Studiengang „Pflege & Digitalisierung“ neue Kompetenzen definiert, die für den „smarten Pflegenden“ von morgen wichtig sind – also einen Pflegenden, der die Digitalisierung als starkes Instrument versteht und so mehr Zeit für mehr Menschlichkeit innerhalb seiner Kernaufgaben hat. (Anm.: Der FOM Bachelor-Studiengang „Pflege & Digitalisierung“ wird aktuell in Essen, Mainz und Saarbrücken angeboten.)

Wie kann es also Beschäftigten im Gesundheitssektor gelingen, mit diesen Veränderungen Schritt zu halten? 

Prof. Matusiewicz: Berufliche Weiterbildung ist wichtig – sei es eine umfassende akademische Ausbildung im Rahmen eines berufsbegleitenden Studiums oder durch Microlearning, bei dem passgenaues Wissen für spezifische Themen erworben wird. Die FOM bietet im Hochschulbereich „Gesundheit & Soziales“ ein breites Spektrum berufs- bzw. ausbildungsbegleitender Studiengänge an. Zur Auswahl stehen neben „Pflege & Digitalisierung“ verschiedene Bachelor-Studiengänge wie „Gesundheits- und Sozialmanagement“, „Gesundheitspsychologie & Medizinpädagogik“ oder „Pflegemanagement“; Studieninteressierte mit einem ersten Hochschulabschluss können sich beispielsweise für einen Master in „Public Health“ oder „Betriebliches Gesundheitsmanagement“ einschreiben. Im Trendbereich Microlearning hat die FOM zudem eine Vielzahl an Hochschulzertifikaten entwickelt, die aktuelles Fachwissen zu einem bestimmten Thema bündeln und sich sogar auf ein FOM Studium anrechnen lassen. 

Warum ist die akademische Aus- und Weiterbildung im Gesundheitswesen so wichtig? Lassen sich die erforderlichen Kompetenzen nicht auch einfach „on the job“ erwerben? 

Prof. Matusiewicz: Das Gesundheitswesen ist geprägt von Tätigkeiten, die sehr spezielle Kenntnisse über die besonderen Marktspezifika erfordern, da sich diese teils grundlegend von anderen Märkten unterscheiden – allein schon der ganze Bereich Finanzierung. Das berufs- bzw. ausbildungsbegleitende Studium an der FOM vermittelt neben diesen praxisorientierten Fachkompetenzen auch generalistisches akademisches Wissen, das der zukünftigen Entwicklung – und damit der engeren Verzahnung verschiedener Gesundheitssektoren und Branchen – Rechnung trägt. Die Studierenden beschäftigen sich unter anderem mit Projektmanagement, mit Qualitätsmessung und vor allem auch mit Digitalthemen – gerade hier gibt es einen riesigen Nachholbedarf von mindestens zehn Jahren im Vergleich zu anderen Branchen wie dem Handel oder Automotive! Sie werden dazu befähigt, einen Blick für das „große Ganze“ zu bekommen, Unternehmen und Einrichtungen strategisch und zukunftsorientiert zu steuern und das ohne die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten bzw. der Kundinnen und Kunden aus den Augen zu verlieren. All das sind Fähigkeiten, für die zunehmend eine akademische Aus- bzw. Weiterbildung wichtig ist. 

Welche beruflichen Perspektiven stehen Absolventinnen und Absolventen eines solchen Studiums offen? Wie sieht es mit Aufstiegschancen aus?

Prof. Matusiewicz: Die Gesundheitsbranche ist ein Zukunftsmarkt, der vielerlei Perspektiven bietet. Statt mit Verwaltungsunternehmen haben wir es immer häufiger mit Managementunternehmen zu tun. „Klassische“ BWLer haben zwar das betriebswirtschaftliche Wissen, ihnen fehlen jedoch die speziellen Branchenkenntnisse. Absolventinnen und Absolventen eines berufs- oder ausbildungsbegleitenden Studiums im Bereich „Gesundheit & Soziales“ bringen hingegen ein Gesamtpaket aus branchenspezifischer Fachexpertise und passgenauen BWL- und Management-Kenntnissen mit. Das eröffnet ihnen vielfältige Karrierewege – natürlich auch auf Führungsebene.


 Originalartikel: https://idw-online.de/de/news791524

Mehr Menschen beginnen eine Ausbildung in der Pflege

pflegesituationMehr Menschen beginnen eine Ausbildung in der Pflege

Die neuen Pflegeausbildungen sind attraktiv, das Interesse am Zukunftsberuf Pflege ist groß - das zeigen die Ausbildungszahlen für das Jahr 2021. Das Bundesfamilienministerium unterstützt die Einführung der neuen Pflegeausbildung mit der Ausbildungsoffensive Pflege.

Am 29. März hat das Statistische Bundesamt (Destatis) die Ausbildungszahlen für die Pflegeausbildung im Jahr 2021 bekannt gegeben: 61.458 Auszubildende haben eine Ausbildung in der Pflege begonnen. Das waren sieben Prozent mehr als im Jahr 2020. Trotz der negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt konnten die hohen Ausbildungszahlen im zweiten Ausbildungsjahrgang weiter gesteigert werden. 

Die Zahlen zeigen, dass die neuen Pflegeausbildungen nach dem Pflegeberufegesetz attraktiv sind und die Maßnahmen der Ausbildungsoffensive Pflege wirken. Das Bundesfamilienministerium hatte die Offensive im Januar 2019 gestartet.

Die neue Pflegeausbildung

Seit 1. Januar 2020 erhalten die Auszubildenden zum Pflegefachmann oder zur Pflegefachfrau eine modernere und vielfältige Ausbildung, die in der gesamten Europäischen Union (EU) automatisch anerkannt wird. Das Schulgeld wurde abgeschafft und eine angemessene Ausbildungsvergütung sichergestellt. Informationen zur neuen Pflegeausbildung und zur Ausbildungsoffensive Pflege bietet das Informationsportal "Pflegeausbildung" des Bundesfamilienministeriums.

Mehr Auszubildende gewinnen

Die Partnerinnen und Partner der Ausbildungsoffensive Pflege vereinbarten 111 Maßnahmen, um gut ausgebildete und engagierte Pflegefachkräfte für das Berufsfeld zu gewinnen und Pflegeschulen sowie ausbildende Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen bei der Umstellung auf die neuen Ausbildungen zu unterstützen. Zu den Maßnahmen gehören unter anderem eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit und ein Förderprogramm, um die notwendigen Lernortkooperationen über die Länder zu unterstützen. Außerdem wurde das Beratungsteam Pflegeausbildung des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) personell aufgestockt.

 


 

Die Ausbildungsoffensive Pflege
Das Bundesfamilienministerium hat die Ausbildungsoffensive Pflege im Januar 2019 im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege erarbeitet und gestartet, um die Einführung der neuen Pflegeausbildungen nach dem Pflegeberufegesetz aktiv zu begleiten. Sie wird bis zum Abschluss des ersten Ausbildungsjahrgangs nach dem Pflegeberufegesetz Ende 2023 durchgeführt.
Partnerinnen und Partner der Offensive sind neben dem Bund, den Ländern und Kommunen alle in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege relevanten Akteurinnen und Akteure. Ein wesentliches Ziel der Ausbildungsoffensive ist es, die Zahl der Auszubildenden im Bundesdurchschnitt innerhalb der Laufzeit der Ausbildungsoffensive Pflege um zehn Prozent zu steigern.


 Foto: Die neuen Pflegeausbildungen sind attraktiv, die Ausbildungszahlen steigen © BMFSFJ

Universität Trier bietet Promotionen in der Pflegewissenschaft an

institutionlogo28293Universität Trier bietet Promotionen in der Pflegewissenschaft an

Im Jahr 2022 richtet die Universität Trier ein Nursing Graduate Center ein, das die Promotion zum Dr. rer. cur. ermöglicht.

Damit wird die Universität Trier den vollständigen akademischen Qualifikationsweg in der Pflege, vom Bachelor bis zur Promotion, auf universitärem Niveau anbieten und wird der zentrale Standort in Rheinland-Pfalz für pflegewissenschaftliche Promotionen. 

Die Universität Trier leistet auf diese Weise einen wesentlichen Beitrag, Rheinland-Pfalz in der pflegewissenschaftlichen Forschung zu stärken und nach internationalem Vorbild die Weiterentwicklung der Pflege in Deutschland voranzutreiben. Um diese Entwicklungsaufgabe erfolgreich anzugehen, braucht es akademische Qualifikationswege. So zeigen internationale Erfahrungen, dass akademisch qualifizierte Pflegende die Qualität der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung erheblich verbessern und einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlich fundierten Weiterentwicklung bedarfsgerechter Versorgung leisten. „Angesichts der Herausforderungen, vor denen wir im Gesundheitswesen aktuell stehen, ist die Pflegewissenschaft wichtiger denn je, um einen Beitrag für zukunftsfähige Problemlösungen zu leisten. Daher freue ich mich, dass wir die Pflege an der Universität Trier frühzeitig unter anderem mit vier neuen Professuren gestärkt haben. Damit hat die Landesregierung vorausschauend die Voraussetzungen dafür geschaffen, die Gesundheitsversorgung in Rheinland-Pfalz auf einem hohen Niveau zu halten und sowohl Fachkräfte als auch wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden", betonte Wissenschaftsminister Clemens Hoch.

Das Nursing Graduate Center Trier wird stufenweise ausgebaut. Zu den ersten Stufen des Ausbaus gehören die Etablierung eines themenspezifischen Graduiertenkollegs und hochschulübergreifender Forschungsvorhaben in der Pflegewissenschaft, in denen Promovierende gemeinsam forschen. Hier kann die Universität Trier bereits auf gewinnbringende Erfahrungen aus anderen Fächern zurückgreifen. Dabei besteht ein hohes Interesse der Universität Trier im Nursing Graduate Center perspektivisch die pflegewissenschaftliche Expertise in Rheinland-Pfalz über die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulstandorten zu bündeln. Dazu gehören beispielsweise die Katholische Hochschule Mainz oder die Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen. Hinzu kommt der Ausbau universitärer Netzwerke zur Ermöglichung standortübergreifender Promotionen. 

Ein aktuelles Umsetzungsbeispiel ist das gemeinsame Forschungskolleg mit der Hochschule Trier. Hier arbeiten Expertinnen und Experten aus Pflege und Gesundheitspsychologie mit den Therapiewissenschaften zusammen. Aus dieser Kooperation werden mehrere, für die Praxis relevante Promotionen hervorgehen. In Projekten mit anderen Universitäten arbeitet der wissenschaftliche Nachwuchs aktuell z. B. an der Entwicklung eines Fragebogens zur wissenschaftlichen Erfassung von Stresssymptomen bei Intensivpflegekräften, des Weiteren an der Untersuchung der Bedeutung von körperlicher Aktivität bei Brustkrebspatientinnen.

Die Promotionsvorhaben im Fach Pflegewissenschaft werden von fünf Professuren getragen, die ein breites Forschungsfeld bedienen. Exemplarisch können folgende Themengebiete aufgeführt werden: Gerontologie und Palliative Care (d. h. die Versorgung in der letzten Lebensphase), Diagnostik, E-Health, psychosoziale und verhaltensbezogene Faktoren chronischer Erkrankungen und Versorgungsforschung mit den Schwerpunkten Patientenzentrierung, Versorgungsqualität, Gesundheitskompetenz sowie Public Health Nursing und neue Technologien. Das Graduiertenzentrum der Universität Trier (GUT) unterstützt Promovierende als zentrale Anlaufstelle mit Beratungsangeboten und wissenschaftlichen Austausch- und Weiterqualifikationsmöglichkeiten.

Die Qualitätssicherung, die auch über diese Einrichtung gewährleistet wird, steht selbstverständlich am Anfang jeder Zusammenarbeit. Die Promotionsmöglichkeit in der Pflegewissenschaft an der Universität Trier steht qualifizierten Interessentinnen und Interessenten in Kürze auf der Grundlage einer eigenen Promotionsordnung offen, spätestens ab der zweiten Jahreshälfte 2022. Vorgespräche mit den Professorinnen und Professoren des Faches sind bereits ab sofort möglich. Promotionen erfolgen im Rahmen der vorhandenen Qualifikationsstellen oder im Zusammenhang mit Drittmittelvorhaben. Bei fachlicher Passung und Erfüllung der Qualifikationskriterien der Promotionsordnung ist - wie die oben erwähnten Beispiele zeigen - auch die Betreuung externer sowie kooperativer Promotionsvorhaben mit anderen Hochschulen vorgesehen. 

„Mit dem Nursing Graduate Center vollenden wir einen langen Entwicklungsprozess, der im Jahr 2014 mit der Einrichtung eines zunächst dualen Studiengangs Klinische Pflege begonnen hat. Damit ist die Universität Trier einen weiteren Schritt in Richtung Gesundheitscampus gegangen und signalisiert ihre Ausbaupläne zu diesem Themenfeld in Rheinland-Pfalz. Zugleich geht von dieser Gründung auch ein Signal über die Grenzen unseres Bundeslandes aus,“ sagte der Präsident der Universität Trier, Prof. Dr. Michael Jäckel, der den Auf- und Ausbau des Faches Pflegewissenschaft maßgeblich begleitet und mitgestaltet hat.


Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Melanie Messer
Pflegewissenschaft II
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Tel. +49 651 201-1908