INTRO NW: MAGS fördert generalistische Pflegeausbildung in NRW

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Der Plan geht auf: Die vereinheitlichte Pflege-Ausbildung hat in NRW die Nachfrage spürbar steigen lassen. Jetzt nimmt die Landesregierung zusätzliches Geld in die Hand, um eine hohe Ausbildungsqualität abzusichern.

Altenpflege, Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege – diese lange bestehende Dreiteilung und starre Struktur der Pflegeausbildung ist seit dem 1. Januar 2020 mit dem Inkrafttreten des Pflegeberufegesetzes bundesweit aufgehoben. Mit dem Gesetz sollte der Fachkräftemangel in der Pflege behoben oder zumindest abgemildert werden. Die drei Berufe wurden deshalb zusammengeführt: Dieser neue generalistische Ansatz in der Ausbildung zur Pflegefachfrau oder zum Pflegefachmann legt künftig den Grundstein für die Anerkennung des gesamten Berufstands „Pflege“.

Die Auszubildenden lernen dabei alle Aspekte und Facetten der modernen Pflege kennen. Im letzten Lehrjahr vertiefen sie ihr Wissen und ihre Fähigkeiten dann auf einem der drei ursprünglichen Teilgebiete der Pflege in der Praxis. Dieses Modell soll die Attraktivität des Pflegeberufes erhöhen und den Absolventen mehr Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt ermöglichen.

Die erste Bilanz in Nordrhein-Westfalen (NRW) nach den ersten 22 Monaten fällt positiv aus: Fast 15.900 Auszubildende starteten als Pflegefachfrau oder Pflegefachmann allein im vergangenen Jahr. Das nordrhein-westfälische Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales (MAGS) stellt fest: Damit sei die Anzahl derjenigen, die eine Ausbildung zur Pflegefachkraft aufgenommen haben, um fast zehn Prozent höher als 2019.

Das MAGS weitet nun die Förderung für die Ausbildung in der Pflege aus. Die 356 Pflegeschulen, die 3.079 Träger der praktischen Ausbildung und die Hochschulen sollen in den kommenden drei Jahren mit dem Projekt „INTRO NW – Implementierung des Pflegeberufegesetzes in Nordrhein-Westfalen qualitativ hochwertig und zukunftssicher gestalten" bei der Umsetzung der neuen Pflegeausbildung unterstützt werden.

„Die generalistische Pflegeausbildung ist attraktiv, zukunftsfähig und ein zentraler Baustein zur Fachkräftesicherung", macht Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann deutlich. „Sie stellt allerdings auch hohe Anforderungen an alle, die sich in die Ausbildung einbringen. INTRO NW soll die Beteiligten künftig bei diesen Herausforderungen unterstützen und die Ausbildung perspektivisch noch attraktiver machen.“

Rund 1,1 Millionen Euro stellt das Land für INTRO NW bereit. Damit soll die fachliche Weiterentwicklung und Fortbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Pflegeschulen, bei den Trägern der praktischen Ausbildung und in den Hochschulen unterstützt werden. Durchgeführt wird „INTRO NW" durch die Dienstleistung, Innovation, Pflegeforschung GmbH (DIP) und das Bielefelder Alters-lnstitut. Das Projekt gliedert sich in die vier Umsetzungsbereiche „Pflegeschulen“, „praktische Ausbildung in der Pflege“, „Pflegepädagogik“ und „Hochschulen“. Im Bereich „Pflegeschulen“ werden diese beispielsweise bei der Implementierung von Lehrplänen begleitet. Im Bereich „Pflegepädagogik“ werden dagegen unter anderem qualitative Kriterien für das digitale Lernen entwickelt.

Weitere Informationen

Weitere Informationen finden Sie aufbereitet in einer Präsentation hier.


 Originalartikel: https://www.kgnw.de/presse/aktuelles/2021-10-19-intro-nw-mags-foerdert-generalistik

Geburtshilfe: Hebammengeleitete Geburten in der Klinik bewähren sich

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    Eine jüngst publizierte Studie analysiert die Hebammengeleiteten Geburten an der Frauenklinik des Inselspitals von 2006 bis 2019: Das Team von Prof. Daniel Surbek zeigt, dass die Hebammengeburt bei Schwangerschaften mit niedrigem Risiko eine sichere Option ist.

    Ein Kind kommt zur Welt: Das Ereignis des Gebärens ist für werdende Eltern tiefgreifend, feierlich, mit Hoffnungen, Ängsten und Freuden verbunden. Eine wachsende Zahl von schwangeren Frauen sieht in der Hebammengeburt eine Chance, den besonderen Moment einer Geburt aktiv mit zu gestalten. Als Hebammengeburt wird eine Geburt bezeichnet, die von einer Hebamme geleitet wird und ohne ärztliche Anwesenheit abläuft. Daher spricht man von hebammengeleiteter Geburt, im Gegensatz zu der üblichen Geburtsbetreuung bei der sowohl Hebamme wie Ärztin die Geburt betreuen. Dabei spielt der persönliche, intime Rahmen und ein möglichst weitgehender Verzicht auf medizinische Interventionen eine wichtige Rolle. Bei einer Hebammengeburt in der Klinik kann zugleich dem Bedürfnis der Gebärenden entsprochen werden, im Falle eines unerwartet auftretenden Problems, die modernen medizinischen Versorgungsmöglichkeiten in Anspruch nehmen zu können. In der vorliegenden Studie wurden Erfahrungen aus über 500 geplanten Hebammengeburten aus 14 Jahren an der Frauenklinik des Inselspitals analysiert.

    Vorabklärungen wichtig
    Nicht jede Geburt kann als Hebammengeburt geplant werden. Sowohl der Gesundheitszustand und allfällige Vorbelastungen der Mutter, die Entwicklung des Fetus, wie auch der Verlauf der Schwangerschaft werden mit definierten Kriterien abgeklärt. Wenn allfällige Risiken ausgeschlossen sind und die Frau eine Hebammengeburt wünscht, wird diese entsprechend geplant.

    Über die Hälfte der geplanten Hebammengeburten ohne ärztliche Unterstützung
    Über die Hälfte aller geplanten Hebammengeburten konnte ohne ärztliche Unterstützung stattfinden. Bei den anderen Fällen (43%) war ein ärztlicher Beizug und allenfalls eine medizinische Intervention notwendig. In den meisten Fällen handelte es sich dabei um einen ungewöhnlichen Geburtsverlauf, eine Beeinträchtigung des Zustandes des ungeborenen Kindes, ein Wunsch nach Periduralanästhesie zur Schmerzlinderung oder allenfalls um eine Notwendigkeit der medikamentösen Geburtseinleitung. In nur rund 5% der geplanten Hebammengeburten musste die Entbindung letztendlich per Kaiserschnitt erfolgen, und lediglich 1% aller Neugeborenen mussten auf der Intensivpflegeabteilung für Neugeborene betreut werden.

    Adäquate Versorgung in der Geburtshilfe
    In der öffentlichen Diskussion wird in jüngerer Zeit vermehrt thematisiert, dass die medizinische Versorgung in der Geburtshilfe adäquat sein müsse und medizinische Interventionen, wenn möglich vermieden werden sollten. In diesem Zusammenhang scheint die Hebammengeleitete Geburt in einer Klinik ein zielführender Weg zu sein. Die Erstautorin Dr. med. Ann-Katrin Morr, Oberärztin an der Universitätsklinik für Frauenheilkunde erläutert: «Die Studie liefert dazu nun Zahlen: In der Schweiz kommen 97 von 100 Kindern in Kliniken zur Welt. An der Frauenklinik waren während des Beobachtungszeitraums der Studie von 2006 bis 2019 insgesamt 2.6% der Geburten geplante Hebammengeburten auf Wunsch der Frauen. Gut die Hälfte davon fand ohne ärztliche Unterstützung statt. Die Zahl der hebammengeleiteten Geburten in Kliniken hat demnach ein grosses Potential an unserer Klinik und in der ganzen Schweiz»

    Geringere Kosten bei hebammengeleiteten Geburten in der Klinik?
    Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Co-Klinikdirektor und Chefarzt der Universitätsklinik für Frauenheilkunde führt weiter aus: «Die Studie zeigt, dass die Hebammengeburt bei schwangeren Frauen mit niedrigem Risiko eine sichere Option ist. Ob die Gesamtkosten geringer sind als bei der Geburt mit Betreuung durch Hebamme und Ärztin gemeinsam prüfen wir zur Zeit in einer vertieften ökonomischen Analyse.»

    Fazit des Forschungsteams
    Das Forschungsteam zieht eine positive Bilanz. Es besteht das Potential, in der Schweiz diese Art der Geburtsbetreuung zu erweitern und zu fördern. Die Leitende Hebamme Frau Andrea Messer sagt: «Insbesondere die Hebammengeburt mit einer Beleghebamme, welche die Frau bereits während der Schwangerschaft betreut und dann in der Klinik die Entbindung leitet, erfreut sich bei den schwangeren Frauen zunehmender Beliebtheit.»


    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    - Dr. med. Ann-Katrin Morr, Oberärztin, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital, Universitätsspital Bern
    - Andrea Messer, Stationsleiterin Geburtsstation, Hebamme, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital, Universitätsspital Bern
    - Prof. Dr. med. Daniel Surbek, Co-Klinikdirektor und Chefarzt Geburtshilfe und feto-maternale Medizin, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital, Universitätsspital Bern


    Originalpublikation:

    Morr, AK., Malah, N., Messer, A.M. et al. Obstetrician involvement in planned midwife-led births: a cohort study in an obstetric department of a University Hospital in Switzerland. BMC Pregnancy Childbirth 21, 728 (2021).
    https://doi.org/10.1186/s12884-021-04209-2

    Logopädie: Wie eine App den Heimalltag bereichert

    Das Team des logopädischen Forschungsprojekts BaSeTaLK der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) und der Katholischen Hochschule Mainz (KH Mainz) erprobt eine App zur Förderung der Lebensqualität von Senior*innen in Pflegeeinrichtungen durch biographisch-orientierte Gespräche.

    „Jetzt schaltet er sich rein, strahlt immer und sieht aus, als wäre er zehn Jahre jünger“, freut sich eine der ehrenamtlichen Gesprächsleiterinnen über die Entwicklung eines Heimbewohners während der Erprobungsphase der im Forschungsprojekt BaSeTaLK entwickelten gleichnamigen App. BaSeTaLK steht für Tablet-gestützte Biographiearbeit in Senioreneinrichtungen und wird in Zusammenarbeit der OTH Regensburg und der KH Mainz umgesetzt. Das Forschungsteam hat zum Ziel, mit der Entwicklung und Erprobung einer App den sozialen Austausch älterer Menschen in Pflege- und Senioreneinrichtungen zu fördern, das psychische Wohlbefinden zu steigern und die soziale Teilhabe von Heimbewohner*innen zu stärken.

    Seit dem Frühjahr wurde die App in Einzel- und Kleingruppengesprächen mit Heimbewohner*innen aus Pflegeeinrichtungen der Regionen Regensburg und Mainz erprobt. Geleitet werden die Gespräche von Ehrenamtlichen, die zuvor im Umgang mit der App, aber auch mit Blick auf die Gesprächsführung oder Kenntnisse zur Biographiearbeit geschult wurden. „Die App beinhaltet 15 Themen, die wir als Orte bezeichnen – zum Beispiel der Wald, ein Kaufhaus, das Kino oder der Dom. Man betritt sozusagen gemeinsam einen Ort und findet dort verschiedene Impulse wie Fotos und Audio-Beiträge, die zur Reflexion des eigenen Lebens und zum gemeinsamen Austausch anregen. Zentraler Bestandteil sind zudem biographische Fragen, die in einfacher Sprache formuliert sind und in Verbindung mit den anderen Inhalten den Ehrenamtlichen als Moderationshilfe und Anregung dienen“, erklären Katharina Giordano und Vera Leusch, die im Projekt als wissenschaftliche Mitarbeiterinnen tätig sind.

    Im Fall des eingangs erwähnten Heimbewohners brachte der virtuelle Gang in den Dom nach einigen Wochen eine erstaunliche Wende, wie Vera Leusch durch die regelmäßigen Nachbesprechungen mit den ehrenamtlichen Gesprächsleiterinnen erfuhr. „Anfangs liefen die Gespräche in der aus zwei Bewohnern und einer Ehrenamtlichen bestehenden Kleingruppe wohl etwas zäh. Ausgerechnet im Dom – wo es unter anderem auch um das Thema Tod geht – habe der Bewohner allerdings viel mehr von sich erzählt, es wurden Gemeinsamkeiten, ähnliche Erfahrungen und Einstellungen entdeckt, so dass sich die Stimmung – trotz des nicht ganz leichten Themas – positiv entwickelte“, berichtet Vera Leusch. Inzwischen könnten die Gespräche für die Beteiligten gerne oftmals länger dauern als geplant und auch im Alltag sei untereinander mehr Kontakt entstanden.

    Wordcloud zugeschnittenOb es sich bei dieser Entwicklung um einen Einzelfall oder einen generellen Effekt der App-Nutzung handelt, wird die Auswertung der Erprobungsphase in den kommenden Monaten zeigen. Hierzu werden Ergebnisse von Befragungen und Interviews mit den Beteiligten sowie Daten einer Kontrollgruppe, die die App nicht genutzt hat, ausgewertet. „Aus der Forschungsperspektive ist es natürlich spannend herauszufinden, inwiefern sich die Lebensqualität oder Aspekte wie depressive Verstimmung, Zufriedenheit und Kommunikation im Vergleich zur Kontrollgruppe durch die biographisch-orientierten Gespräche auf der Basis der App verändert haben“, erklärt Dr. Sabine Corsten, Professorin für Logopädie an der KH Mainz und Leiterin sowie Koordinatorin des Projekts. Biographiearbeit gewinne in der logopädischen Forschung und Praxis zunehmend an Bedeutung, ergänzt Corsten. „Häufig wird mit der Logopädie die Behandlung von Sprech- oder Sprachstörungen verbunden. Immer mehr Aufmerksamkeit erfährt jedoch auch das Schaffen oder Ermöglichen von Kommunikation im Sinne einer präventiven Maßnahme.“

    Die Ergebnisse der Auswertungsphase werden voraussichtlich im Frühjahr 2022 vorliegen. Das Projekt BaSeTaLK endet im Sommer 2022 und wird mit rund 650.000 Euro über die Förderlinie FH-Sozial des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. Perspektivisch soll die App nach Abschluss des Projekts für den Einsatz in Pflegeeinrichtungen und möglichen anderen Settings frei zur Verfügung stehen. „Auf Basis der Rückmeldungen aus der Erprobungsphase werden wir die App jetzt nochmal überarbeiten. Danach wird sie Open Source veröffentlicht, das heißt, dass der Quellcode der App mit allen Materialien wie Fotos und Hörgeschichten von Interessensverbänden, Institutionen oder auch Unternehmen frei genutzt werden kann. Damit hoffen wir, dass die App auch künftig älteren Menschen zugutekommen wird“, erklärt Dr. Norina Lauer, Professorin für Logopädie an der OTH Regensburg und Projektleiterin.
    Wissenschaftliche Ansprechpartner:

    Prof. Dr. Norina Lauer
    Projektleitung BaSeTaLK
    Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg
    Angewandte Sozial- und Gesundheitswissenschaften
    Seybothstr. 2
    93053 Regensburg

    Tel.: +49 941 943-1087
    Fax: +49 941 943-1468
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    www.oth-regensburg.de