Die Zentrale Koordinierungsstelle berufliche Pflegeausbildung Rheinland-Pfalz (KOMPASS.RLP) hat ihren Abschlussbericht für die Projektphase 2023–2024 vorgelegt. Die Ergebnisse zeigen: KOMPASS.RLP hat dazu beigetragen können, die Pflegeausbildung im Land zu stärken, Akteure besser zu vernetzen und neue Ausbildungsressourcen zu erschließen.

Die zentralen Ergebnisse im Überblick:

  • Hohe Nachfrage nach Beratung: Über 140 konkrete Anfragen von Pflegeschulen und Trägern praktischer Ausbildung wurden bearbeitet. KOMPASS.RLP konnte vielfach Lösungen aufzeigen, insbesondere bei Fragen der Lernortkooperation und Ausbildungsorganisation.

  • Neues Landesnetzwerk: Vier landesweite Netzwerktreffen und zahlreiche regionale Regio-Netz-Veranstaltungen brachten Verantwortliche aus Schulen, Praxiseinrichtungen und Behörden zusammen. Mit fast 100 Teilnehmenden startete 2024 das neue Landesnetzwerk Koordination in der Pflegeausbildung.

  • Neue Praxisplätze gesichert: Rund 1.000 Einrichtungen wurden angesprochen, über 100 konnten neu in die Ausbildung eingebunden werden – darunter 53 pädiatrische und 11 psychiatrische Einsatzorte, die besonders dringend benötigt wurden.

  • Digitale Angebote ausgebaut: Die Projektwebsite www.kompass.rlp.de wurde neu strukturiert und die Praxisplatzbörse weiterentwickelt. Mehr als 130 Einrichtungen und Schulen registrierten sich bis Projektende. Zusätzlich wurde der DigiPA-Digital-Wegweiser zur Förderung digitaler Kompetenzen in der Pflegeausbildung integriert.

  • Eine landesweite Erhebung erfasste erstmals systematisch die Arbeit von Praxiskoordinatorinnen und -koordinatoren. 224 Akteure wurden identifiziert, ihre Aufgabenprofile und Bedarfe analysiert – ein wichtiger Schritt zur Professionalisierung dieses jungen Berufsfeldes.

  • Positive Rückmeldungen: In einer Befragung bewerteten fast alle Teilnehmenden die Angebote von KOMPASS.RLP als wertvolle Unterstützung. Besonders geschätzt wurden die Vernetzungstreffen und die Hilfestellungen bei der Akquise neuer Lernorte.

Mit dem Ende der Projektlaufzeit endet zwar die aktuelle Phase von KOMPASS.RLP, doch das Land Rheinland-Pfalz setzt auf Kontinuität: Im Rahmen der Fachkräftestrategie Pflege Rheinland-Pfalz 2025–2028 wird die Arbeit fortgeführt – im Zentrum stehen die Qualifizierung, Gewinnung und langfristige Bindung von Pflegefachkräften sowie die Stärkung digitaler Bildung und innovativer Technologien.


Zur Pressemitteilung: https://kompass.rlp.de/abschlussbericht-kompass-zentrale-koordinierungsstelle-berufliche-pflegeausbildung-ist-veroeffentlicht/

Foto: stock.adobe.com - Dragana Gordic

Wie eine praxisnahe und zugleich kostengünstige Ausbildung in der Geburtshilfe gelingen kann, demonstriert ein innovatives Forschungsprojekt an der Technischen Hochschule Aschaffenburg. Im Mittelpunkt steht dabei die Schwerpunktprofessur von Professorin Hemma Pfeifenberger. Im Rahmen des interdisziplinären Projekts wurden 3D-gedruckte Modelle des Gebärmutterhalses in verschiedenen Konsistenzen entwickelt und im Skills Lab von Fachpersonen evaluiert. Ziel war es, Studierenden der Hebammenkunde das vaginale Ertasten des Muttermundes in einem geschützten und ethisch unbedenklichen Lernumfeld zu ermöglichen – und das bereits vor den ersten praktischen Untersuchungen an Schwangeren.

Realitätsnahe Modelle für eine praxisorientierte Ausbildung

Für die Beurteilung des Geburtsfortschritts sind neben der Weite und Öffnung des Muttermundes auch Veränderungen in der Gewebefestigkeit entscheidend. Genau an diesem Punkt setzt das Projekt an: Die entwickelten 3D-Modelle verfügen über unterschiedliche Konsistenzen, die die Gewebeveränderungen des Muttermundes im Verlauf der Geburt realitätsnah abbilden. Dies wird durch den Einsatz verschiedener Füllmaterialien aus elastischem Filament ermöglicht – einem flexiblen Kunststoff, der sich für den 3D-Druck eignet.

Die Entwicklung der Modelle war interdisziplinär angelegt: Hemma Pfeifenberger, Professorin für Hebammenkunde an der TH Aschaffenburg, entwarf am Computer verschiedene digitale Varianten der Muttermundmodelle. In enger Kooperation mit Sebastian Kraus von der Fakultät Ingenieurwissenschaften und Informatik wurden diese Entwürfe anschließend in zehn unterschiedlichen Konsistenzen im 3D-Druckverfahren umgesetzt. Die Produktionskosten pro Modell liegen dabei lediglich im Centbereich.

Fachliche Beurteilung der Modelle

Zur Überprüfung der Realitätsnähe und zur Einschätzung der Übereinstimmung mit verschiedenen Gewebekonsistenzen wurden die Modelle von Fachpersonen beurteilt. Ziel war es, herauszufinden, welche Füllmaterialien die Beschaffenheit des Muttermundes während der Geburt besonders authentisch abbilden.

Im ersten Durchlauf flossen insgesamt 87 Bewertungen in das Projekt ein – überwiegend basierend auf Rückmeldungen von Hebammenstudierenden sowie erfahrenen Hebammen. Bereits diese Auswertung zeigte klare Tendenzen hinsichtlich der realitätsnahen Modellvarianten. Dabei wurde deutlich: Erfahrene Hebammen nahmen die Konsistenzen differenzierter und präziser wahr als Studierende – eine zentrale Erkenntnis für die didaktische Weiterentwicklung.

Im nächsten Schritt soll die Evaluation auf Ärztinnen und Ärzte ausgeweitet werden, um potenzielle Unterschiede in der Wahrnehmung und Beurteilung zwischen den Berufsgruppen systematisch zu erfassen.

Präsentation auf internationalem Fachkongress

Ein besonderes Highlight des Projekts war die Präsentation auf dem größten europäischen Kongress für Gynäkologie und Geburtshilfe, dem EBCOG-Kongress, der vom European Board and College of Obstetricians and Gynaecologists organisiert wird. Hemma Pfeifenberger gehörte zu den wenigen Hebammen, die eingeladen wurden, ihre Forschung vor einem überwiegend ärztlichen Fachpublikum vorzustellen.
In ihrem Vortrag präsentierte sie die ersten 87 Bewertungen der 3D-gedruckten Modelle und nutzte gleichzeitig die Gelegenheit, internationalen Gynäkologinnen und Gynäkologen die Modelle selbst ertasten zu lassen – ein wertvoller Schritt, um zusätzliche Daten zur Realitätsnähe und Einschätzung durch unterschiedliche Berufsgruppen zu gewinnen.

Das Abstract ihres Vortrags wird darüber hinaus im European Journal of Obstetrics and Gynaecology veröffentlicht und verleiht dem Projekt internationale Sichtbarkeit in der Fachwelt.

Transfer zwischen Theorie und Praxis

Das Projekt steht beispielhaft für einen gelungenen Theorie-Praxis-Transfer: Studierende übertragen ihr in den Vorlesungen erlerntes Wissen über praktische Übungen im Skills Lab bis hin zu den ersten realen Untersuchungen an Schwangeren. Gleichzeitig zeigt sich auch ein effektiver Praxis-Theorie-Transfer: Erkenntnisse aus der Anwendung der 3D-Modelle fließen direkt in die Lehre zurück und bereichern die Ausbildung durch praxisnahe Forschung.

Die Schwerpunktprofessur für Hebammenkunde wird gezielt genutzt, um diese Modelle didaktisch sinnvoll in der Ausbildung einzusetzen – ein Beispiel dafür, wie innovative Lehrformate die Qualität der Ausbildung nachhaltig verbessern können.


Zur Pressemitteilung: https://www.th-ab.de/hochschule/aktuelles/presse/artikel/3d-modelle-fuer-die-hebammenkunde-th-aschaffenburg-erforscht-praxisnahe-lehrformate

Foto: 3D-gedruckte Modelle vom Muttermund für die Hebammenkunde (Quelle: Hemma Pfeifenberger, Copyright: Hemma Pfeifenberger, TH Aschaffenburg)

 

 

An der Hochschule Magdeburg-Stendal wird im Rahmen eines Forschungsprojekts untersucht, wie Pflegekräfte in ihrer Ausbildung auf Extremwetterereignisse wie Starkregen, Hochwasser, Stürme oder Hitzewellen vorbereitet werden. Ziel ist es, bestehende Ausbildungsinhalte zu analysieren und mögliche Bedarfe zur besseren Vorbereitung auf klimabedingte Krisensituationen zu identifizieren.

Im Sommer 2021 wird das Ahrtal von einer verheerenden Flutkatastrophe getroffen: Innerhalb weniger Stunden führen sintflutartige Regenfälle zu massiven Überschwemmungen, ganze Orte werden zerstört, zahlreiche Menschen verlieren ihr Zuhause oder kommen ums Leben. Solche Extremwetterereignisse nehmen weltweit zu und stellen auch in der Pflegeversorgung eine wachsende Herausforderung dar. Der Deutsche Wetterdienst weist verstärkt auf eine Zunahme und geografische Ausweitung solcher Ereignisse hin – auch in bisher wenig betroffenen Regionen.

„Während die Katastrophenpflege (engl. disaster nursing) in Ländern wie den USA, Japan oder der Türkei bereits länger thematisiert wird, rückt das Thema in Deutschland erst in jüngerer Zeit stärker in den Fokus und ist auch Teil einschlägiger Rahmenprogramme wie beispielsweise der Deutschen Strategie zur Stärkung der Resilienz gegenüber Krisen und Katastrophen“, sagt Prof. Dr. Dagmar Arndt von der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Ein bislang wenig erforschter Aspekt ist die Ausbildung von Pflegekräften: Welche Themen rund um Katastrophenvorsorge, Handeln in Krisensituationen und Nachsorge werden vermittelt? Und wie gut ist dies international vergleichbar? Genau an dieser Fragestellung setzt das Forschungsprojekt DiLiP – Disaster Literacy/Preparedness ausgewählter Gesundheitsberufe und Akteure im Gesundheitswesen – an, das unter der Leitung von Dagmar Arndt an der Hochschule Magdeburg-Stendal durchgeführt wird.

„Wir wollen zunächst herausfinden, was Pflegende in ihrer Ausbildung überhaupt zum Thema Katastrophen lernen – und was nicht“, erklärt Dagmar Arndt. Im Fokus stehen dabei sowohl Curricula in der Ausbildung als auch in der Fort- und Weiterbildung. „Darüber hinaus interessiert uns die Perspektive der Lehrenden: Fühlen sie sich eigentlich gut vorbereitet, entsprechende Inhalte zu vermitteln? Und wenn nicht – wo bestehen Bedarfe?“, erläutert Alexandra Stahlberg, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt.

Das Ziel des Projekts ist es, gemeinsam mit Pflegekräften mit Katastrophenerfahrung, Experten aus Bevölkerungsschutz und Katastrophenpflege sowie Lehrenden praxisnahe und anwendbare Module zu wichtigen Themen des Handelns in Katastrophen zu entwickeln. Aktuell führt das Forschungsteam eine landesweite Online-Befragung unter Pflegeschulen und Lehrenden durch. Lehrkräfte und Bildungseinrichtungen im Pflegebereich sind herzlich eingeladen, sich bis Ende Juli 2025 an der Befragung zu beteiligen.

Das Projekt ist ein Teilprojekt im Forschungsclusters „Klimaresilienz und Klimaneutralität“ des Kompetenznetzwerks für angewandte und transferorientierte Forschung (Förderer: EU-EFRE; LSA, ZS/2023/11/181953) an der Hochschule Magdeburg-Stendal.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:
Projekt DiLiP
Hochschule Magdeburg-Stendal, Fachbereich Soziale Arbeit, Gesundheit und Medien
Projektleitung: Prof. Dr. Dagmar Arndt; Tel: (0391) 886 4320
Wissenschaftliche Mitarbeiterin: Alexandra Stahlberg, Tel: (0391) 886 4952
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.


Zur Pressemitteilung: https://www.h2.de/hochschule/aktuelles/single-news/single/bereit-fuer-den-ernstfall.html

Foto: Das DiLiP-Projektteam auf dem Campus Magdeburg mit Prof. Dr. Dagmar Arndt (Projektleitung, 2. v. l.))