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Liane Kepalies

Pflege lernen mit Podcasts
Tatort Pflege – Arbeitsbuch mit Hörfällen

Elsevier / Urban & Fischer, München 2026, 288 Seiten, 29,00 €, ISBN 978-3-437-25253-2

Wie lässt sich Lernen in einer Pflegeausbildung gestalten, die von hoher Stoffdichte, komplexen Handlungssituationen und begrenzten Lernzeiten geprägt ist? 

Mit Pflege lernen mit Podcasts legt Liane Kepalies ein Blended-Learning-Konzept vor, das gedrucktes Arbeitsbuch, Podcastfolgen sowie ergänzende digitale Materialien auf einer Streamingplattform miteinander verbindet. Im Zentrum steht die Idee, pflegefachliches Wissen nicht nur zu lesen, sondern auch zu hören, zu bearbeiten, zu reflektieren und auf konkrete Fallsituationen anzuwenden.
Liane Kepalies ist Gesundheits- und Krankenpflegerin, Praxisanleiterin und Lehrkraft für Pflegeberufe. Nach beruflichen Stationen in Praxis, Leitung und Ausbildung absolvierte sie 2016 den Masterstudiengang Health Professions Education an der Charité und arbeitet heute mit Schwerpunkt digitale Bildung in der Pflegeausbildung. 2023 gründete sie den Podcast Tatort Pflege, den sie gemeinsam mit Judith Seep gestaltet – Krankenschwester, Wundexpertin (ICW), Lehrende in der generalistischen Pflegeausbildung und ebenfalls im Bereich Health Professions Education ausgebildet.

Der Podcast ist dabei nicht bloß Begleitmaterial, sondern zentrales Element des Gesamtkonzepts. Auf der Streamingplattform stehen 25 Episoden bereit, in denen typische pflegerische Fallkonstellationen aufgegriffen und mit fachlichem Hintergrundwissen verknüpft werden. Thematisch reicht das Spektrum von Herzinfarkt, Diabetes mellitus und Delir über Parkinson, Dekubitus und Pneumonie bis zu Depression, Borderline-Persönlichkeitsstörung oder Autismus-Spektrum-Störung.

Didaktisch nutzt das Format die Potenziale auditiven Lernens überzeugend. Fallgeschichten lassen sich hörend häufig unmittelbarer erfassen als rein textbasiert. Situationen gewinnen an Anschaulichkeit, Abläufe werden nachvollziehbar und Zusammenhänge leichter zugänglich. Gerade für Lernende mit knappen Zeitressourcen entsteht dadurch ein relevanter Mehrwert, da Übergangszeiten im Alltag produktiv als Lernzeit genutzt werden können.

Zugleich wird eine bekannte Grenze auditiver Lernmedien sichtbar: Gehörte Inhalte bleiben ohne Sicherung häufig flüchtig. Genau an diesem Punkt setzen sowohl das gedruckte Arbeitsbuch als auch ergänzende Arbeitsmaterialien auf der Streamingplattform an. Zu jeder Episode finden sich Falldarstellungen, Fachwissen, Arbeitsaufträge, Mindmaps sowie Lösungsvorschläge. Insgesamt entsteht ein schlüssiger Dreischritt aus Hören, Bearbeiten und Überprüfen.

Das Buch ist übersichtlich aufgebaut und orientiert sich an den fünf Kompetenzbereichen der generalistischen Pflegeausbildung nach PflAPrV. Fälle werden nicht nur medizinisch, sondern auch kommunikativ, rechtlich, ethisch und wissenschaftsbezogen erschlossen. Dadurch bleibt das Werk anschlussfähig an aktuelle curricular-didaktische Anforderungen. Für Lehrende und Praxisanleitende ergeben sich vielfältige Einsatzmöglichkeiten im Unterricht, in Lerngruppen oder zur gezielten Prüfungsvorbereitung.

Besonders gelungen ist die didaktische Gesamtanlage des Projekts. Podcast, digitale Zusatzmaterialien und Arbeitsbuch ergänzen sich funktional: Der Podcast motiviert und schafft Praxisnähe, die Arbeitsmaterialien fördern aktive Auseinandersetzung, das Buch ermöglicht Strukturierung, Vertiefung und Lernerfolgskontrolle. Damit wird ein häufiges Defizit digitaler Lernangebote vermieden, die sich auf reinen Medienkonsum beschränken.

Weniger überzeugend fällt hingegen die technische und verlegerische Umsetzung der Streamingplattform aus. QR-Codes im Buch führen teilweise zunächst auf Verlagsseiten, bevor die eigentlichen Inhalte erreichbar sind. Ergänzende Arbeitsblätter stehen nur eingeschränkt digital zur Verfügung, sind nicht direkt bearbeitbar und teils mit Wasserzeichen versehen. Für ein Produkt, das mediengestütztes Lernen fördern möchte, wirkt dies unnötig umständlich und nicht durchgehend nutzerorientiert.

Auch die im Buch vorgesehenen Bearbeitungsflächen sind stellenweise knapp bemessen. Wer ausführlicher schriftlich arbeitet, wird zusätzliche Notizmedien benötigen. Dies schmälert den Gesamtnutzen nicht grundsätzlich, verweist jedoch auf Optimierungspotenzial in künftigen Auflagen.

Die fachliche Tiefe ist dem Ausbildungskontext angemessen, folgt jedoch konsequent einem anwendungsorientierten Zugriff. Das Werk erhebt keinen Anspruch auf pflegewissenschaftliche Kontroverse oder umfassende Evidenzaufarbeitung – es versteht sich erkennbar als Lern- und Arbeitsinstrument, nicht als wissenschaftliche Monografie.

Für wen eignet sich das Werk? Besonders profitieren dürften Auszubildende in der generalistischen Pflegeausbildung, Prüfungskandidatinnen und -kandidaten sowie Lehrende und Praxisanleitende, die methodische Impulse für Unterricht und Anleitung suchen.

Zusammenfassend ist Pflege lernen mit Podcasts ein didaktisch durchdachter und praxisnaher Beitrag zur Weiterentwicklung pflegeberuflicher Ausbildungskultur. Der Podcast Tatort Pflege bildet den fallbasierten Ankerpunkt eines sinnvoll konzipierten Blended-Learning-Arrangements, das durch Arbeitsbuch und Zusatzmaterialien substanziell ergänzt wird. Schwächen liegen weniger im Konzept selbst als in der digitalen Bereitstellung durch den Verlag. Insgesamt handelt es sich um ein innovatives und für Ausbildungskontexte klar empfehlenswertes Angebot.


Eine Rezension von Michaela Key MSc, RN
Leiterin Bildung Universitätsspital Zürich, Direktion Pflege und MTTB

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