
Anne Kirschner und Tom Wellmann (Hrsg.)
Ethisches Denken – schulisches Handeln
Philosophische und pädagogische Perspektiven
Beltz Juventa, Weinheim 2025, 194 Seiten, 25,00 €, ISBN 978-3-7799-7830-5
Inhaltlich bündelt der Band „Ethisches Denken – schulisches Handeln“ philosophische und pädagogische Beiträge, die auf einer Ringvorlesung der Pädagogischen Hochschule Heidelberg aus dem Jahr 2023 basieren. Im Zentrum des Bandes stehen ethische Fragen des Berufsalltags von Lehrpersonen sowie mögliche Zugänge zu deren Reflexion. Adressiert werden laut Kirschner & Wellmann Lehrende sowie Personen, die in der Lehrkräftebildung tätig sind.
Die Herausgebenden leiten den Band mit einem Überblick über das Programm der Ringvorlesung ein. Im weiteren Verlauf folgen dann Beiträge zu Grundfragen der Ethik im konkreten schulischen Kontext. Dabei werden diverse Themen behandelt – von der Frage, wie autonomieförderlich Erziehung sein kann (vgl. Weyers) bis hin zur curricularen Analyse von ethischen Themen als „Querschnittsaufgabe“ (Dammer, S. 121). Dabei werden stets auch gesellschaftliche Entwicklungen mitberücksichtigt. Die Rolle von Lehrpersonen wird überwiegend im Sinne eines modernen Verständnisses als Lernbegleitung dargestellt.
Die Beiträge weisen eine hohe theoretische Dichte auf, bleiben jedoch stets an der Realität pädagogischer Fachkräfte orientiert. Gleichzeitig werden primär reflexive Prozesse adressiert – wer Patentlösungen für seinen Unterricht sucht, wird sie in diesem Band nicht finden. Vielmehr laden die Beiträge dazu ein, alltägliche Entscheidungssituationen sowie schulische Strukturen zu hinterfragen und durch eine ethische Linse zu betrachten. Die Stärke der Publikation liegt darin, Herausforderungen und Rahmenbedingungen auf der Basis struktureller, gesellschaftlicher und politischer Entwicklungen zu betrachten, ohne dem Einzelnen allein die ethische Verantwortung für die Lösung von ethischen Dilemmata zu übertragen.
Einschränkend ist anzumerken, dass es insbesondere Lehrpersonen im Studium – die als explizite Zielgruppe genannt werden – schwerfallen könnte, aufgrund der hohen theoretischen Dichte zu einer praktischen Umsetzung der Erkenntnisse zu gelangen. Für die Nutzung in der Lehrkräftebildung erscheint eine didaktische Aufbereitung sinnvoll. Gleichzeitig erleichtert der Aufbau anhand der Ringvorlesungen eine schrittweise ‚Bearbeitung‘ der Beiträge in einem individuellen Tempo. Insbesondere aufgrund der Analyse der Curricula und ihrer historischen Einordnung liegt der Fokus auf dem deutschsprachigen Raum, sodass eine Übertragung auf andere Bildungskontexte limitiert wird.
Insgesamt richtet sich der Band vor allem an Lesende, die bereit sind, sich vertieft auf anspruchsvolle theoretische Argumentationen einzulassen und den Alltag als Lehrperson aus einem ethischen Blickwinkel zu hinterfragen. Dieser Zielgruppe bietet er eine anregende Grundlage, um professionelles Handeln im Kontext Schule kritisch zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.
Eine Rezension von Jacqueline Eilrich, M. A.
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