
Dorit van Meel, Petra Hagen Hodgson, Roswitha Wolf (Hrsg.)
Green Care
Lehr- und Praxishandbuch für Grün- und Gesundheitsberufe
hogrefe Verlag, Bern, 1. Auflage 2026, 232 Seiten, 48,00 € (Print) / 42,99€ (E-Book), ISBN 978-3-456-86300-9 (Print) /978-3-456-96300-6 (E-Book)
Mit dem Lehr- und Praxishandbuch Green Care legen Dorit van Meel, Petra Hagen Hodgson und Roswitha Wolf ein Übersichtswerk vor, das sich einem zunehmend diskutierten Ansatz an der Schnittstelle von Natur, Gesundheit und sozialer Arbeit widmet. Green Care beschreibt die gezielte Nutzung natürlicher Umgebungen, von Pflanzen, Tieren und Landschaften zur Förderung von Gesundheit, Wohlbefinden und sozialer Teilhabe. Der Anspruch des Buches ist entsprechend breit angelegt: Es richtet sich gleichermaßen an Fachpersonen aus Grünberufen wie an Gesundheits- und Sozialberufe und versteht sich als interdisziplinäres Lehr- und Praxishandbuch.
Der Aufbau des Buches folgt einer klaren und einfachen Grundstruktur. In einem einleitenden Teil werden zunächst zentrale Begriffe und konzeptionelle Grundlagen des Green-Care-Ansatzes erläutert. Dazu gehören neben definitorischen Fragen auch anthropologische Überlegungen zur Beziehung zwischen Mensch und Natur sowie eine kurze historische Einordnung der Entwicklung entsprechender Ansätze. Ergänzend wird skizziert, welche Rolle natürliche Umgebungen für Gesundheit und Wohlbefinden spielen können. Dieser theoretische Teil ist bewusst kompakt gehalten und umfasst etwa ein Viertel des Gesamtumfangs.
Der deutlich größere Teil des Buches widmet sich praxisnahen Beispielen aus unterschiedlichen Arbeitsfeldern. Hier zeigt sich der Charakter des Werkes als Praxishandbuch besonders deutlich. Die Beiträge reichen von der Darstellung sozialer Landwirtschaft und Care Farming über Waldtherapie und Gartenpädagogik bis hin zu tiergestützten Interventionen mit unterschiedlichen Tierarten. Auch spezifische Anwendungsfelder werden aufgegriffen, etwa im psychiatrischen Kontext oder in klinischen Einrichtungen. In einigen Beiträgen wird beispielsweise beschrieben, wie naturbezogene Interventionen auch in hochspezialisierten Settings – etwa im intensivmedizinischen Umfeld – eingesetzt werden können.
Die einzelnen Beiträge sind sehr unterschiedlich gestaltet. Einige Kapitel sind ausführlich und stark textorientiert, andere arbeiten stärker mit Bildern und kurzen erläuternden Texten. Diese Vielfalt spiegelt einerseits die unterschiedlichen Perspektiven der Autorinnen und Autoren wider, führt andererseits aber auch zu einer gewissen Heterogenität im Aufbau der Kapitel. Gleichwohl gelingt es insgesamt, einen nachvollziehbaren Zusammenhang zwischen den zuvor dargestellten Grundprinzipien von Green Care und deren praktischer Umsetzung herzustellen. Dabei unterstützt auch die einheitliche Vorgabe für die Struktur der Praxis-Kapitel.
Ein auffälliger Aspekt des Buches ist die starke Präsenz von Beispielen aus der Schweiz und aus Österreich. Projekte aus Deutschland sind vergleichsweise selten vertreten. Dieser Umstand wird im Buch jedoch nachvollziehbar eingeordnet. Alle drei Herausgeberinnen arbeiten in der Schweiz und in den einführenden Beiträgen wird deutlich gemacht, dass Green-Care-Ansätze insbesondere im deutschsprachigen Raum außerhalb Deutschlands bereits stärker institutionell verankert sind, während entsprechende Strukturen in Deutschland noch weniger ausgeprägt sind.
Aus der Perspektive des Rezensenten – der aus dem Gesundheitswesen und der pädagogischen Arbeit stammt, jedoch nicht unmittelbar aus der Naturpädagogik – lässt sich vor allem die Anschlussfähigkeit des Ansatzes an Gesundheits- und Pflegeberufe beurteilen. Gerade hier bietet das Buch einen interessanten Einblick in mögliche Erweiterungen gesundheitsbezogener Praxis. Auch wenn eine detaillierte fachliche Bewertung einzelner naturpädagogischer Konzepte aus dieser Perspektive nur eingeschränkt möglich ist, wird beim Lesen deutlich, wie konsequent viele der vorgestellten Projekte versuchen, die grundlegenden Prinzipien von Green Care in konkrete Praxisformen zu übersetzen.
Insgesamt vermittelt das Buch einen breiten Überblick über unterschiedliche Arbeitsfelder und zeigt anschaulich, wie vielfältig der Einsatz von Naturbezügen in gesundheitsfördernden und therapeutischen Kontexten gestaltet werden kann. Gerade für Leserinnen und Leser, die sich bislang nur wenig mit dem Thema Green Care beschäftigt haben, bietet das Werk eine gut zugängliche Einführung und zahlreiche praxisnahe Beispiele.
Fazit:
Green Care – Lehr- und Praxishandbuch für Grün- und Gesundheitsberufe ist ein umfangreiches Sammelwerk, das einen breiten Einblick in ein interdisziplinäres und zunehmend relevantes Arbeitsfeld bietet. Während der theoretische Teil bewusst kompakt gehalten ist, liegt die Stärke des Buches eindeutig in der Vielfalt der dargestellten Praxisbeispiele. Für Fachpersonen aus Gesundheits-, Sozial- und Grünberufen, die sich erstmals mit Green-Care-Ansätzen auseinandersetzen möchten oder Anregungen für eigene Projekte suchen, stellt das Buch eine wertvolle Orientierung dar. Leser*innen aus dem akutstationär-somatischen Bereich sollten allerdings nicht zu viel Erwartungen für den eigenen Arbeitsbereich haben, da hier diese Prinzipien nur recht eingeschränkt möglich sind.
Eine Rezension von Simon Ludwig-Pricha
Ihr Begleiter für Bildungsforschung im Gesundheitswesen:
Lesen Sie in der Pädagogik der Gesundheitsberufe praxisrelevante und peer-reviewte Fachartikel zu Lehr- und Lernprojekten in allen Gesundheitsberufen. Mit einem Online-Abo erhalten Sie Zugriff auf das gesamte Archiv seit Erstausgabe.
Neues BLGS-Positionspapier: Gesonderte Pflegeabschlüsse abschaffen – Generalistik konsequent umsetzen
Anlässlich des Berichts nach § 62 Absatz 1 des Pflegeberufegesetzes empfiehlt der Bundesverband Lehrende Gesundheits- und Sozialberufe (BLGS) e.V. die vollständige Umsetzung der generalistischen Pfleg...Gewalt an Pflegeschulen: Caritas fordert Gleichstellung beim Zugang zu Schutzkonzepten in NRW
Wenn es in Bildungseinrichtungen der Pflege- und Gesundheitsberufe in Nordrhein-Westfalen zu Gewalt kommt, fehlt bislang ein offizieller Notfallplan – anders als an allgemeinbildenden Schulen. Dabei g...Deutscher Pflegerat: Ausbildungszahlen steigen, doch Fachkräftemangel bleibt zentrale Herausforderung
Die Pflege verzeichnet weiterhin steigendes Interesse: Im Jahr 2025 wurden rund 64.300 neue Ausbildungsverträge zur Pflegefachperson abgeschlossen – ein Plus von acht Prozent bzw. 4.900 Verträgen, wie...Stress im Studium: Ergebnisse zur Nutzung von Präventionsangeboten
Wie müssen Präventionsangebote gestaltet sein, damit Studierende sie tatsächlich nutzen? Das von der AOK Bayern geförderte Forschungsprojekt „Gesund studieren – Entspannt studieren in der Metropolregi...

