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Hans-Peter Herrmann (Hrsg.)

Psychologie für Praxisanleiter in Pflege- und Gesundheitsberufen
Auszubildende besser führen

Springer Verlag, Heidelberg 2024, 122 Seiten. 42,99 € (eBook), eBook ISBN978-3-662-69949-2, 24,99 € (Softcover-Buch), Softcover ISBN978-3-662-69948-5

Der Leipziger Herausgeber Hans-Peter Herrmann legt für eine berufspädagogisch befähigte, spezialisierte Berufsgruppe von Praxisanleiter*innen im Gesundheitswesen sein Autorenwerk vor. In diesem skizziert er, gemeinsam mit weiteren Autor*innen, die Herausforderungen für berufspädagogisch zusatzqualifizierte Praxisanleiter*innen als Fachpersonen im Gesundheitswesen, die für die Umsetzung von Gesetzesvorgaben in der beruflichen Praxis verantwortlich sind. Als berufspädagogische Herausforderungen werden Führung, Problemerkennung, Leistungseinschätzung und -bewertung sowie Prüfungssituationen ausführlich aufgenommen. Nicht aufgenommen werden die Differenzierungen zu den Berufen aus dem Titel Pflege- und Gesundheitsberufe. 

Der Bezug von Hans-Peter Herrmann zum Titel des Werkes sind bedauerlicherweise im Werk selbst nicht erkennbar bzw. ohne Angaben. Online lassen sich einige biografische Punkte herleiten, die wichtige Grundlagen für das Autorenwerk sind. Darunter das Lehrer- und Erzieherstudium sowie das Studium der Philosophie, Rechtswissenschaften, Psychologie in Leipzig. 

Psychologie für Praxisanleiter in Pflege- und Gesundheitsberufen. Auszubildende besser führen.“ beruht in seinen fünf Kapiteln auf der Darstellung von  Voraussetzungen guter Führung und Selbstführung, zeigt den Umgang mit Persönlichkeit und Konflikten auf, weist das Feld der Leistungseinschätzung und Leistungsbeurteilung aus und ermöglicht den Einblick in die besonderen Herausforderungen von Prüfungssituationen. Abschließend stellt der Autor für die resiliente Praxisanleiter*in oder Führungskraft vielfältige Empfehlungen für den eigenen Umgang mit berufspädagogischen Herausforderungen dar. Die am Ende aufgeführte Literatur zeigt im Wesentlichen auf verschiedene Standardwerke der psychologischen Fachbereiche aus den letzten 20 Jahren und ein Kurzlehrbuch Pflegeberufe von 2008.  

Neu in Hermanns Titel ist, dass ein nicht im Berufsbereich Pflege- und Gesundheitsberufe tätiger Experte für Psychologie und Tourismus sich der Aufgabe annahm, den berufspädagogisch tätigen Expert*innen im Pflege- und Gesundheitswesen eine übersichtlich strukturierte,  wissenschaftlich fundierte Literatur zur Verfügung zu stellen, die den theoretischen Realitäten in Praxisanleitungs- und Praxisbegleitungssituationen entspricht. Die Transferleistungen bleiben bei den Leser*innen, da keine Best Practise Beispiele aufgeführt werden. Neu ist ebenso, dass die psychologischen Wissensbestände der Sozialpsychologie, der Entwicklungspsychologie, der Pädagogischen Psychologie, der Klinischen Psychologie aufbereitet und kapitelweise zusammengeführt dargestellt werden. Damit ist den Leser*innen ein solider Überblick aus den einzelnen Fachbereichen möglich, ohne selbst mehrere Standardwerke zu lesen. Ein großer Nutzen für Führungskräfte besteht darin, dass ihnen eine gebündelte, klare Übersicht über die tatsächlich informellen Aufgaben zur Verfügung steht, die mit der berufspädagogischen Verantwortung von Praxisanleitung zusammenstehen und einen erheblichen Zeitrahmen innerhalb der Arbeitszeit einnehmen. Somit kann dem häufigen Gesetzestext – 10% bis 15% der praktischen Ausbildungszeit in Gesundheitsfachberufen beträgt die Praxisanleitungszeit – eine neue Reflexionsebene gegeben werden. Viele Inhalte des Werkes sollten standardisierte Inhalte in den 300 Stunden berufspädagogische Zusatzqualifikation für Praxisanleiter*innen sein. Dozent*innen und Lehrende haben mit dem Werk eine gebündelte, strukturierte Übersicht für zu vermittelnde Themen. Praxisanleiter*innen können die theoretisch dargestellten Inhalte als Reflexionsgrundlage für ihre eigene Rollenbildung und Haltungsarbeit nutzen. Vermutlich waren dies auch Ziele des Autorenwerkes. Leider ist dies nicht sicher bestimmbar, da hierzu im Werk keine Angaben vorliegen.

Die im Autorenwerk aufgeführten theoretischen Inhalte sind für alle Fachpersonen  der Sozial- und Gesundheitsberufe elementar, die als Mentor*innen oder Praxisanleiter*innen oder als Bezugspersonen für Auszubildende oder Schüler*innen agieren. Die Ansprechbarkeit dieser Fachpersonen mit dem gewählten Layout insgesamt, aber insbesondere mit dem von Eigendarstellungen (Seite 3, 40 usw.) oder den fehlenden Übergängen (Seite 26) oder den fehlenden Best Practice Beispielen (Seite 25) oder fehlenden grafischen Gestaltungen lässt sich oft nur schwer herstellen.

Vergleicht man „Psychologie für Praxisanleiter in Pflege- und Gesundheitsberufen“ mit einem Standardwerk der Pflegeausbildung „Psychologie für Pflegeberufe“ (Ekert; Ekert. 2019)  fallen im Standardwerk die ansprechenden grafischen Gestaltungen sofort ins Auge. Wichtig wäre in einer Einleitung die kritische Betrachtung und Aufschlüsselung der Berufe aus der Titelüberschrift Pflege- und Gesundheitsberufe. Zu den Gesundheitsberufen gehören alle akademischen Gesundheitsberufe und alle Gesundheitsfachberufe, zu denen insbesondere die Ausbildung der Pflegefachpersonen zählt. Häufig werden Titelüberschriften genutzt, ohne klar darzustellen, welche Berufe oder welche Ausbildung sich dahinter verbergen. Das wäre eine wichtige Grundlage für die theoretische Übersicht im Werk gewesen. Eine kritische Entscheidung wäre dann möglicherweise Sozial- und Gesundheitsberufe oder Gesundheits- und Gesundheitsfachberufe.    

Psychologie für Praxisanleiter in Pflege- und Gesundheitsberufen“ ist empfehlenswert für Lehrende und Dozent*innen in allen Gesundheits- und Sozialberufen, die die berufspädagogischen Zusatzqualifikationen verantworten sowie für die berufspädagogisch zusatzqualifizierten Praxisanleiter*innen selbst, um den eigenen Reflexions- und Haltungsprozess im Lehr-Lernkontext wirksam zu gestalten und mit eigenen Best Practice Beispielen zu antizipieren.

Eine Rezension von Manuela Heyn,
Diplommedizinpädagogin, M.A. Leitung, Bildung, Diversität ,
Fachpflege Anästhesie und Intensivpflege,
Schulleitung Anästhesietechnische und Operationstechnische Assistenz

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