Foto: stock.adobe.com - Prathankarnpap

Deutscher Pflegerat zieht Bilanz zur Anhörung zur Pflegefachassistenzausbildung

Nach der öffentlichen Anhörung im Bildungsausschuss des Deutschen Bundestags am 6. Oktober 2025 zieht der Deutsche Pflegerat (DPR) folgendes Fazit: Die bundeseinheitliche Einführung der Pflegefachassistenzausbildung stelle einen wichtigen Schritt dar, um Qualität, Vergleichbarkeit und Durchlässigkeit in der Pflegebildung zu gewährleisten. Dabei sei entscheidend, dass das erforderliche Qualifikationsniveau nicht unterschritten wird.

„Wir begrüßen ausdrücklich, dass die bisher zersplitterten Landesregelungen nun vereinheitlicht werden sollen“, sagt Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats. „Nur mit bundeseinheitlichen Standards schaffen wir Transparenz, Mobilität und Verlässlichkeit in der Ausbildung. Doch Qualität braucht Zeit: Eine zweijährige Ausbildungsdauer auf DQR-Niveau 3 ist die ideale Voraussetzung, um die erforderlichen Kompetenzen zu erwerben und die Patientensicherheit zu gewährleisten. “

Kathrina Edenharter, Präsidiumsmitglied des DPR, betont die Bedeutung einer fundierten Ausbildung: „18 Monate sind organisatorisch möglich, fachlich aber nicht ausreichend. Kompetenz entsteht durch die Verbindung von Theorie, Praxis und Reflexion. Wer die Ausbildung zu stark verkürzt, gefährdet den Kompetenzaufbau und damit auch die Versorgungsqualität.“

Zugang ohne Schulabschluss gefährdet Qualität

Der DPR übt Kritik an der im Gesetzentwurf vorgesehenen Möglichkeit, die Ausbildung ohne Schulabschluss zu beginnen, sofern die Pflegeschule eine positive Prognose stellt. Edenharter erläutert: „Pflege erfordert Verantwortungsbewusstsein, Kommunikationsfähigkeit und Fachwissen. Ohne Schulabschluss steigt das Risiko von Ausbildungsabbrüchen deutlich. (...) Eine Prognoseentscheidung ersetzt keine solide Grundlage. Mindestvoraussetzung für die Ausbildung sollte ein Hauptschulabschluss oder ein gleichwertiger Abschluss sein.“

Vogler fügt hinzu, dass ein gesetzlich vorgeschriebener Prognoseentscheid den Weg zur Berufseinmündung verengt und die Gefahr berge, Menschen auf einen Berufsweg festzulegen, ohne dass ihnen ausreichend Zeit bleibe, sich persönlich zu orientieren und zu entwickeln. Sie betont: „Das widerspricht dem verfassungsrechtlich geschützten Recht auf freie Berufswahl und öffnet die Tür für unnötige Barrieren bei der Ausbildungsaufnahme. Deshalb sollte der Passus zur Prognoseentscheidung im Gesetzentwurf gestrichen werden.“

Gezielte Förderung sichert Ausbildungserfolg

Der DPR betrachtet gezielte Sprachförderung und individuelle Lernbegleitung als zentrale Instrumente zur Sicherung der Ausbildung. Edenharter weist darauf hin, dass fehlende Sprachkenntnisse zu den häufigsten Abbruchgründen zählen. Sie erklärt: „Deshalb braucht es verbindliche Sprachstandards auf Niveau B2, die auch die pflegerische Fachsprache berücksichtigen. So lassen sich Kommunikationsfehler vermeiden und die Patientensicherheit gewährleisten.“

Viele Auszubildende mit geringem schulischen Vorwissen benötigten zudem gezielte Unterstützung. „Schulsozialarbeit und individuelle Lernbegleitung sind keine Kür, sondern Voraussetzung für den Ausbildungserfolg“, betont sie.

Der DPR fordert zudem eine deutlich bessere Betreuungsrelation. Vogler betont, dass eine Lehrkraft idealerweise rund zehn Auszubildende betreuen sollte und organisatorisch bis zu 15 vertretbar seien – nicht zwanzig, wie im Entwurf vorgesehen. Sie ergänzt: „Gute Ausbildung braucht pädagogische Präsenz.“

Einheitlichkeit und klare Rollen in der Pflegebildung

Mit dem Gesetz werde eine überfällige Lücke geschlossen: Bisher existierten 27 verschiedene Landesausbildungen. Vogler erklärt, dass das neue Gesetz gleiche Voraussetzungen in ganz Deutschland schafft und Mobilität ermögliche. Sie betont: „Wichtig ist, die Ausbildung in die Bildungsarchitektur Pflege in Deutschland (BAPID) einzubetten. Das DPR-Projekt BAPID zeigt, wie klare Rollenprofile definiert und Bildungswege von der Pflegefachassistenz bis zur akademisch qualifizierten Pflegefachperson sinnvoll verknüpft werden. Das sichert auch den notwendigen Skill-Mix der Pflegeberufe untereinander.“

Reha-Einrichtungen als Ausbildungsträger und faire Vergütung

Der DPR unterstützt die Forderung, dass auch Rehabilitationseinrichtungen als Träger der Ausbildung zugelassen werden. Edenharter betont, dass diese Einrichtungen einen wichtigen Beitrag zur pflegerischen Versorgung leisten und Ausbildungskapazitäten erweitern können.

Gleichzeitig müsse die Ausbildung auch finanziell attraktiv gestaltet sein, ergänzt sie: „Das muss in den Einrichtungen und in der Tarif-Treue-Regelung der Langzeitpflege berücksichtigt werden.“

Christine Vogler fasst zusammen: „Wir brauchen eine Ausbildung, die Menschen befähigt, Verantwortung zu übernehmen, Qualität zu sichern und Perspektiven zu entwickeln. Das gelingt nur mit klaren Standards und guten Rahmenbedingungen, die Theorie und Praxis sinnvoll verbinden und ausreichend Zeit für den Kompetenzerwerb lassen.“

Der Deutsche Pflegerat steht bereit, die Umsetzung der bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung gemeinsam mit Politik, Ländern und Bildungsträgern fachlich zu begleiten.

CareLit Recherche-Impuls

Die aktuelle CareLit Recherche zu diesem Thema

Passende Fachartikel aus CareLit, automatisch zur Nachricht recherchiert.

5 relevante Treffer aus CareLit

Neue Pflegeorganisation mit Leading Nurses
Ennulat, O. · Care konkret · 2026

Das Modellprojekt „Leading Nurse“ in 16 bayerischen Pflegeeinrichtungen, gefördert vom Bayerischen Gesundheitsministerium, wurde erfolgreich abgeschlossen. Ziel war es, Pflegefachkräfte stärker einzubinden und ihre Kompetenzen zu...

Artikel in CareLit ansehen
Mehr Literatur, Volltexte und Recherchewerkzeuge in CareLit entdecken.CareLit Zugang anlegen
Zeige mir Aktuelles aus der Kategorie...
Image
Image
Image


Sie möchten die Pädagogik der Gesundheitsberufe abonnieren?

Werfen Sie einen Blick über die fachliche Brille hinweg & sichern Sie sich die aktuelle Forschung zur Pädagogik und Didaktik der Gesundheitsberufe:

Jetzt Probe lesen
CareLit Recherche-Impuls

Mehr zum Thema: Ausbildung Pflegefachassistenzausbildung DPR Pflegerat zieht

5 relevante Treffer aus CareLit

DPR: Generalistische Pflegeausbildung kommt zumindest scheibchenweise N.N. · Heilberufe · 2017 Der Deutsche Pflegerat (DPR) äußert Bedauern über das Scheitern der umfassenden Reform der Pflegeausbildung. Der gefundene Kompromiss im Pflegeberufereformgesetz wird als erster Sc ... DPR: Generalistische Pflegeausbildung kommt zumindest scheibchenweise N.N. · Heilberufe · 2017 Der Deutsche Pflegerat (DPR) äußert Bedauern über das Scheitern der umfassenden Reform der Pflegeausbildung. Der gefundene Kompromiss zum Pflegeberufereformgesetz wird als erster S ... Ziel: steuerfinanzierte AusbildungDPR: Mehr als 10.000 Ausbildungsplätze in Gefahr Beyer-Rehfeld, A. · Krankenhaus Umschau, Kulmbach · 2006 Die Verhandlungen der Selbstverwaltung zur Vereinbarung von Richtwerten für die Ausbildungsfinanzierung nach Paragraph 17a KHG sind gescheitert Das ist für die pflegerische Versorg ... Stellungnahme zur Initiative der Sozialpartner: Neuer dualer Ausbildungsberuf für die ambulante Pflege Stöcker, G.; Herbst, U. · PflegePädagogik, Forch · 1998 Der Deutsche Pflegerat bezieht Stellung zum Anliegen der Bundesregierung, zusätzliche Ausbildungsplätze zu schaffen und benachteiligte Jugendliche zu fördern. Dazu schlägt der DPR ... Stellungnahme des Deutschen Vereins zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des Bundesministeriums für Gesundheit eines Gesetzes über die Einführung einer bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung Traub,, A. · Nachrichtendienst des Deutschen Vereins ndv · 2025 Der Deutsche Verein begrüßt die Wiederaufnahme des Gesetzgebungsverfahrens zur bundeseinheitlichen Pflegefachassistenzausbildung und bewertet den Entwurf insgesamt als wichtigen Sc ...
CareLit
Weitere Informationen und über 45.244 Treffer
finden Sie in der CareLit Workbench. Ideal für vertiefende Recherche, Analyse und Literaturarbeit.
Workbench öffnen