
Hans Peter Köllner, Sophie Loidl & Bettina M. Madleitner
Praxisanleitung im hochschuldidaktischen Kontext
Begleitung von Auszubildenden in die Gesundheits- und Krankenpflegepraxis
Facultas Verlag, Wien 2025.,185 Seiten, 28,90 Euro, ISBN 978-3-7089-2488-5
Die Publikation von Hans Peter Köllner, Sophie Loidl und Bettina M. Madleitner widmet sich der Praxisanleitung in einer Pflegeausbildung, die zunehmend akademisiert wird und gleichzeitig durch Fachkräftemangel, steigende Ausbildungszahlen und gesetzliche Änderungen stark gefordert ist. Das Thema ist hochrelevant, da Praxisanleitung wesentlich zur Qualität der Ausbildung, zur Patientensicherheit und zur langfristigen Sicherung pflegerischer Versorgung beiträgt.
Die drei Autor*innen bringen hierfür unterschiedliche Perspektiven mit: Hans Peter Köllner ist Pflegepädagoge und Hochschullehrer mit langjähriger Erfahrung in der Entwicklung von Curricula sowie in der Fort- und Weiterbildung von Praxisanleitenden. Sophie Loidl ist in der Pflegepädagogik und in hochschuldidaktischen Projekten tätig und verbindet wissenschaftliche Forschung mit praktischer Lehre. Bettina M. Madleitner ist erfahrene Pflegepädagogin und Autorin weiterer Fachpublikationen zur Professionalisierung der Pflege. Gemeinsam repräsentieren sie eine fundierte Verbindung von Theorie, Didaktik und pflegerischer Praxis. Diese Hintergründe prägen den theoretisch fundierten, aber praxisnahen Zugang des Buches. Das Werk ist eine eigenständige Fachpublikation, die aus dem aktuellen Reformprozess der Pflegeausbildung in Österreich heraus entstanden ist.
Das Buch ist klar gegliedert. Eingangs stehen Fragen der Professionalisierung und beruflichen Identität, wodurch Praxisanleitung über die reine Vermittlung von Fertigkeiten hinaus als pädagogische und professionelle Aufgabe verstanden wird. Daran schließen sich zentrale Lerntheorien und didaktische Modelle an, die Orientierung für das Anleiten im Alltag geben. Es folgen Kapitel zu rechtlichen und ethischen Grundlagen, zur Formulierung von Lernzielen sowie zu Evaluation und Beurteilung. Abgerundet wird das Werk durch Abschnitte, die schwierige Situationen aufgreifen – etwa Konflikte, Mobbing, Stress oder die Besonderheiten der Begleitung der Generation Z. Damit bietet das Buch eine innere Logik vom „Warum“ über das „Wie“ bis hin zum „Woran messen wir Erfolg“.
Als besondere Stärke überzeugt die konsequente hochschuldidaktische Verortung der Praxisanleitung. Das Buch zeigt, dass Praxisanleitung weit mehr ist als das Anleiten einzelner Handgriffe. Es geht um die Einführung in professionelles, reflektiertes Denken und Handeln, in dem Fehlerkultur, Ethik und Patientensicherheit einen festen Platz haben. Für den österreichischen Diskurs ist diese Integration von Hochschuldidaktik, rechtlichem Rahmen und Identitätsbildung ein wertvoller Beitrag, weil sie die Rolle der Praxisanleitenden stärkt.
Deutlich wird allerdings auch, dass der enge Bezug auf Hochschuldidaktik an Grenzen stößt. In einem Ausbildungssystem, in dem hochschulische und berufsbildende Wege nebeneinanderstehen, wäre eine stärkere Brücke zur Berufsbildungsdidaktik sinnvoll gewesen. Konzepte wie Constructive Alignment oder Cognitive Apprenticeship könnten auch für nicht-akademische Bildungsgänge adaptiert werden. Da letztlich immer die Patient*innen im Mittelpunkt stehen, würde eine solche Öffnung die Anschlussfähigkeit des Buches erhöhen, ohne den Anspruch der Autor*innen zu schmälern.
Mit Blick auf internationale Entwicklungen zeigt sich, dass viele der dargestellten Elemente in anderen Ländern bereits etabliert sind. In der Schweiz sind Praxisbildner*innen fester Bestandteil der Ausbildung, Simulation und Skills-Labs gehören selbstverständlich dazu. Großbritannien hat Preceptorship-Programme entwickelt, die den Berufseinstieg strukturieren, und in Kanada oder den Niederlanden sind kompetenzbasierte Rahmenwerke Grundlage der Anleitung. Ein stärkerer Bezug auf diese Erfahrungen hätte die internationale Anschlussfähigkeit erhöht; zugleich liegt die Stärke des Buches im klaren Fokus auf Österreich, das den hiesigen Kontext ernst nimmt.
Die theoretische Fundierung ist eine klare Stärke des Bandes. Für die direkte Praxisanwendung wären zusätzliche Materialien wie Checklisten, Fallbeispiele oder Entscheidungshilfen hilfreich gewesen. So bleibt das Buch in erster Linie ein Grundlagenwerk, das sich besonders für die Weiterbildung von Praxisanleiter*innen und für hochschulische Lehrveranstaltungen eignet. Für die alltägliche Anleitungspraxis ist eine Ergänzung durch praxisorientierte Handreichungen empfehlenswert.
Die Sprache ist flüssig, die Fachbegriffe werden verständlich eingeführt, und die Struktur ist übersichtlich. Positiv fällt auf, dass die Autor*innen konsequent den Zusammenhang zwischen Anleitung, Identitätsentwicklung und Patientensicherheit in den Blick nehmen. Das macht das Buch sowohl für Praxisanleitende als auch für Lehrende und Verantwortliche in Einrichtungen wertvoll.
Fazit: „Praxisanleitung im hochschuldidaktischen Kontext“ ist ein wichtiger Beitrag zur Professionalisierung der Pflegeausbildung in Österreich. Neu ist weniger die Darstellung einzelner Theorien, sondern die Integration von Hochschuldidaktik, rechtlichen Grundlagen und Identitätsfragen zu einer Gesamtschau, die Praxisanleitung als professionelle Kernaufgabe sichtbar macht. Wer Anleitung reflektiert gestalten und weiterentwickeln will, findet hier fundierte Impulse. Wer praktische Werkzeuge für den Alltag sucht, wird ergänzende Literatur benötigen. Insgesamt ist das Buch eine klare Empfehlung für alle, die Praxisanleitung mit Blick auf Patientensicherheit und Qualität systematisch verankern möchten.
Eine Rezension von Michaela Key
MSc. Gesundheits- und Pflegepädagogik
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